Vom Ölpreis bis zu Chinas Konsumoffensive: Das bewegt die Märkte in dieser Woche

EZB-Zinspause, Ölpreis über 100 US-Dollar und neue Inflationsrisiken: Während China den Konsum ankurbeln will, geraten Halbleiteraktien nach ihrer Rekordrally unter Druck. In dieser Woche rücken zudem die Zinsentscheide von Fed, Bank of England und Bank of Japan in den Fokus. BNP Paribas Asset Management | 28.07.2026 15:57 Uhr
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Alles Wichtige auf einen Blick

Wie erwartet hat die Europäische Zentralbank ihren Leitzinssatz unter Verweis auf die weiterhin hohe Unsicherheit bei 2,25 % belassen. Die EZB, die ihre Zinsen im Juni um einen Viertelpunkt angehoben hatte, merkte zudem an, dass sich die Inflation in der Eurozone im letzten Monat zwar auf 2,8 % abgekühlt hat (von 3,2 % im Mai), aufgrund der Folgen des Konflikts in Nahost jedoch bis in die erste Jahreshälfte 2027 hinein über den anvisierten 2 % verharren dürfte. Obwohl die Entscheidung für die Beibehaltung der Zinssätze einstimmig gefällt wurde, gab es EZB-Präsidentin Christine Lagarde zufolge „einige Ratsmitglieder, die sich gefragt haben, ob wir nicht über eine Zinsanhebung nachdenken sollten“.

Nachrichten aus aller Welt

Erstmals seit Mai haben die Ölpreise am Donnerstag die Marke von 100 US-Dollar je Barrel übersprungen. Hintergrund sind neuerliche Kampfhandlungen in Nahost. Seit der Aufkündigung der Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran hatten die Ölpreise angezogen. Die weltweite Referenzölsorte Brent durchbrach die Marke nach Angriffen im Roten Meer. Niedrigere Ölpreise hatten im Juni für eine Verschnaufpause mit sinkenden Inflationsraten in einer Reihe bedeutender Märkte gesorgt. Zudem hat die US-Regierung letzte Woche mit einer neuen Welle an Zöllen gegen Dutzende Länder ihren Handelskrieg neu aufflammen lassen.

Zahl im Fokus: 60 Billionen Yuan

Im Rahmen eines Fünfjahresplans zur Ankurbelung des Inlandsverbrauchs strebt China ein Anwachsen seiner Einzelhandelsumsätze bis 2030 auf rund 60 Billionen Yuan (ca. 7,8 Billionen Euro) an. Berichten zufolge entspräche dies einer Steigerung um nahezu 20 % gegenüber dem 2025 erzielten Umsatz. Der Volksrepublik setzt die schleppende Binnennachfrage zu, die im zweiten Quartal dieses Jahres zum schwächsten Quartalswachstum ihrer Wirtschaft seit 2022 beitrug, wie aus jüngsten Daten hervorgeht. Erstmals hat Peking damit einen Fünfjahresplan vorgelegt, der den Konsum zu einem Schwerpunkt macht. Zugleich sollen die Beschäftigungslage verbessert und die Einkommen der Privathaushalte erhöht werden, um die Binnenwirtschaft zu unterstützen.

Grafik der Woche

Mit einem Plus von über 80 % in den ersten sechs Monaten 2026 ist der Philadelphia Semiconductor Index (SOX), der die Kursentwicklungen der größten an US-Börsen notierten Chiphersteller nachzeichnet, auf dem besten Weg, seine höchste Jahresrendite seit 1999 zu erzielen. Im zurückliegenden Monat gab dieser Index jedoch um rund 20 % nach. Die Preise der für die Nutzung künstlicher Intelligenz unverzichtbaren Chips sind in diesem Jahr in die Höhe geschossen, da die Hersteller Mühe hatten, die explodierende Nachfrage großer Technologiekonzerne zu bedienen. In diesem rasanten Anstieg spiegelt sich die anhaltende Nachfrage nach KI und der hierfür erforderlichen Komponenten wider. Der jüngste Abverkauf deutet indes auf die Zweifel mancher Anleger an der Nachhaltigkeit dieser hohen Nachfragedynamik hin.

Wissenswert: ESPR

Im Rahmen neuer Maßnahmen zur Förderung des Übergangs zu einer Kreislaufwirtschaft ist es großen europäischen Unternehmen künftig untersagt, unverkaufte Kleidung, Accessoires oder Schuhe zu vernichten. Diese neue Regel ist ein Teil der 2024 verabschiedeten Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (ESPR) und in diesem Monat in Kraft getreten. Großunternehmen sind nun verpflichtet, unverkaufte Waren möglichst weiterzuverkaufen, zu spenden oder zu reparieren. Für Mittelständler gilt das Vernichtungsverbot ab 2030. Derzeit werden 4 % bis 9 % aller am europäischen Markt angebotenen Textilprodukte vor ihrer Nutzung vernichtet, so die Europäische Kommission.

Das bringt die Woche

Diese Woche steht die Geldpolitik im Mittelpunkt. Am Mittwoch tagt die US-Notenbank zum Zinsentscheid, gefolgt von der Bank of England am Donnerstag und der Bank of Japan am Freitag. Konjunkturdaten gibt es am Donnerstag für die Eurozone und die USA mit den vorläufigen Schätzungen ihres jeweiligen BIP-Wachstums im zweiten Quartal. Am Freitag stellt die Eurozone vorläufige Inflationszahlen für Juli vor.

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