Tagesgeld-ETFs: Liquidität mit weniger Risiko

Tagesgeld-ETFs können für Anleger eine flexible Alternative im Liquiditätsmanagement sein. Paul Xatard-Huberlant, Head of Equity ETF & Index Management team bei BNP Paribas Asset Management, erklärt, wie sie kurzfristige Zinsen abbilden und welche Rolle Stabilität, Liquidität und Kapitalschutz spielen. BNP Paribas Asset Management | 22.06.2026 14:47 Uhr
Paul Xatard-Huberlant, Head of Equity ETF & Index Management team bei BNP Paribas Asset Management / © e-fundresearch.com / BNP Paribas Asset Management
Paul Xatard-Huberlant, Head of Equity ETF & Index Management team bei BNP Paribas Asset Management / © e-fundresearch.com / BNP Paribas Asset Management

  • Tagesgeld-ETFs können eine transparente und flexible Lösung für das Liquiditätsmanagement sein.
  • Sie bilden die Entwicklung eines Index für sehr kurzfristige Zinsen ab und sind dabei liquide und wertstabil.
  • Tagesgeld-ETFs stellen Mehrertrag gegenüber dem Index in Aussicht. Weil sie den Kapitalschutz ernstnehmen, können sie sich für konservativere Anleger eignen.

Tagesgeld-ETFs können interessant für Anleger sein, die Liquidität, Stabilität und berechenbare Erträge wünschen.

Weil sie sich am Kurzfristzins orientieren, können sie eine Alternative zum klassischen Liquiditätsmanagement sein.

Ein Tagesgeld-ETF hat das Ziel, die Entwicklung eines Index für sehr kurzfristige Geldmarktanlagen nachzubilden, etwa des Solactive Euro Overnight Return Index. Seine Wertentwicklung entspricht der einer Anlage, die sich mit der Euro Short-Term Rate (€STR) verzinst (mit täglicher Zinszuschreibung).

Der €STR ist der offizielle 1-Tages-Interbankensatz für den Euroraum, täglich veröffentlicht von der Europäischen Zentralbank. Im Januar 2022 hat er den EONIA als Benchmark abgelöst. Heute ist der €STR eine gängige Benchmark für die Geldpolitik, die Finanzmärkte und die Bewertung von Finanzprodukten.

Ein Tagesgeld-ETF soll vor allem der Anlage liquider Mittel dienen. Wegen seiner guten Handelbarkeit und Wertstabilität ist er ideal für Kapitalschutz und Liquiditätsmanagement.

Der Investmentprozess

Tagesgeld-ETFs nutzen eine ausgefeilte synthetische Replizierung: Statt direkt in den Basiswert zu investieren, bilden sie die Indexentwicklung mittels Aktienswaps ab.

Swaps sind Derivate mit zwei Vertragsparteien, die die Cashflows von Finanzinstrumenten austauschen. Oft besitzen Investmentbanken Aktien, die sie nicht dauerhaft behalten. Mittels eines Swaps wird ein Aktienkorb vorübergehend an den ETF übertragen. Sein Gegenwert fließt dann an die Bank zurück.

Zum Ausgleich erhält der ETF den Tagesgeldzins – etwa den €STR, oft mit einem kleinen Zinsaufschlag. Der Fondsmanager legt anhand finanzieller oder nicht finanzieller Kriterien das Anlageuniversum fest. Dann wählt er die Aktien für den Korb aus und achtet dabei auf Transparenz und Liquidität.

Wichtig ist, dass alle Swaps täglich vollständig mit Barmitteln besichert sind und dass der Risikoanteil jedes Kontrahenten auf 10% des Nettoinventarwerts des Fonds beschränkt wird. Kontrahentenrisiken existieren zwar, doch kann der ETF beim Scheitern eines Kontrahenten (in der Regel einer Bank) den Swap kündigen und durch einen anderen ersetzen. Das kann das Risiko mindern.

Außerdem bleibt der Fonds Eigentümer der Basiswerte. Ein großer Vorteil einer solchen synthetischen Replizierung (anstelle einer physischen) sind die niedrigeren Transaktionskosten. Es wäre teurer, Finanzinstrumente zu kaufen und den Index physisch nachzubilden. Niedrige Transaktionskosten können wiederum die Anlageerträge steigern.

Können die Erträge von Tagesgeld-ETFs über dem Geldmarktsatz liegen?

Tagesgeld-ETFs sollen den Geldmarktzins möglichst genau nachbilden. Höhere Erträge sind aber denkbar. Dafür gibt es vor allem zwei Gründe:

  • Positive Margen: Banken können bereit sein, dem ETF eine Marge zu zahlen – weil sie mit Swaps ihre Bilanz optimieren bzw. Risiken verlagern können oder weil  ein günstiger Rückkauf möglich ist.
  • Liquiditätsmanagement und Regulierung: Banken versuchen, ihr aufsichtsrechtliches Kapital zu schonen und ihr Liquiditätsmanagement zu verbessern. Auch das kann dazu führen, dass die ETFs eine Marge erhalten und dadurch den Ertrag steigern können.

Wichtige Eigenschaften

Tagesgeld-ETFs bieten Anlegern eine Reihe möglicher Vorteile. Das gilt besonders für konservative Investoren oder für Anleger, die vor allem eine bessere Liquidität wollen. Im Grunde handelt es sich um eine schwankungsarme Anlage für das Liquiditäts- und Risikomanagement.

Synthetische Replizierung ermöglicht Transparenz, Flexibilität und Risikokontrolle. Das macht Tagesgeld-ETFs zu einem idealen Baustein eines umfassend diversifizierten Portfolios.

Die Märkte ändern sich und die Zinsen schwanken. Tagesgeld-ETFs können daher zu einem wichtigen Element einer diversifizierten Anlagestrategie werden. Sie können Anlegern helfen, ihr Kapital zu schützen – bei einem Ertrag ähnlich dem aktuellen Kurzfristzins.

Von Paul Xatard-Huberlant, Head of Equity ETF & Index Management team bei BNP Paribas Asset Management

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