Aberdeen Investments House View: Globaler Konjunkturzyklus hält an und KI bleibt Treiber

Aberdeen Investments hat seine „House View“ für das erste Quartal 2026 vorgelegt. Der Ausblick sieht ein weiterhin unterstützendes makroökonomisches Umfeld mit globaler Konjunkturbelebung. Positiv eingeschätzt werden unter anderem globale Immobilien, Private Credit sowie Schwellenländeraktien und -anleihen. Aberdeen Investments | 16.01.2026 10:35 Uhr
Paul Diggle, Chief Economist und Peter Branner, Chief Investment Officer bei Aberdeen Investments / © e-fundresearch.com / Aberdeen Investments
Paul Diggle, Chief Economist und Peter Branner, Chief Investment Officer bei Aberdeen Investments / © e-fundresearch.com / Aberdeen Investments

  • Aberdeen Investments erhöht seine positive Einschätzung für globale Immobilieninvestments und ist zuversichtlich, dass bestimmte Sektoren die Renditen von Cash übertreffen werden.
  • Private Credit wird nach eingehender Analyse von „neutral“ auf „leicht positiv“ hochgestuft.
  • Schwellenländeraktien bleiben attraktiv und die makroökonomischen Fundamentaldaten stützen EM-Anleihen.

Aberdeen Investments hat seine aktuelle vierteljährliche „House View“ zur Makroökonomie und den sich daraus ergebenden Anlageperspektiven veröffentlicht.

Der Ausblick sieht 2026 eine anhaltende globale Konjunkturbelebung vor, insbesondere mit einer Beschleunigung des Wachstums in den USA, einer Abschwächung der Inflation und weiteren Zinssenkungen. Dieses Umfeld sollte sich positiv auf die Anlagemärkte auswirken, wobei KI weiterhin ein zentrales Thema bleibt, und keine Anzeichen für eine Blase erkennbar sind.

Peter Branner, Chief Investment Officer bei Aberdeen Investments, erklärt: „Mit Blick auf das neue Jahr erwarten wir, dass sich der globale Konjunkturzyklus vorerst fortsetzen wird. Für 2026 rechnen wir mit einer Beschleunigung des US-Wachstums, einer Abschwächung der Inflation und weiteren Zinssenkungen der Fed. Auch Europa sollte von einer Lockerung der Fiskalpolitik profitieren. In China wird sich das Wachstum trotz der Entspannung im Handelskonflikt zwischen den USA und China abschwächen und die Inflation sehr niedrig bleiben, was jedoch eine Fortsetzung der geldpolitischen Lockerung zur Folge haben wird. Auch in den Schwellenländern insgesamt sind weitere Zinssenkungen zu erwarten.

All dies spricht für ein makroökonomisches Umfeld, das risikofreundlich und attraktiv für Carry-Strategien ist. Gleichzeitig bleiben die Fundamentaldaten für risikobehaftete Anlagen solide: Die Unternehmensgewinne sind robust und das KI-Thema ist trotz hoher Bewertungen in den USA und China weiterhin aktuell.

Da KI-getriebene Aktien zunehmend teuer werden, empfehlen wir Anlegern, ihre Portfolios stärker zu diversifizieren. Die Kursrallye US-amerikanischer Technologieunternehmen ist durch das erwartete Gewinnwachstum gerechtfertigt. Die Verschuldung großer Tech-Firmen bleibt im Verhältnis zur Cash-Generierung niedrig. Und trotz Bedenken hinsichtlich gegenseitiger Kreuzinvestitionen führender KI-Unternehmen bleibt das Umfeld durch hohe Hardware-Auslastung und eine wachsende Zahl realer Anwendungsfälle geprägt.

Vor diesem Hintergrund bevorzugen wir im Allgemeinen Vermögenswerte aus Schwellenländern gegenüber Industrieländern, da die Bewertungen dort relativ attraktiver sind. Beim US-Dollar bleiben wir neutral, die globalen Zinsdifferenzen erscheinen fair bewertet und die Gefahr für die Glaubwürdigkeit der US-Institutionen sind derzeit weniger dringlich.“

Paul Diggle, Chief Economist bei Aberdeen Investments, ergänzt: „Weitere Risiken für den Fortbestand des Konjunkturzyklus sind ein neuer Zollschock, eine Abschwächung des US-Arbeitsmarkts, die zu einem allgemeinen Konjunkturabschwung führen könnte, Gefahren für die Glaubwürdigkeit der Fed sowie geopolitische Spannungen. Während einige dieser Risiken zu einer positiven Korrelation zwischen Aktien und Anleihen führen würden, sehen wir angesichts der Prozyklizität der anderen Signale unserer House View ein positives Signal für globale Staatsanleihen, unter anderem als Quelle der Diversifizierung.

Vor diesem Hintergrund haben wir Private Credit von neutral auf leicht positiv hochgestuft und die positive Einschätzung für globale Immobilieninvestments weiter angehoben. Der Sektor liefert eine verbesserte Performance für Anleger, bietet stabile Erträge und moderate Wertsteigerungen. Das wirtschaftliche Umfeld unterstützt die Nachfrage der Mieter, während weitere Zinssenkungen in den USA und Großbritannien die Kapitalwerte stützen sollten. Gleichzeitig bleibt das Angebot begrenzt, die Transaktionsvolumina sind gestiegen und die Marktstimmung erholt sich.“

Schwellenländer

Mit Blick auf die Emerging Markets erwartet Aberdeen Investments, dass das chinesische Wachstum im kommenden Jahr weiter nachlässt, jedoch weniger stark als bisher angenommen. Die chinesische Politik dürfte weiter gelockert werden und die Anti-Involution-Kampagne deutet darauf hin, dass die politischen Entscheidungsträger stärker auf die Verbesserung der Unternehmensprofitabilität setzen, indem sie Überkapazitäten abbauen und die Preissetzungsmacht in Schlüsselbranchen stärken. Der chinesische Markt dürfte von der anhaltenden positiven Stimmung gegenüber KI profitieren. Aberdeen Investments weist jedoch darauf hin, dass China- und Schwellenländeranlagen insgesamt durch die Assoziation mit dem KI-Trend weniger Diversifikation gegenüber einer möglichen Korrektur der Preise von US-Assets bieten.

In der breiteren Gruppe der Schwellenländer ist die Inflation deutlich in Richtung der Zielwerte gesunken, insbesondere in Asien. Das Wachstum hat sich ebenfalls abgeschwächt, aber ein stabileres globales Handelsumfeld sollte diesen Gegenwind verringern. Der politische Kalender in den Schwellenländern wird 2026 dichter und die USA dürften nach der Intervention in Venezuela eine aktivere Rolle in Lateinamerika spielen. Ein allgemeiner Rechtsruck in den Wahlergebnissen könnte zu einer gewissen fiskalischen Konsolidierung führen, die die Kreditkosten senken könnte.

Schwellenländeraktien

Die House View von Aberdeen geht davon aus, dass dies ein Umfeld ist, in dem Aktien aus Schwellenländern attraktiv bleiben, da ihre Bewertungen trotz ihrer jüngsten relativen Outperformance nach wie vor relativ günstig sind. Die Gewinnaussichten bleiben weiterhin gut, insbesondere in Sektoren wie der Halbleiterbranche. Nachlassende Handelsunsicherheiten und solide wirtschaftliche Entwicklungen in den Emerging Markets insgesamt sollten ebenfalls stützend wirken. Aberdeen Investments hebt zudem hervor, dass sich auch die technischen Marktfaktoren verbessert haben, da nach Jahren der Abflüsse nun wieder positive Zuflüsse in diese Anlageklasse zu verzeichnen sind, was auf ein erneutes Interesse der Anleger hindeutet.

Schwellenländeranleihen

Aberdeen ist ebenfalls der Ansicht, dass dieselben makroökonomischen Fundamentaldaten auch Schwellenländeranleihen stützen dürften. Die House View geht davon aus, dass der Dollar 2026 nicht mehr so stark schwächeln wird wie 2025, und verweist auf die Rückkehr der Anleger in diese Anlageklasse sowie die negativen Nettoemissionen als positive Faktoren. Die Strategie sieht vor, Positionen aus Märkten mit weitgehend abgeschlossenen Zinssenkungszyklen – wie Asien – in Frontier Markets umzuschichten, wo weiteres Spread-Kompressionspotenzial besteht.

Private Credit

Die Aberdeen House View für die Anlageklasse Private Credit wurde von neutral auf leicht positiv angehoben. Grundlage ist eine detaillierte Analyse des Segments. Private Credit umfasst ein breites Spektrum an Märkten und Strukturen, ist jedoch überwiegend durch Investment-Grade-Credits von Nichtbanken in Form privat ausgehandelter Darlehen geprägt. Die Ausfallraten sind typischerweise niedrig, die Quote der Rückflüsse hoch. Riskantere Direktkredite an hochverschuldete mittelständische Unternehmen machen nur einen kleinen Teil des Gesamtmarktes und einen noch geringeren Anteil der Aberdeen-Aktivitäten aus.

Aberdeen bewertet die jüngsten prominenten Ausfälle bei privaten Kreditnehmern als Einzelfälle und nicht als Hinweis auf eine systemische Verschlechterung der Kreditvergabe. Das Unternehmen erkennt jedoch berechtigte Bedenken hinsichtlich überhöhter Ratings und betont die Notwendigkeit, „All-in“-Ausfallraten zu überwachen, einschließlich Amend-and-Extend-Fällen und Zahlungen in Sachwerten, die als Frühindikatoren für künftige Belastungen gelten können.

Die Kreditvergabe an unrentable Technologieunternehmen und Rechenzentren steht ebenfalls zu Recht unter Beobachtung. Aberdeen beteiligt sich nicht an ersteren, vergibt jedoch Kredite an Rechenzentren. Diese Transaktionen sind als Credit-Tenant-Lease-Finanzierungen strukturiert, bei denen das Kreditrisiko an die Bonität des Mieters – häufig hochprofitable, Investment-Grade-bewertete Mega-Cap-Technologieunternehmen – und nicht an die physischen Vermögenswerte gebunden ist.

Immobilien

In diesem Quartal hat Aberdeen Investments seine positive Einschätzung für globale Immobilieninvestments weiter angehoben. Der Sektor erzielt weiterhin eine verbesserte Performance für Investoren und bietet stabile Erträge bei moderater Kapitalwertsteigerung. Das wirtschaftliche Umfeld unterstützt die Mieternachfrage, während zusätzliche Zinssenkungen in den USA und Großbritannien die Kapitalwerte voraussichtlich weiter stützen. Gleichzeitig bleibt das Angebot aufgrund der verhaltenen Bautätigkeit begrenzt.

Innerhalb des globalen Immobilienmarkts bevorzugt Aberdeen Investments Wohnimmobilien, Industrieimmobilien und Fachmarktzentren. Die Marktstimmung hat sich nach den Schocks zu Beginn des Jahres 2025 erholt, was zu einem stetigen Anstieg der globalen Transaktionsvolumina geführt hat. All diese Punkte bestärken die Zuversicht von Aberdeen Investments, dass der Sektor über den Anlagehorizont hinweg die Renditen von Cash übertreffen wird.

Infrastruktur

Aberdeen Investments behält seine positive Einschätzung für Infrastruktur bei, da die allgemeine makroökonomische Stabilisierung den Markt stützen dürfte, insbesondere vor dem Hintergrund weiter sinkender US-Zinsen. Das Unternehmen stellt fest, dass der Großteil der jüngsten Kapitalbeschaffungen auf Transaktionen mit großkapitalisierten Unternehmen entfällt, was zu überhöhten Bewertungen führen könnte. Daher bleibt es entscheidend, den Fokus auf die Qualität der Deals zu legen, auch wenn die globalen „Trockenpulverreserven“ im Infrastrukturbereich hoch sind.

Die strukturellen Treiber für Infrastruktur bleiben laut Aberdeen Investments unverändert bestehen. Dazu zählen die Verschuldung öffentlicher Haushalte, die eine stärkere Einbindung privaten Kapitals erforderlich macht, die Digitalisierung, da das Wachstum von KI und Datenaustausch den Bedarf an Energieinfrastruktur erhöht, sowie die Dekarbonisierung. Letztere erfordert umfangreiche Netzmodernisierungen, unterstützt den Ausbau nachhaltiger Verkehrssysteme und stärkt die heimische Produktion durch den wachsenden Fokus auf Energiesicherheit.

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