Brief von Edouard Carmignac: Warum ein nüchterner Blick auf die Welt auch Raum für Optimismus lässt

Edouard Carmignac greift zur Feder und kommentiert aktuelle wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Herausforderungen. Carmignac | 19.01.2026 11:47 Uhr
Edouard Carmignac, Vorsitzender und Chief Investment Officer (CIO) von Carmignac / © e-fundresearch.com / Carmignac
Edouard Carmignac, Vorsitzender und Chief Investment Officer (CIO) von Carmignac / © e-fundresearch.com / Carmignac

Sehr geehrte Anlegerinnen und Anleger,

„Optimismus ist Pflicht“, schrieb der Philosoph Karl Popper. Diese Sichtweise soll bewirken, sich der Zukunft gegenüber zu öffnen, und erinnert uns zugleich an unsere gemeinsame Verantwortung, dies durch unsere eigenen Handlungen zu fördern. Anstatt Schlechtes zu erwarten, sollten wir eher auf eine bessere Welt hinarbeiten.

Wir als Anleger stehen einem wahren „Fest der Ängste“ gegenüber. Denn die „Blase“ der Künstlichen Intelligenz könnte schon bald platzen, Wladimir Putins resilientes Regime wird sehr wahrscheinlich den Sieg gegenüber der Ukraine davontragen und China sieht Taiwan als Seines an ...

Eine tiefgreifende Analyse der verschiedenen wirkenden Kräfte bieten jedoch eine positivere Sicht auf die Zukunft:

  • Erweiterte Intelligenz - die oftmals falsch als „künstlich“ bezeichnet wird - wird eine eindrucksvolle Beschleunigung der technologischen Entwicklung einleiten, wie sie die Menschheit noch nie erlebt hat. Die KI, oder wie zuvor erklärt EI, wird sowohl die Produktivität als auch die Kreativität steigern und somit zu einem leistungsstarken Motor für Entdeckungen in zahlreichen Bereichen werden, von der Physik bis hin zur Biotechnologie und der Erzeugung erneuerbarer Energien.
  • Der Sturz korrupter autoritärer Regime, die zahlreiche Ressourcen zugunsten ihrer Führer veruntreuen und Umstürze über ihre Grenzen hinweg finanzieren. Wie auch in Venezuela haben die Staatsführer im Iran nahezu fünfzig Jahre lang die Kontrolle über die Ölressourcen des Landes ausgeübt und damit den Nahen Osten stark ins Schwanken gebracht. All dies durch eine erhebliche Unterdrückung ihrer Bevölkerung. Der gleichzeitige Sturz dieser beiden Regime lässt eine heftige Korrektur der Kohlenwasserstoffpreise in Betracht ziehen, was Putins Macht erheblich verringern würde.
  • Die unvermeidliche Entwicklung des chinesischen Modells. Durch eine Reihe protektionistischer Maßnahmen ist es schwierig, auf den chinesischen Markt zu kommen, was gleichzeitig seine Tiefe einschränkte, da die Kaufkraft der eigenen Mittelklasse beschnitten wurde. Damit hat das Land eine Kampagne eingeleitet, um die ausländischen Märkte an allen Fronten zu erschließen. Diese räuberische Politik hat keine Zukunft. Die erheblichen Zollerhöhungen haben den Zugang zu den USA erschwert und die Trump-Regierung hat nun auch Chinas Vorstoß in Südamerika komplizierter dargestellt. Die chinesischen Unternehmen versuchen, den europäischen Markt im Sturm zu erobern, wo unsere oftmals langsam reagierenden Behörden endlich eine Antwort liefern. Die absehbare Abschwächung des russischen Markts dürfte ferner die chinesische Regierung anhalten, den Binnenkonsum erneut anzukurbeln. Diese Verschiebung wird im Rahmen einer erheblichen politischen Liberalisierung vorgenommen werden müssen.

Bin ich da übermäßig optimistisch? Vielleicht. War ich aber im vergangenen April zu optimistisch, als ich die Auswirkungen der „Milei-Welle“ auf die Neubewertung von Vermögenswerten aus Südamerika vorhersah? Oder im vergangenen Juli, also ich die Auswirkungen der Abschwächung der iranischen Mullahs auf den Nahen Osten antizipierte?

Im Gegenteil zu dem, was Panik machende kurzfristige Schlagzeilen uns vorgaukeln, könnte die Zukunft rosig aussehen. Mit dieser optimistischen Sichtweise wünsche Ihnen alles Beste für das bevorstehende Jahr,

Edouard Carmignac

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