Etwa die Hälfte der S&P-500-Unternehmen haben ihre Zweitquartalszahlen vorgelegt. Dazu fällt mir nur ein Wort ein: sensationell. Im Vorjahresvergleich sind die Gewinne um 26% gestiegen – und wegen der hohen KI-Investitionen im Technologiesektor noch sehr viel stärker. Beim NASDAQ 100 war das Gewinnwachstum fast doppelt so hoch wie beim S&P 500. Im Vergleich zu Emerging-Market-Technologiewerten ist aber auch das noch wenig. Hier haben sich die Gewinne mehr als verdoppelt (Abbildung 1).

Deutlich übertroffen wurden auch die Erwartungen: Meist liegen die Quartalszahlen um 3% bis 4% über den Konsensschätzungen. Dieses Mal waren es zwischen 5% und über 30%.
Und dann sind da noch die Ausblicke der Unternehmen selbst. Der Anteil derer, die sich optimistisch äußern, ist hoch und steigt weiter. Schon seit einem Jahr liegt er über seinem Langfristdurchschnitt, aber in den letzten Wochen hat er sich noch einmal verbessert (Abbildung 2). Diese Berichtssaison ist wirklich außergewöhnlich.

Marktreaktion
Bei solchen Nachrichten hätten die Kurse eigentlich kräftig steigen müssen. Aber seit Ende Juni liegen viele Indizes im Minus.
Dafür gibt es mehrere Gründe, von denen manche wohl nur vorübergehend sind. Da ist zunächst das teure Öl. Im Juli haben die Ölpreise um etwa 20% zugelegt, weil Anleger eine erneute Eskalation im Nahen Osten fürchteten. Die Staatsanleihenrenditen folgten; die höheren Inflationserwartungen wogen schwerer als ein möglicher Wachstumsrückgang.
Die jüngste Offenmarktausschusssitzung der Fed machte es nicht besser. Die Notenbank verzichtete zwar auf Zinserhöhungen, und auch die anschließende Pressekonferenz schien eher für eine lockere Geldpolitik zu sprechen. Beobachtern fiel aber auf, wie viel von Preisstabilität die Rede war. Weniger klar war hingegen, mit welchen Mitteln sie erreicht werden soll.
Nach der Pressekonferenz fielen die amerikanischen 2-Jahres-Renditen, da eine rasche Zinserhöhung jetzt als weniger wahrscheinlich galt. Die Langfristrenditen legten aber parallel zum Ölpreis zu. Dabei stiegen sie in den USA stärker als in Deutschland – vielleicht wegen des Inflationsausblicks und weil die Intransparenz der Fed höhere Laufzeitprämien zur Folge haben könnte.
Bei Emerging-Market-Technologieaktien kam es unterdessen zu einer starken Korrektur. Seit ihrem Junihoch haben koreanische Hardware- und Halbleiterwerte 47% verloren (Stand 30. Juli 2026), auch wenn sie sich zuletzt kräftig erholten. Die Verluste griffen auch auf taiwanesische und amerikanische Technologieindizes über. Dennoch: Trotz des Ausverkaufs sind koreanische Technologieaktien dieses Jahr noch immer um 79% und taiwanesische um 49% gestiegen.
Andere Märkte hielten sich zuletzt besser. Der MSCI Europe Index liegt im Plus, und der Russell 1000® Value Index hat im Juli um mehr als 3% zugelegt, vor allem wegen der hohen Unternehmensgewinne (Abbildung 3).

Angesichts der guten Zahlen der Technologieunternehmen dürften die jüngsten Verluste von Emerging-Market-Aktien eher etwas mit einem überkauften Markt und einer Neubewertung des Ausblicks zu tun haben als mit pessimistischeren Gewinnerwartungen. Da die Bewertungen jetzt sehr viel attraktiver sind und auch für die nächsten Quartale ein kräftiges Gewinnwachstum erwartet wird, dürften sich die Kurse am Ende wieder erholen.
Aktien aus anderen Sektoren sind hingegen weiter gestiegen, vor allem wegen der Zweitrundeneffekte der KI-Ausgaben und des stabilen Konsums in den USA. Hier rechnen wir kurzfristig nicht mit Rückschlägen.
Von Daniel Morris, Chief Market Strategist und Co-Head des Investment Insight Centre bei BNP Paribas Asset Management
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Performancedaten/Quellen: FactSet, Bloomberg, BNP Paribas Asset Management, Stand 30. Juli 2026, falls nicht anders angegeben. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein Hinweis auf künftige Erträge.