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Däumchen drehen bei der EZB: Die Zentralbank könnte und sollte mehr tun

Im Vorfeld der EZB-Sitzung vom kommenden Donnerstag gibt Paul Diggle, Senior Economist, Aberdeen Standard Investments ein Kommentar mit seiner Einschätzung ab: Aberdeen Standard Investments | 05.03.2019 10:36 Uhr
Paul Diggle, Senior Economist, Aberdeen Standard Investments / © Aberdeen Standard Investments
Paul Diggle, Senior Economist, Aberdeen Standard Investments / © Aberdeen Standard Investments
Diesen Donnerstag wird die EZB voraussichtlich ihre Wachstums- und Inflationsprognosen erneut senken und auf ein erneuertes Liquiditätsprogramm für Geschäftsbanken hinweisen. Sie haben bereits Schwierigkeiten, mit der wirtschaftlichen Realität Schritt zu halten.

Die EZB stützt sich derzeit auf eine Reihe von Wachstums- und Inflationsprognosen, die weit über dem Marktkonsens, über den Erwartungen der Europäischen Kommission und sicherlich deutlich über unseren eigenen Prognosen liegen. Dementsprechend haben die Investoren die Erwartungen an einen Zinsanstieg bis Mitte 2020 bereits gesenkt.

Die EZB sollte über einige wenige inkrementelle Prognoserückstufungen hinausgehen. Sie könnten ihre Prognosen überarbeiten und die Möglichkeit einer Zinserhöhung im Laufe dieses Jahres effektiv nutzen.

Ein solcher Schritt würde nicht gerade zu einer eine Trendwende in Europas Geschicken führen. Aber es würde den Markt überraschen und ein Signal senden, dass die EZB nicht immer die letzte ist, welche die wirtschaftliche Realität akzeptiert.

Leider wird Mario Draghi nichts dergleichen tun, aus Angst, seinem Nachfolger, der später in diesem Jahr die Leitung übernimmt, die Hände zu binden. Europa ist ein Ort der Protokolle, aber hier den Pragmatismus an erste Stelle zu setzen, wäre für alle besser. Draghis Nachfolger wird die Forward Guidance in jedem Fall ändern müssen. Dies jetzt zu tun, würde den Handlungsspielraum seines Nachfolgers erweitern, um schneller auf die Herausforderungen Europas reagieren zu können.

Mario Draghi könnte durchaus eine Erneuerung des TLTRO-Programms (Targeted Longer-Term Refinancing Operation) ankündigen, das kostengünstige, langfristige Finanzierungen für Geschäftsbanken bereitstellt. Aber wir werden wahrscheinlich Monate auf die Details warten müssen, und er wird höchstwahrscheinlich nur signalisieren, dass sie auf dem Weg sind.

Niemand hat eine Lösung für den schwierigen Zustand der italienischen Banken und ein klares Verständnis für ihre Abhängigkeit von der Finanzierung durch die EZB. Eine Verlängerung des Programms ist also die einzige Schlussfolgerung, die in diesem Stadium gezogen werden kann. Aber der Weiterbestand der italienischen Banken und die Stimulierung einer wirtschaftlichen Erholung sind verschiedene Dinge. Die Erneuerung des TLTRO sorgt für ersteres, aber nicht letzteres.

Die EZB hat erneut Schwierigkeiten, rechtzeitig auf die wirtschaftliche Realität zu reagieren. Wir waren schon einmal hier und es hat nicht gut geendet.

Paul Diggle, Senior Economist, Aberdeen Standard Investments

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