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Afrikas Aufschwung trägt sich zunehmend selbst

Ein auf mehr strukturelle Nachhaltigkeit ausgerichtetes Wachstum, eine stärkere finanzielle Förderung einheimischer Industrien und eine wachsende Kaufkraft der Verbraucher als treibender Faktor für den wirtschaftlichen Aufschwung – diese Trends standen im Mittelpunkt der vierten Jahresinvestmentkonferenz Afrika 2015 am 21. Oktober. Organisiert wurde die Veranstaltung im Leonardo Royal Hotel in München erneut vom Finanzen Verlag in Zusammenarbeit mit dem Afrika-Verein der Deutschen Wirtschaft und Bellevue Asset Management. Bellevue Asset Management | 11.11.2015 12:28 Uhr
Malek Bou-Diab, Lead Portfolio Manager, BB African Opportunities (Lux) / ©  Bellevue
Malek Bou-Diab, Lead Portfolio Manager, BB African Opportunities (Lux) / © Bellevue

Fünf Referenten präsentierten den rund 120 Teilnehmern die Chancen, die der afrikanische Kontinent für Unternehmen und Investoren bietet, aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln. Wie ein roter Fadenzog sich durch alle Vorträge der demografische Faktor Afrika. Mehr als die Hälfte des weltweiten Bevölkerungswachstums, das in den Jahren 2015 bis 2050 erwartet wird, findet in Afrika statt. Und bis zum Jahr 2050 wird Nigeria als bevölkerungsreichstes Land Afrikas von der Bevölkerungszahl die USA übertreffen. Diese Herausforderung gilt es in nachhaltiges Wachstum umzusetzen, das sich langfristig wiederum für Investoren auszahlen soll.

Candice Aletter von der Steuerberatungsfirma Rödl & Partner unterstützt in ihrer beruflichen Tätigkeit Unternehmen, die ihr Geschäft in Afrika aufbauen oder expandieren wollen. Ein wichtiger Aspekt, den die Rechtsanwältin in den vergangenen Jahren beobachtet hat: Das Wachstum in Afrika ist weniger von Rohstoffexporten getragen. Stattdessen steige die Nachfrage an ausländischen Investments in erneuerbare Energien, verbesserte Anbaumethoden in der landwirtschaftlichen Produktion und in Konsumgüter. Rödl & Partner ist mit sechs Niederlassungen in Afrika vertreten. Als praktisches Beispiel erläuterte Candice Aletter ein Projekt zur Nutzung der Tiefengeothermie in Ostafrika, bei dem Rödl & Partner federführend ist. Angestossen hat dieses Programm mit dem Namen Geothermal Risk Mitigation Facility (GRMF) die Kommission der Afrikanischen Union, Afrikas Pendant zur EU-Kommission. Es soll für acht ostafrikanische Staaten Anreize schaffen für Investitionen in die alternative Energiegewinnung. Um die hohen Anlaufkosten für staatliche Institutionen und private Firmen abzufedern, werden EUR 800 Mio. über einen Förderfonds zur Verfügung gestellt. Die entsprechenden Finanzmittel kommen von der KfW Entwicklungsbank aus Geldern des Deutschen Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie des EU-Africa Infrastructure Trust Fund.

Ebenfalls über seine langjährige berufliche Praxis in Afrika referierte Jörg Wellmeyer, Geschäftsführer von Strabag International GmbH. Der deutsche Baukonzern erzielte 2014 rund EUR 500 Mio. seines Jahresumsatzes von EUR 14 Mrd. in Afrika. Bei seinen Aufträgen verfolge Strabag Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung als oberste Prinzipien. In der Praxis bedeutet das die Ausbildung der Arbeitskräfte sowie deren medizinische Versorgung, die nach Projektende durch einen unabhängigen Träger weitergeführt werde. Zugleich betonte Wellmeyer, der stellvertretendes Präsidiumsmitglied des Deutschland-Afrika-Vereins ist, die „Null-Toleranz“ seines Unternehmens für Korruption. Aus diesem Grund beteilige sich Strabag auch nicht an Ausschreibungen von Staatsaufträgen. Entscheidend sei die Einzelstaatsanalyse anhand von ökonomischen und politischen Faktoren. Generell zeige Ostafrika im Hinblick auf Zollfreiheit und Kapitalgrundlage die grösste Stabilität. Dabei spiele die East African Community als regionaler Staatenbund für die wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit eine entscheidende Rolle.

Die treibenden Kräfte für den wirtschaftlichen Aufstieg von Afrika bildeten den Schwerpunkt im Vortrag von Malek Bou-Diab zu den Anlagechancen in Afrika. Bou-Diab, bei Bellevue Asset Management Portfolio Manager für den Aktienfonds BB African Opportunities, sieht einen entscheidenden Wendepunkt in der wirtschaftlichen Entwicklung Afrikas. Befeuerten in der Vergangenheit globale Faktoren wie steigende Rohstoffpreise und der konjunkturelle Aufschwung in den USA und Europaden Handel mit Afrika, so sind heute die Regierungen vermehrt zur Einsicht gekommen, den Fokus auf lokale strukturelle Wachstumstreiber zu legen. Diese seien gekennzeichnet von mehr Investitionen in die heimische Wirtschaft, einer besseren Diversifizierung der Wirtschaftszweige und der Schaffung von mehr Arbeitsplätzen für lokale Fachkräfte.

Anders als in der Vergangenheit, so Bou-Diab weiter, habe sich eine wachsende Zahl von Regierungen zum Vorsatz genommen, über nachhaltiges Wachstum den Lebensstandard zu erhöhen. Nicht politische und wirtschaftliche Eliten, sondern der steigende materielle Wohlstand einer wachsenden Mittelschicht bilde dafür die Grundlage. Der Weg zur Umsetzung erweist sich als steinig, erste Anzeichen sind jedoch bereits ersichtlich. So muss sich Nigeria den Konsequenzen seiner Abhängigkeit von Erdölexporten stellen und wirtschaftliche Reformen vorantreiben. Für Ägypten zeichnen sich nach dem Einschnitt durch die Auswirkungen des Arabischen Frühlings ab 2015 erste Anzeichen einer konjunkturellen Erholung ab. Bei den laufenden Ausgaben werden vor allem die staatlichen Subventionen gekürzt. Zugleich werde das tiefe Investitionsniveau nach oben korrigiert. Sein Fazit aus Anlegersicht: Der Aufschwung dürfte sich langfristig in den Gewinnen der börsennotierten afrikanischen Gesellschaften positiv niederschlagen. Dabei betont der Fonds Manager, dass es sich dabei nicht um einen linearen Prozess handelt, sondern Phasen der Stagnation oder gar temporäre Rückschläge eintreten können, was in der Natur von aufstrebenden Schwellenländern liegt. Für Einsteiger empfiehlt er, bei einem Anlagehorizont von mindestens drei bis fünf Jahren mit rund 5% der gesamten Portfolioallokation in Schwellenländern anzufangen und diese Positionen sukzessive aufzustocken.

Die afrikanischen Verbraucher als treibende Wirtschaftskraft des Kontinents hat auch Paul-Harry Aithnard im Visier. Der Vorstand der in 37 afrikanischen Staaten tätigen Eco Bank mit Hauptsitz in Togos Hauptstadt Lomé erwartet angesichts der steigenden Einkommen einen rapide steigenden Bedarf an Finanzdienstleistungen. Zwar bleiben Banken die dominierenden Akteure. Zugleich sind Banken und Pensionskassen die am schnellsten wachsenden Segmente. Schätzungen erwarten bis 2020 jährliche Steigerungsraten von durchschnittlich 12% bei den verwalteten Vermögen. Nigeria, Ghana und Kenia seien dabei am weitesten fortgeschritten. Auf institutioneller Ebene haben lokale Vermögensverwalter den grössten Anteil der institutionellen Mandate inne. Bedingt durch die flächendeckende Verbreitung von Smartphone spielen bei den finanziellen Transaktionen in Ländern wie Kenia und Ghana mobile Endgeräte die Schlüsselrolle. Zugleich mangelt es den meisten nationalen Börsenplätzen an kritischer Grösse. Um ein flächendeckendes Angebot von Wertpapieren ,Anleihen und Fondsprodukten zu gewährleisten, plädiert Aithnard deshalb für ein Zusammenlegen der regionalen Finanzmärkte. Ebenso notwendig sei es, Kapitalkontrollen abzubauen.

Die Chancen und Hindernisse für eine Wachstumsstory Afrika stellte der Finanzjournalist und Buchautor Christian Hiller von Gaertringen in seinem abschliessenden Vortrag nochmals in den Mittelpunkt. Die Argumente für sein gerade erschienenes Buch „Afrika – das neue Asien“ erläuterte er anhand von Fakten und Einzelbeispielen. So liege das Wirtschaftswachstum von 5% in diesem Jahr und von 6.2% für 2016, das führende Wirtschaftsinstitute für Afrika erwarteten, über dem Durchschnitt anderer grosser Schwellenländer. Zugleich sei Afrika resistenter gegenüber Abschwüngen in der Weltkonjunktur geworden: „Das zeigt sich etwa darin, dass der Kontinent anders als etwa Russland oder Brasilien die sinkenden Rohstoffpreise gut weggesteckt hat.“

Um das Bevölkerungswachstum zu meistern, setzen einzelne afrikanische Länder auf technologische Innovationen in Bildung und Gesundheitsversorgung. So halte in Äthiopien mit seiner unterentwickelten Verkehrsinfrastruktur die Telemedizin-Diagnose von Patienten Einzug, um Patienten effizient zu versorgen. In Ruanda wiederum, das sich zu einem afrikanischen Vorzeigestaat entwickle, habe sich die Regierung von Paul Kagame das ehrgeizige Ziel gesetzt, in Zukunft jedes Schulkind mit einem PC-Tablet auszustatten.

Wie alle Referenten zuvor ist Hiller davon überzeugt, dass Afrika auf gutem Weg ist, einen selbsttragenden Aufschwung in die Wege zu leiten. Die grösste Herausforderung sieht er darin, die Folgen der rapiden Urbanisierung wie Verkehrsinfrastruktur, Wohnraum und Umweltverschmutzung zu meistern.

Malek Bou-Diab, Lead Portfolio Manager, BB African Opportunities (Lux)

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