Die Reaktion der Märkte auf die Fed-Sitzung der vergangenen Woche erfolgte rasch, wobei der Ausverkauf am hinteren Ende der US-Zinskurve die Verantwortlichen wahrscheinlich beunruhigt hat. Zwar können straffere finanzielle Rahmenbedingungen, wie Fed-Vorsitzender Warsh andeutete, einen Teil der Arbeit der Fed übernehmen, doch sind sie kein vollständiger Ersatz für Zinserhöhungen – insbesondere, wenn dadurch die Glaubwürdigkeit der Fed im Kampf gegen die Inflation in Frage gestellt wird. Zum jetzigen Zeitpunkt könnte die Fed bei ihren kommenden Sitzungen aggressiver vorgehen, als sie es vor der Sitzung der vergangenen Woche ursprünglich beabsichtigt hatte.
Letztendlich wird die Ausrichtung der US-Geldpolitik von den Daten abhängen, die zwar weiterhin eine Abschwächung der Inflation zeigen könnten, jedoch vor dem aktuellen geldpolitischen Hintergrund wahrscheinlich nicht in einem Ausmaß, welches eine Rückkehr auf 2 % ermöglicht. Derzeit gibt es vor der FOMC-Sitzung am 16. September mehrere Punkte, die es zu beobachten gilt: zwei CPI-Berichte, einen PCE-Bericht, zwei Arbeitsmarktberichte, einen BIP-Bericht (zweite Schätzung für das 2. Quartal) sowie Warshs Rede in Jackson Hole. Wir rechnen weiterhin mit einer Straffung der Geldpolitik um 75 Basispunkte in diesem Jahr, beginnend im September. Unser Basisszenario von drei Erhöhungen um jeweils 25 Basispunkte bleibt unverändert, doch die Märkte könnten zunehmend die Möglichkeit einer Anhebung um 50 Basispunkte im September einpreisen.
Die Besorgnis über den Ausverkauf am hinteren Ende der US-Zinskurve könnte auch eine Rolle bei der ersten gemeinsamen Intervention der USA und Japans am Yen-Markt seit der Katastrophe von Fukushima im Jahr 2011 gespielt haben. Japan ist mit Abstand der größte ausländische Inhaber von US-Staatsanleihen, und einigen Beobachtern zufolge war Japan bereit, US-Staatsanleihen mit längerer Laufzeit zu verkaufen, nachdem es seine bei der Fed gehaltenen Dollar-Bargeldbestände und Einlagen aufgebraucht hatte. Nach allein durchgeführten Interventionen in Rekordhöhe im April und Mai verkaufte das japanische Finanzministerium Berichten zufolge am 30. Juli weitere 40–60 Mrd. US-Dollar, um Yen zu kaufen, worauf am 31. Juli Yen-Käufe im Wert von 5–10 Mrd. US-Dollar seitens der USA folgten (zum Vergleich: Die US-Intervention im Jahr 2011 belief sich auf etwa 1 Mrd. US-Dollar).
Normalerweise funktioniert eine Devisenmarktintervention zur Stärkung einer Währung nur, wenn die Zentralbank ihre Zinspolitik anpasst, um die Richtung der Intervention zu untermauern. In diesem Fall müsste die BoJ parallel zum Kauf von Yen die Zinsen anheben. Was den möglichen Kurs der Bank of Japan betrifft, so wurde das von uns Anfang des Jahres skizzierte schnellere Tempo zwar aufgrund der Krise im Nahen Osten unterbrochen, doch kann sich das Tempo der Normalisierung nun auf eine Anhebung um 25 Basispunkte etwa alle vier Monate beschleunigen, womit die nächste Zinserhöhung für Oktober in Aussicht steht. Die BoJ schätzt den nominalen Neutralzins auf 1–2,5 %; daher dürften die nächsten drei Zinserhöhungen sie zum Mittelwert des Neutralzinses führen (1 %–2,5 %, Mittelwert 1,75 %). Dies wird jedoch vor dem Hintergrund potenziell höherer Zinsen bei der Fed geschehen, was darauf hindeutet, dass diese jüngste Yen-Intervention nur begrenzte Entlastung bringen dürfte.
Von Robert Sockin, Chief US Economist bei PGIM
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