Das Wachstum im Euroraum war im zweiten Quartal widerstandsfähiger als erwartet. Dies ist auf die anhaltende Stärke in der Peripherie des Euroraums, beispielsweise Spanien, zurückzuführen, aber auch Deutschland nimmt inzwischen an Fahrt auf. Zudem deuten die Frühindikatoren für Juli und August darauf hin, dass sich die Wachstumsdynamik im Euroraum auch im dritten Quartal fortsetzt. Daher haben wir unsere Wachstumsprognose für den Euroraum auf 0,8 % für 2026 (CSS) und 1,4 % für 2027 (über CSS) angehoben.
Wir gehen davon aus, dass die EZB die Zinsen im September um 25 Basispunkte auf 2,5 % anheben wird und damit den Zinserhöhungszyklus abschließt. Die Inflationsrisiken haben sich im Vergleich zum Vorquartal von Abwärtsrisiken zu Aufwärtsrisiken verschoben. Das Risiko besteht darin, dass die Zinsen über 2,5 % steigen, da sich zunehmend Inflationsrisiken abzeichnen. Diese Risiken ergeben sich aus der anhaltenden Krise an der Straße von Hormus sowie die Folgen der extremen Hitze in Europa, die zu einer Dürre geführt hat mit Auswirkungen auf Lebensmittelpreise, Energie und Lieferketten.
Niedrige Gasspeicherstände und die anhaltenden Spannungen im Nahen Osten deuten auf steigende Energierisiken hin. Wir erwarten zwar keine Wiederholung der Entwicklung von 2022/23, ein kalter Winter könnte jedoch zu einem weiteren Anstieg der Energiepreise führen.
Die Inflation bei den Lebensmittelpreisen hat sich überraschend moderat entwickelt, obwohl die Sperrung der Straße von Hormus beispielsweise auch die Versorgung mit Düngemitteln beeinträchtigt hat. Die Dürre in Europa stellt eine zusätzliche Gefahr für die Lebensmittelpreise dar und verringert gleichzeitig das ohnehin knappe Energieangebot (z. B. bei der Kernenergie), während die Energienachfrage (z. B. für Kühlung) erhöht ist. Schließlich hat die Dürre auch zu Belastungen der Lieferketten geführt, beispielsweise aufgrund des niedrigen Wasserstands des Rheins.
Von Katharine Neiss, Chief European Economist bei PGIM Fixed Income
Weitere beliebte Meldungen: