Der Sommer und die etwas entspannteren, ruhigeren Wochen sind nun endgültig vorbei, und unser Leben nimmt wieder so richtig Fahrt auf. In der frühen Morgenstund ist es auch wieder zappendüster. Aber ich kann Sie beruhigen, mit meinem Espresso erlebe ich auch dieser Tage ein Stück weit italienische Leichtigkeit. Im September werden auch wieder die Schultaschen gepackt, und irgendwie passend dazu hat die OECD die neuen PISA-Ergebnisse vorgelegt.
Das Gute einmal vorneweg: Österreichs Gesamtergebnis hat mich doch etwas überrascht. Erstmals seit Einführung der Studie liegen wir in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften signifikant über dem OECD-Schnitt. Aber als Fondsmanager habe ich gelernt, dass ein Ergebnis über der Benchmark für den Investor trotzdem ein richtig mieses Ergebnis sein kann. Und der OECD-Durchschnitt war 2025 in allen drei Bereichen der niedrigste je gemessene Wert.
Sie fragen sich jetzt vielleicht, was das mit der Börse zu tun hat. Und da kommen wir zur Kehrseite der Medaille. Irgendwie konnte ich es gar nicht glauben, dass 28 % der 15-Jährigen im Lesen und in Mathematik nicht einmal die Mindestkompetenz erreichen. Und genau jene werden in ein paar Jahren ins Arbeitsleben einsteigen und damit auch einen beträchtlichen Teil unseres Wirtschaftskreislaufes mitgestalten. Dass das Folgen für den Wirtschaftsstandort haben wird, halte ich für alles andere als unwahrscheinlich.
Mit der Frage der Auswirkung hat sich auch das deutsche ifo-Institut beschäftigt und den Wert der Bildung in einer Studie in Zahlen dargestellt. Würde Deutschland seine Bildungsziele bis 2035 erreichen, wären alle zusätzlichen Erträge bis zum Jahr 2105 aus heutiger Sicht 20,9 Billionen Euro wert. Damit läge der Wert in etwa beim Vier- bis Fünffachen der deutschen Jahreswirtschaftsleistung. Das ist mehr als die gesamte Wirtschaftsleistung Chinas in einem Jahr, immerhin der hinter den USA zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Für Österreich gibt es keine vergleichbare Rechnung, das Ergebnis dürfte aber in Relation zur Wirtschaftsleistung ähnlich ausfallen. Bildung ist vermutlich immer noch eine der besten Zukunftsinvestitionen.
Am Donnerstag war die Sommerpause für die Europäische Zentralbank vorbei. Der EZB-Rat hat die Leitzinsen um einen Viertelprozentpunkt angehoben. Für Sparer zählt der Einlagenzins, und der liegt jetzt bei 2,50 %. Für alle, die Geld auf der Seite haben, ist das eine gute Nachricht, allerdings eine kleine. In Österreich sind die Preise im August um 3,2 % gestiegen. Der Zins liegt damit trotz des Anstiegs noch immer deutlich unter der Inflation.
Sommer, Hitze und Inflation hängen offenbar enger zusammen, als man vermuten würde. Laut einer Ökonomin der Nationalbank ist rund ein Drittel unseres Warenkorbs temperaturabhängig. Nach über gemessenen 41 Grad in Ostösterreich würde man erwarten, dass ein solcher Sommer die Preise nach oben treibt. Bei den Nahrungsmitteln stimmt das auch, am deutlichsten bei Fruchtsäften und Milchprodukten. Die Studie zeigt aber auch eine Gegenbewegung: Nach einem heißen Sommer werden Heizöl und Sprit erfahrungsgemäß billiger, nur zeigt sich das erst Monate später. Unterm Strich gleicht sich das nahezu aus.
Blenden wir kurz zurück in den Februar 2012, als Griechenland für zehnjährige Staatsanleihen 29 % bieten musste und halb Europa darüber diskutierte, ob das Land im Euro bleiben kann. Bis zum Juli 2026 ist dieser Wert auf 3,8 % gefallen. Vor ein paar Jahren hätte ich mir nicht vorstellen können, dass Griechenland eines Tages weniger für seine Schulden zahlen muss als Frankreich. Die Franzosen zahlen derzeit die höchsten Zinsen seit November 2008, bei einer Staatsverschuldung von 120 % der Wirtschaftsleistung. Der Zinssatz ist für Investoren eine wichtige Referenzgröße, denn je schlechter die Lage eingeschätzt wird, desto mehr wird gefordert. Und das sagt in diesem Fall schon einiges.
Nächste Woche ist dann die US-Notenbank an der Reihe, und für Fed-Chef Kevin Warsh wird es die heikelste Sitzung seit seinem Amtsantritt im Mai. Der Markt preist derzeit knapp 60 % Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung ein, eine Senkung wird gar nicht mehr gehandelt. Ich bin gespannt, ob die Notenbank das wirklich durchzieht, denn ins Amt geholt wurde Warsh von einem Präsidenten, der seit Monaten das genaue Gegenteil verlangt.
Gegenwind kommt für US-Staatsanleihen auch aus Norwegen. Der norwegische Staatsfonds hat dem Finanzministerium vorgeschlagen, den Anteil von Staatsanleihen deutlich zu reduzieren. Ein großer Brocken würde dabei auch US-Treasuries betreffen, und das wiederum könnte den Druck auf die Renditen amerikanischer Staatsanleihen erhöhen. Mir stellt sich aber auch unweigerlich die Frage, ob anstelle dessen Anleihen von OpenAI (ChatGPT) oder Anthropic (Claude) dem Portfolio beigemischt werden könnten. Diese scheinen ja etwas zu planen, denn irgendwie müssen die großen KI-Investitionen in den nächsten Jahren auch finanziert werden. Ich könnte dazu ja einmal meine KI befragen, während ich mir noch einen Espresso hole.
Dr. Josef Obergantschnig, Gründer, Obergantschnig Management GmbH & e-fundresearch.com Gastkolumnist
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Josef Obergantschnig ist Unternehmer und Gründer von „Börse kannst auch du“. Über zehn Jahre war er Chief Investment Officer mit Investmentverantwortung im Milliardenbereich und entwickelte Strategien für Banken, Versicherungen und Pensionskassen; außerdem Chief Impact Officer bei NIXDORF Kapital (Deutschland). Obergantschnig lehrt seit mehr als 15 Jahren an Universitäten und Fachhochschulen und hat als Buch- und Studienautor über 500 Fachartikel, Kolumnen und Videos veröffentlicht.
Sein neuer Doppelband „Börse kannst auch du“ macht Finanzbildung verständlich und sofort umsetzbar. Sein Antrieb: Finanzbildung in die Breite – für Freiheit und Selbstbestimmung. Im „Logbuch eines Börsianers“ berichtet er wöchentlich und zieht Bilanz.
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