Im Vordergrund | Die Gewinne müssen es retten

Ist der Irankrieg an den Märkten bereits abgehakt? Während Aktienindizes und Credit Spreads auf Entspannung hindeuten, bleiben Ölpreise und Anleiherenditen erhöht. Warum BNP Paribas Asset Management weiter auf Aktien setzt und welche Rolle Value- und Hardwaretitel jetzt spielen. BNP Paribas Asset Management | 06.05.2026 09:18 Uhr
Daniel Morris, Chief Market Strategist und Co-Head des Investment Insight Centre bei BNP Paribas Asset Management / © e-fundresearch.com / BNP Paribas Asset Management
Daniel Morris, Chief Market Strategist und Co-Head des Investment Insight Centre bei BNP Paribas Asset Management / © e-fundresearch.com / BNP Paribas Asset Management

Weltweit hatten Aktien sehr positiv auf den anfänglichen Ölpreisrückgang reagiert. Der erneute Anstieg ließ US-Aktien und andere technologielastige Indizes aber weitgehend unbeeindruckt. Indizes mit einem höheren Anteil an Substanzwerten, etwa aus Europa, Japan und den Emerging Markets (ohne Technologie), gaben hingegen nach.

Die unterschiedliche Entwicklung hat zwei Gründe. Da ist zunächst der anhaltende Gewinn- und Kursanstieg im Technologiesektor. Technologiewerte aus den Emerging Markets haben sich seit ihrem Tiefststand nach Kriegsausbruch um 24% erholt und liegen seit Jahresbeginn um 30% im Plus.

Zweifellos hat der US-Markt von der Wiederentdeckung von Technologieaktien profitiert, zumal sich auch amerikanische Softwarewerte nach den Februarverlusten wieder erholt haben (während chinesische noch immer im Minus liegen). Allerdings beschränkten sich die Gewinne nicht allein auf den Technologiesektor, auch wegen der im Gegensatz zu Europa erfreulichen Konjunkturdaten. Nach den jüngsten vorläufigen Einkaufsmanager­indizes wächst der Dienstleistungssektor in den USA immer stärker, während er in Deutsch­land und Frankreich weiter nachgibt.

Viele erfreuliche Überraschungen

Nach den schwachen Zahlen von Ende 2025 legte das US-BIP im 1. Quartal 2026 ordentlich zu. Die US-Wirtschaft wuchs saisonbereinigt und annualisiert um 2%, vor allem wegen der hohen Unternehmensinvestitionen, die 1,4 Prozentpunkte dazu beitrugen. Den größten Anteil hatten KI-nahe Branchen, während die Investitionen im übrigen Verarbeitenden Gewerbe weiter nachgaben. Der Konsum war zwar noch immer eher schwach, aber doch ausreichend, zumal angesichts der steigenden Benzinpreise mit einem Einbruch gerechnet worden war.

Dazu passen auch die guten Erstquartalsergebnisse in den USA. Über die Hälfte der S&P-500-Unternehmen hat bereits Zahlen vorgelegt. Demnach sind die Gewinne je Aktie um fast 20% z.Vj. gestiegen. Technologiefirmen waren sehr erfolgreich, aber auch in anderen Sektoren stiegen die Gewinne um ordentliche 18%. Die große Marktbreite zeigt sich auch im Anstieg des Russell Value Index und des Russell 2000 Index. 10,5% der Unternehmen haben die Gewinnerwartungen übertroffen, deutlich mehr als die sonst üblichen 3% bis 4%.

Ganz anders sieht es in Europa aus. Hier sind die Gewinne je Aktie zwar um solide 8,8% gestiegen, doch entfällt die Hälfte davon auf den Energiesektor (der in den USA nur einen kleinen Beitrag lieferte). Auch gab es in Europa deutlich weniger positive Überraschungen, und auch die Umsätze legten längst nicht so stark zu.

Auch die Prognosen der US-Unternehmen fallen positiv aus. Im Schnitt stellen etwa 22% der Unternehmen einen stärkeren Gewinnanstieg in Aussicht, aber in den letzten drei Monaten waren es fast 30%. Trotz der derzeitigen Unsicherheit sind sie also recht optimistisch.

Der Irankrieg bleibt das größte Hindernis für eine nachhaltige Aktienmarktrallye. Zumindest in den USA ist die Konjunktur aber so stark, dass die Unternehmensgewinne weiter zulegen könnten.

Von Daniel Morris, Chief Market Strategist und Co-Head des Investment Insight Centre bei BNP Paribas Asset Management

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