Steigende US-Verschuldung: Der politische Wille scheint zu fehlen
Angesichts der jüngsten Maßnahmen des US-Finanzministeriums und des anhaltenden Anstiegs der langfristigen Renditen richtet sich die Aufmerksamkeit erneut auf die zunehmend angespannte Haushaltslage der USA und die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Anstiegs des Defizits.
Zunächst einmal werden die Bundesausgaben von Zinskosten und zwingenden Ausgabenprogrammen bestimmt. Das bedeutet, dass der Kongress tätig werden müsste, um die zwingenden Ausgabenvorgaben zu drosseln. Dennoch fehlte es in den vergangenen Jahren bei beiden Parteien deutlich an politischer Bereitschaft, das Defizit anzugehen. Zu den weiteren Faktoren, die zu einem Wachstum des Defizits beitragen könnten, gehören die Tendenz, dass befristete finanzpolitische Maßnahmen dauerhaft werden, steigende Zinskosten aufgrund höherer Zinssätze, zunehmender geopolitischer Druck auf die Verteidigungsausgaben sowie wachsender Bedarf im Bereich der Industriepolitik und der Infrastruktur.
Was den jüngsten Druck auf die Langfristzinsen angeht, sind wir der Ansicht, dass makroökonomische Faktoren einen Teil der jüngsten Marktreaktion bestimmen. Beispiele hierfür sind unter anderem ein Haushaltsdefizit, das mittlerweile bei 6 % des BIP oder höher liegt, während es von 2015 bis 2019 bei 3,5 % lag, KI-bezogene Unternehmensanleihen, die Staatsanleihen zunehmend verdrängen, Bedenken hinsichtlich der Inflation inklusive bezüglich dem Commitment der Fed zu dem 2% Inflationsziel, sowie eine Käuferschaft für US-Staatsanleihen, die mittlerweile preisempfindlicher ist, da weniger preisempfindliche Käufer, etwa Zentralbanken, eine weniger dominante Rolle spielen.
Der jüngste Rückkaufplan des Finanzministeriums fällt relativ begrenzt aus. Er hat daher eher Signalwirkung, allerdings vermutlich ohne langfristigen Effekt aufgrund des überschaubaren Maßnahmenpakets der Regierung bezüglich der Kontrolle von Defizit und Renditen. Außerdem könnte er den Emissionsdruck des Finanzministeriums am kurzen Ende der Zinskurve erhöhen, was den erneuten politischen Druck auf die Fed zur Senkung der Zinsen erklären könnte.
Von Robert Sockin, Chief US Economist bei PGIM
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