Ausblick auf die Sitzung der EZB: Die Falken breiten ihre Flügel aus

Die EZB dürfte bei ihrer Sitzung im Dezember die Leitzinsen unverändert lassen. Neue Wachstums- und Inflationsprognosen sprechen für ein Ende des Zinssenkungszyklus. Welche Rolle Fiskalpolitik, Löhne und Rentenmärkte nun spielen. Carmignac | 15.12.2025 10:11 Uhr
Kevin Thozet, Mitglied des Investment-Komitees bei Carmignac / © e-fundresearch.com / Carmignac
Kevin Thozet, Mitglied des Investment-Komitees bei Carmignac / © e-fundresearch.com / Carmignac

Die Märkte erwarten, dass die EZB bei ihrer Sitzung am Donnerstag die Zinsen im Gegensatz zur Fed nicht senken wird. Es herrscht die Meinung vor, dass der Zinssenkungszyklus weitgehend abgeschlossen ist und dass die Wachstumsdynamik in Europa nun in erster Linie von der Fiskalpolitik abhängt. Einige gehen sogar davon aus, dass die EZB bis Ende 2026 wieder mit einer Anhebung der Leitzinsen beginnen könnte.

Am 18. Dezember wird Christine Lagarde voraussichtlich den datenbezogenen Ansatz der EZB bekräftigen, bei dem die Lage bei jeder Sitzung einzeln betrachtet wird. Die neuen Wachstums- und Inflationsprognosen, die bei der Sitzung veröffentlicht werden, dürften diese Haltung untermauern.

Die Prognosen schlagen zurück: Die Falken breiten ihre Flügel aus

Die neuen Prognosen werden nun auch das Jahr 2028 umfassen und dürften zeigen, dass das Wachstum über dem Potenzial liegt, näher bei 1,4%, und dass die Inflation rund 2% beträgt und sich damit im Zielbereich befindet.

Solche Prognosen senden eine doppelte Botschaft aus. Erstens, dass sich die Region in die richtige Richtung bewegt. Und zweitens, dass Anleger mit einer künftig restriktiveren Geldpolitik rechnen sollten.

Die Wachstumsprognosen werden wahrscheinlich revidiert, um den jüngsten Daten Rechnung zu tragen. Das dritte Quartal fiel stärker aus als erwartet und die Frühindikatoren für das vierte Quartal sind vielversprechend. Beim Thema Inflation deuten die endgültigen Zahlen für Oktober und die vorläufigen Schätzungen für November darauf hin, dass die Prognosen für das Quartal um etwa 0,2% nach oben korrigiert werden könnten.

Konstruktionsbedingt – und etwas paradoxerweise – sind beide Prognosen rückblickend, doch beide deuten auf eine Verbesserung der makroökonomischen Entwicklung hin. Es ist weiterhin davon auszugehen, dass die Inflation 2026 unter den Erwartungen liegen wird, zunächst aufgrund von Energieeffekten und dann aufgrund des lang erwarteten Rückgangs der Dienstleistungsinflation. Die Löhne bleiben jedoch eine Quelle der Unsicherheit und Diskussion. Während die Lohnentwicklungsindikatoren der EZB und von Indeed auf eine Verlangsamung der Lohninflation hindeuten, zeigen die Daten von Eurostat zur Vergütung pro Arbeitnehmer stärkere Ergebnisse.

Die einjährige Verschiebung des neuen Emissionshandelssystems (EU-ETS2) verzögert lediglich dessen Aufwärtsdruck auf die Preise (geschätzt auf +0,25%, da die Zertifikate über die Schwerindustrie hinaus auch auf den Transport- und Wärmeenergiesektor ausgedehnt werden) von 2027 auf 2028.

Daher ist keine wesentliche Änderung der Einschätzung zu erwarten, dass sich die EZB in einer guten Position befindet. Angesichts der stabilen Lage in den Peripheriestaaten und da Frankreich trotz begrenzter Sichtbarkeit Widerstandsfähigkeit zeigt, dürften die Prognosen der Bundesbank die entscheidende Variable sein, die zuvor (im Juni) ein moderates reales BIP-Wachstum von 0,7% für 2026 prognostiziert hatte.

Auswirkungen auf den Rentenmarkt

Angesichts dieser ausgewogenen Aussichten erwarten wir nicht, dass die EZB am 18. Dezember die Zinsen senken oder erhöhen wird. Die Inflation für 2026-2027 dürfte unter dem Zielwert (1,7% bis 1,8%) bleiben, während die Leitzinsen mit 2% in der Mitte des geschätzten neutralen Bereichs liegen.

Diese Konstellation verschafft der EZB einen politischen Spielraum, der leicht genutzt werden kann, sollte das Wachstum ins Stocken geraten oder die Märkte eine risikoscheue Haltung einnehmen.

Vor diesem Hintergrund sind kurzfristige Euro-Anleihen attraktiv. Sie bieten einen gewissen (bescheidenen) Carry und eine gewisse Asymmetrie – das heißt Kapitalzuwachspotenzial, sollten die Leitzinsen zu einem Zeitpunkt gesenkt werden, zu dem die Märkte dies kaum einpreisen.

Von Kevin Thozet, Mitglied des Investment-Komitees bei Carmignac

Weitere beliebte Meldungen:

Performanceergebnisse der Vergangenheit lassen keine Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Investmentfonds oder Wertpapiers zu. Wert und Rendite einer Anlage in Fonds oder Wertpapieren können steigen oder fallen. Anleger können gegebenenfalls nur weniger als das investierte Kapital ausgezahlt bekommen. Auch Währungsschwankungen können das Investment beeinflussen. Beachten Sie die Vorschriften für Werbung und Angebot von Anteilen im InvFG 2011 §128 ff. Die Informationen auf www.e-fundresearch.com repräsentieren keine Empfehlungen für den Kauf, Verkauf oder das Halten von Wertpapieren, Fonds oder sonstigen Vermögensgegenständen. Die Informationen des Internetauftritts der e-fundresearch.com AG wurden sorgfältig erstellt. Dennoch kann es zu unbeabsichtigt fehlerhaften Darstellungen kommen. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen kann daher nicht übernommen werden. Gleiches gilt auch für alle anderen Websites, auf die mittels Hyperlink verwiesen wird. Die e-fundresearch.com AG lehnt jegliche Haftung für unmittelbare, konkrete oder sonstige Schäden ab, die im Zusammenhang mit den angebotenen oder sonstigen verfügbaren Informationen entstehen. Das NewsCenter ist eine kostenpflichtige Sonderwerbeform der e-fundresearch.com AG für Asset Management Unternehmen. Copyright und ausschließliche inhaltliche Verantwortung liegt beim Asset Management Unternehmen als Nutzer der NewsCenter Sonderwerbeform. Alle NewsCenter Meldungen stellen Presseinformationen oder Marketingmitteilungen dar.

Melden Sie sich für den kostenlosen Newsletter an

Regelmäßige Updates über die wichtigsten Markt- und Branchenentwicklungen mit starkem Fokus auf die Fondsbranche der DACH-Region.

Der Newsletter ist selbstverständlich kostenlos und kann jederzeit abbestellt werden.