Nahost-Eskalation treibt Ölpreise: Inflation sinkt, China verliert an Tempo

Neue Militärschläge zwischen den USA und dem Iran treiben die Ölpreise auf ein Monatshoch und belasten die Aktienmärkte. Gleichzeitig sinkt die Inflation in den USA und im Euroraum überraschend deutlich, während Chinas Wirtschaftswachstum auf 4,3 Prozent zurückfällt. BNP Paribas Asset Management | 22.07.2026 08:04 Uhr
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Alles Wichtige auf einen Blick

Eine erneute Angriffswelle im Nahen Osten hat die Energiepreise wieder in die Höhe getrieben. Vor dem Hintergrund neuer Militärschläge, mit denen sich die USA und der Iran gegenseitig überziehen, sind die Ölpreise auf ein Monatshoch gestiegen. Der Bruch der Waffenruhe schlug direkt auf die Märkte durch. Im weiteren Wochenverlauf wurden erneut Bedenken wegen der anhaltenden Dynamik und der euphorie für Aktien mit KI-Bezug laut. In der Woche bis zum Börsenschluss am Donnerstag entwickelten sich  der MSCI World, der US-Standardwerteindex S&P 500 und der MSCI Europe seitwärts, während der technologielastige Nasdaq und der japanische Nikkei jeweils um 1% nachgaben.*

Nachrichten aus aller Welt

Die US-Inflation hat sich im Juni überraschend stark abgekühlt. Amtlichen Daten zufolge belief sich die Jahresrate auf 3,5% und lag damit erheblich unter dem Mai-Wert, der mit 4,2% deutlich höher ausfiel als die zuvor prognostizierten 3,8%. Erklären lässt sich der Rückgang weitgehend mit dem anfänglichen Effekt des Friedensabkommens in Nahost. Auch die ohne die besonders schwankungsanfälligen Lebensmittel- und Energiepreise ermittelte Kerninflation lag mit 2,6% unter der Mai-Rate von 2,9%. Im Euroraum sank die Jahresinflation von 3,2% im Mai auf 2,8% im Juni. Die ohne Energie, Lebensmittel, Alkohol und Tabak erhobene Kerninflation gab von 2,6% auf 2,4% nach.

Zahl im Fokus: 4,3%

Das chinesische Wirtschaftswachstum hat sich aufgrund der verhaltenen Binnennachfrage auf seine niedrigste Rate seit 2022 verlangsamt. Amtlichen Daten zufolge betrug der BIP-Zuwachs im 2. Quartal 4,3% und blieb damit sowohl hinter den im 1. Quartal gemessenen 5% als auch hinter der von Peking vorgegebenen Zielspanne von 4,5% bis 5,0% zurück. Zugleich ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt auf gutem Weg beim Außenhandelsüberschuss an den im letzten Jahr erzielten Rekordwert von 1 Billionen US-Dollar anzuknüpfen oder ihn sogar zu übertreffen. Zu verdanken ist dies der weiterhin soliden Auslandsnachfrage nach Computerchips, technologischen Geräten und Autos. So haben die monatlichen chinesischen Automobilexporte im Juni erstmals die Marke von einer Million verkaufter Fahrzeuge nach oben durchbrochen.

Grafik der Woche

Seit der Pandemie hat sich das Verhalten von Anleihen und Aktien verändert. Die beiden wichtigen Assetklassen entwickeln sich inzwischen weitaus häufiger in dieselbe Richtung, als dies in den vergangenen 20 Jahren der Fall war. ein Grund für diese positive Korrelation könnte sein, dass die Märkte vor dem Hintergrund steigender Staatsverschuldungen und solider Unternehmensfundamentaldaten stärker auf die Inflation achten. Dadurch könnte die klassische Diversifizierung ausgewogener passiver Portfolios zurückgehen, sodass sich Anleger jetzt vielleicht stärker für aktivere Investmentansätze interessieren könnten, die den veränderten Risikomerkmalen einer Kombination von Anleihen und Aktien Rechnung tragen.

Wissenswert:

Kritische Mineralien: Kritische Mineralien sind Ressourcen, die ein Land als unabdingbar für seine Wirtschaft und Entwicklung betrachtet. Weitere Kennzeichen sind eine starke Nachfrage und die Anfälligkeit für Lieferkettenengpässe, wobei die Definition aber in jedem Land etwas anders ist. Kritische Mineralien wie Lithium und Nickel haben an Bedeutung gewonnen, insbesondere für technologische Fortschritte und Verteidigungssysteme. Führend bei der Verarbeitung kritischer Mineralien ist China. Zahlreiche Volkswirtschaften versuchen derzeit, ihre Abhängigkeit von der Volksrepublik zu reduzieren. Einem Bericht der Internationalen Energieagentur zu Folge haben sich die öffentlichen Finanzierungszusagen für eine Ausweitung und Diversifizierung der Lieferquellen zwischen 2023 und 2025 weltweit auf 65 Milliarden US-Dollar mehr als vervierfacht.

Das bringt die Woche

Am Donnerstag entscheidet die Europäische Zentralbank über ihre weitere Geldpolitik; im letzten Monat hatte sie ihren Leitzins erstmals seit drei Jahren angehoben – um 25 Basispunkte auf 2,25%. Japan gibt am Freitag seine aktuellen Inflationszahlen heraus. Ebenfalls am Freitag erscheinen zudem eine Reihe an Einkaufsmanagerdaten etwa für den Euroraum, Großbritannien, die USA und Japan.

Weitere beliebte Meldungen:

*Quelle: FactSet, in US-Dollar gerechnet. Daten per 16. Juli 2026.

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