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Vier Fragen zur "Netto-Null": Das Ende aller fossilen Brennstoffe?

Michel Wiskirski, Fondsmanager im International Equities Team mit Spezialgebiet Rohstoffe bei Carmignac, beantwortet vier Fragen zur komplexen Energiewende und der Problematik der Netto-Null-Emissionen. Carmignac | 09.07.2021 08:04 Uhr
Michel Wiskirski, Fondsmanager im International Equities Team mit Spezialgebiet Rohstoffe bei Carmignac / © Carmignac
Michel Wiskirski, Fondsmanager im International Equities Team mit Spezialgebiet Rohstoffe bei Carmignac / © Carmignac

Frage 1: Wofür steht Netto-Null?

Das Erreichen von Netto-Null bedeutet, dass die globalen Netto-Treibhausgasemissionen gleich Null sein sollten. Mit anderen Worten: Die Menge an Kohlenstoffdioxid, die durch den Menschen in die Atmosphäre gelangt, muss wieder im Erdboden gebunden werden. Das Pariser Abkommen hat zwei Hauptziele bis 2050 festgelegt: Netto-Null-Emissionen und die Begrenzung der globalen Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit. Bereits 2020 vermeldeten die Vereinten Nationen, dass die Temperatur im letzten Jahrhundert 1 Grad Celsius gestiegen sei.

Die Internationale Energieagentur (IEA) hat eine „Roadmap to Net Zero 2050“ veröffentlicht, die zeigt, dass wir noch einen langen Weg vor uns haben, wenn wir die Ziele des Pariser Abkommens erreichen wollen. Die Studie veranschaulicht, dass wir unter Berücksichtigung aller Klimaverpflichtungen der Länder weltweit noch lange nicht bei null sind. Einige Länder haben sich zu Netto-Null-Zusagen verpflichtet, ohne klare Wege aufzuzeigen, wie sie dieses Ziel erreichen wollen.

Frage 2: Warum ist es so schwierig, das Ziel zu erreichen?

Die einfache Antwort ist, dass das gesamte Energiesystem sehr komplex ist.  Es betrifft viele Akteure der ganzen globalen Wertschöpfungskette. Außerdem muss die Energiewende alle mit einbinden, um nicht durch die Lösung eines Problems ein weiteres zu schaffen. Der IEA-Bericht hat eine Roadmap mit einigen sehr schlagzeilenträchtigen Punkten zusammengestellt, die möglicherweise zu weiteren Einschränkungen führen werden. Zum Beispiel: Keine neuen Verkäufe von Heizkesseln für fossile Brennstoffe nach 2025, keine neuen Kohleminen oder deren Erweiterung ab 2021, keine Neuwagen mit Verbrennungsmotoren ab 2035 oder keine Neuerschließung von Öl- und Gasfeldern.

Diese Schlagzeilen mögen für den einen oder anderen einen leicht zu bejubelnden Sieg gegen die fossile Brennstoffindustrie darstellen, in der Realität sind sie aber nur sehr schwer weltweit einheitlich umzusetzen. Hinsichtlich der erneuerbaren Energien aus Wind und Sonne war 2020 bereits ein Rekordjahr mit einem Niveau von 220 Gigawatt (GW). Es ist sehr ermutigend und vielversprechend, dass die IEA die Notwendigkeit des Ausbaus erkannt hat und empfiehlt, den Ausbau mit 1000 GW pro Jahr bis 2030 voranzutreiben. Die Studie bestätigt die Idee, dass das Abschalten von fossilen Brennstoffen und das Zuschalten von erneuerbaren Energiequellen allein nicht ausreicht.

Frage 3: Sind neue Technologien der Schlüssel zur Netto-Null?

Die IEA empfiehlt ein systematisches Vorgehen, um zu Netto-Null zu gelangen. Im Laufe dieses Jahrzehnts wird der Schwerpunkt auf einer deutlichen Verbesserung bestehender Prozesse liegen. Gleichzeitig ist es jedoch wichtig, in die Forschung und Entwicklung neuer Technologien zu investieren. Um das Netto-Null-Ziel langfristig zu erreichen, werden ab 2030 neue Verfahren und Methoden unabdingbar sein. Energiespeicherung im Versorgungsmaßstab, Wasserstoff als Energiequelle oder direkte Luftabscheidung und -speicherung sind nur einige Beispiele dafür.

Betrachtet man das Energiesystem global, so werden Öl und Gas bis 2050 eine große Rolle spielen – wenn auch eine deutlich andere als heute.  Zusätzlich zu den bisher schon genehmigten, sollten keine neuen Felder hinzukommen. Für die Ölförderung wird erwartet, dass die Nachfrage bis 2050 im Vergleich zu 2020 um 75 Prozent sinkt. Dadurch wird die Nutzung des nicht verbrannten Teils auf die Versorgung von Teilindustrien wie der Petrochemie beschränkt, bis es eine alternative Lösung gibt. Auch die Schifffahrt ist aufgrund der Lebensdauer von Schiffen mit infrastrukturellen Herausforderungen konfrontiert. Was die Gasproduktion betrifft, so prognostiziert die IEA, dass sie Mitte der 2020er-Jahre ihren Höhepunkt erreicht und bis 2050 um etwa 55 Prozent gegenüber 2020 sinkt.

Frage 4: Was bedeutet das für die Märkte und die Gesellschaft?

Würde man heute die Öl- und Gasversorgung abschalten, löste das erhebliche soziale Probleme aus, die die breite Öffentlichkeit aktuell übersieht oder ignoriert. Schätzungsweise 40 Millionen Personen weltweit sind direkt in der Öl- und Gasindustrie beschäftigt, und viele Regionen innerhalb der Schwellenländer leben und sind ausschließlich von der Öl- und Gasindustrie abhängig.

Um Netto-Null bis 2050 zu erreichen, müssen sich alle Geschäftsbereiche, Regierungsstellen und das Verbraucherverhalten ändern. Einen Sektor einfach als schlecht oder schmutzig zu bezeichnen, wäre zu kurz gegriffen. Daher ist unser bevorzugter Ansatz, eine Übergangslösung zu finden, die langfristig zu einem besseren Ergebnis führt, das alle einschließt.

Mineralöl- und Gasunternehmen haben viel zu bieten, wenn sie anerkennen, dass sich ihr Geschäftsmodell zur Unterstützung der Energiewende weiterentwickeln muss. Anders ausgedrückt: Sie sind ein großer Teil des Problems, aber sie müssen auch Teil der Lösung sein, um das Netto-Null-Ziel zu erreichen. Wir sehen bereits, dass sich einige europäische Ölkonzerne für diese Umstellung einsetzen. Manchen mag das nicht schnell genug gehen, denn sie wollen, dass sich diese Unternehmen komplett von ihrem Öl- und Gasgeschäft trennen. Die Bemühungen dieser Konzerne können jedoch einen Unterschied machen und müssen anerkannt, überwacht und durch aktives Engagement mit ihnen gefördert werden.

Michel Wiskirski, Fondsmanager im International Equities Team mit Spezialgebiet Rohstoffe bei Carmignac

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