Zentralbanken: Pausentaste gedrückt, aber die Finger zucken

Es wird eine Woche voller Zentralbanktermine. Zinsentscheide der Fed, der Europäischen Zentralbank, der Bank of Japan, der Bank of England und der Bank of Canada stehen an. Aber es dürfte dennoch ruhig zugehen. Carmignac | 29.04.2026 08:16 Uhr
Kevin Thozet, Mitglied des Investment-Komitees bei Carmignac / © e-fundresearch.com / Carmignac
Kevin Thozet, Mitglied des Investment-Komitees bei Carmignac / © e-fundresearch.com / Carmignac

Federal Reserve (Fed) am 29. April: Kurzes Ende festgefahren, langes Ende getroffen

Die Fed wird voraussichtlich bei 3,5 Prozent bis 3,75 Prozent verharren, wobei die Märkte praktisch keine Bewegung für die Sitzung in dieser Woche einpreisen. Das Wachstum bleibt stabil, der Arbeitsmarkt hält sich wacker, Risikoanlagen befinden sich nahe an oder auf Allzeithochs und die aktuelle Berichtssaison verlief bislang sehr gut.

Die Inflation liegt weitgehend über dem Zielwert und festigt sich. Der Preisdruck bleibt hartnäckig, die Erzeugerpreise sind wieder auf Mehrjahreshöchstständen und Frühindikatoren (ISM, Einkaufsmanagerindizes) deuten auf einen erneuten Aufwärtskostendruck hin. Hinzu kommen geopolitische Risiken bei der Ölversorgung, die Inflationserwartungen bleiben entsprechend hoch.

Daher dürfte die Fed ihre Geldpolitik dort belassen, wo sie derzeit steht – ein Stück über ihrer Schätzung der neutralen Zinssätze. Gleichzeitig dürfte sie an ihrem abwartenden Ansatz festhalten und dementsprechend so wenig Forward Guidance wie möglich geben.

In der Folge halten wir eine negative Einschätzung für das lange Ende der Laufzeiten (10 Jahre und länger) bei und erwarten eine Versteilung der US-Zinskurve. Die Fähigkeit oder Bereitschaft der Fed, ihre Geldpolitik angesichts eines Angebotsschocks weiter zu straffen, scheint begrenzt zu sein, was den Druck auf die kurzfristigen Zinsen (zwei Jahre) dämpfen dürfte, während die langfristigen Zinsen einem Aufwärtsdruck stärker ausgesetzt bleiben.

Europäische Zentralbank (EZB) am 30. April: Straffung ist eingepreist 

Die EZB dürfte sich für den Status quo entscheiden und diese Woche den Leitzins bei zwei Prozent belassen. Zwei Monate nach Beginn des Konflikts navigiert der EZB-Rat zwischen einer schwächeren Wachstumsdynamik und stärkeren Inflationsrisiken. Die Volatilität der Energiepreise (die immer noch eng mit geopolitischen Schlagzeilen verknüpft ist) spricht kurzfristig für Vorsicht – eine Einschätzung, die kürzlich auch mehrere EZB-Mitglieder bekräftigt haben.

Dennoch ist der mittelfristige Pfad weitgehend unverändert. Die Energiepreise bleiben weitgehend konsistent mit dem Basisszenario der EZB, das weiterhin auf eine moderate Straffung hindeutet. Unser Basisszenario bleibt bei zwei Zinserhöhungen ab Juni. Nur ein deutlicher Rückgang der Ölpreise (unter 80 US-Dollar je Barrel bis Juni) würde eine längere Pause rechtfertigen.

Die Kommunikation sollte konsistent bleiben: Die Inflationsrisiken sind nach oben gerichtet, und die EZB ist bereit zu handeln, sollten sie fortbestehen. Lagarde wird wahrscheinlich den datenabhängigen Ansatz von Sitzung zu Sitzung bekräftigen und gleichzeitig schrittweise kommunikativ auf künftige Zinserhöhungen vorbereiten.

Die Märkte sind weitgehend darauf ausgerichtet, wobei eine Straffung um etwa 60 Basispunkte bis Ende 2026 eingepreist ist; der erste Schritt ist fast vollständig für Juli eingepreist (und wird in der Mehrheit bereits für Juni erwartet). In diesem Umfeld behalten wir unsere positive Einschätzung für das vordere Ende der Euro-Renditekurve bei. Da mehr als zwei Erhöhungen weiterhin eingepreist sind, scheint die Hürde für eine weitere Neubewertung nach oben hoch zu sein. Die EZB kann in diesem Jahr zwar einige Erhöhungen vornehmen, aber nicht viel mehr als das, was bereits im Preis enthalten ist.

Bank of England (BoE) am 30. April: Zwischen Baum und Borke

Die BoE dürfte die Zinsen ebenfalls unverändert bei 3,75 Prozent belassen, wahrscheinlich mit einem einstimmigen Votum. Die Bank steht vor dem schwierigsten Kompromiss unter den großen Zentralbanken. Einerseits hat der Nahostkonflikt den Inflationsdruck verstärkt, was im März zu einer deutlich restriktiven Haltung führte. Diese führt zu einem sprunghaften Anstieg der Zinsen, welche die Märkte kurzzeitig auf eine Straffung um mehr als 100 Basispunkte bis zum Jahresende hochrechneten.

Doch im Inland schwächt sich das Bild ab. Die Löhne bleiben negativ, das Lohnwachstum verlangsamt sich, die Arbeitslosigkeit liegt deutlich über ihrem Tiefpunkt und sowohl Investitionen als auch Wachstum sind ohne Glanz.

Die Bank steht vor einem klassischen geldpolitischen Dilemma. Die BoE steckt zwischen einer Inflation, die sie bekämpfen muss, und einem Zyklus, den sie nicht ignorieren kann. Diese Spannung spricht für Vorsicht. Wie ihre Mitstreiter wird die BoE wahrscheinlich vorerst einen abwartenden Ansatz bevorzugen. Die Märkte preisen derzeit etwa zwei Erhöhungen bis zum Jahresende ein – ein Mittelweg-Szenario, das diese Unsicherheit widerspiegelt. Großbritannien bleibt das schwächste Glied: politische Störgeräusche, schwache Aktivität, anhaltende Inflation und ein sich verschlechternder Arbeitsmarkt. In diesem Umfeld behalten wir eine negative Positionierung gegenüber dem Britischen Pfund bei.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass von den Zentralbanken diese Woche weitgehend erwartet wird, dass sie die Zinsen beibehalten. Aber die Märkte sollten zunehmend die Grenzen der Straffungszyklen einpreisen – und genau dort liegen die Chancen.

Von Kevin Thozet, Mitglied des Investment-Komitees bei Carmignac 

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