Das Rebalancing für das vierte Quartal in unserem Frankfurter UCITS-ETF - Modern Value ist abgeschlossen. Jetzt sind nicht nur alle 25 Werte im Frankfurter Modern Value Index, der dem ETF zugrunde liegt, wieder bei der Ausgangsgewichtung von vier Prozent. Zudem haben wir noch zwei Titel im Index ausgetauscht. Nach den fünf Titeln im dritten Quartal fällt somit der Austausch dieses Mal deutlich kleiner aus.
Dennoch lohnt sich der Blick auf die beiden neuen Titel im Index und damit auch im ETF. Mit der Münchener Rück stärken wir weiter die Gewichtung im Finanzsektor, den wir gerade als sehr aussichtsreich einstufen und was sich auch in den hohen Renditeerwartungen an die Aktien widerspiegelt. Wichtig zum Verständnis: Finanzwerte sind bei uns Finanzdienstleister und Versicherungen und keine Banken. Bei den Banken sind für uns die Risiken nicht abschätzbar – auch durch die enorme Komplexität der Bilanzen, in denen viele Risiken für Investoren kaum erkennbar sind.
Versicherungen – und hier speziell Rückversicherer wie jetzt die Münchener Rück – sind hier ganz anders aufgestellt. Der DAX-Titel hat 2024 ein sehr erfolgreiches Jahr. Das gilt für den Blick auf die Kursentwicklung und auch auf die Geschäftszahlen. Dazu passt auch der aktuelle Rekordstand der Aktie.
Zwei Neue mit der Münchener Rück und der Azelis Group
Mit der belgischen Azelis Group kommt ein komplett neuer Wert in den ETF. Diese Aktie ist gerade erst auf unsere Investment-Watchlist gekommen und startet mit einer hohen Renditeerwartung gleich durch in den ETF. In den anderen Mandaten ist die Aktie bislang noch nicht vertreten.
Die Azelis Group ist ein Großhändler für Spezialitätenchemikalien. Nach dem niederländischen Wettbewerber IMCD ist Azelis der weltweit zweitgrößte reine Distributor für Spezialchemie. Die deutsche Brenntag und die amerikanische Univar sind nicht mit Azelis und seinen Wettbewerbern in der Gänze vergleichbar, da sie auch Bulk-Chemikalien für den direkten Einsatz vertreiben. Der Großhandel mit Spezialchemikalien zeichnet sich durch exklusive Lieferantenbeziehungen aus. Lieferanten wie Geschäftseinheiten von BASF, DSM-Firmenich oder Croda haben große Summen in die Forschung & Entwicklung für die Herstellung der einzelnen Spezialchemikalien investiert. Um eine angemessene Rendite auf ihre Investition zu erhalten und insbesondere ruinösen Preiswettbewerb zu verhindern, gehen die Lieferanten exklusive Vertriebsbeziehungen auf Basis einzelner Länder, Regionen und sogar auf globaler Basis mit speziellen Großhändlern wie der Azelis Group ein.
In dem stark fragmentierten Markt (TOP 10 Anbieter haben nur 13 Prozent Marktanteil) plant die Azelis Group weiteres Wachstum durch wohldosierte Übernahmen. Das bietet gerade jetzt eine interessante Wachstumsperspektive.
Nicht mehr im ETF: Adobe und Booking Holdings
Auf der anderen Seite verlassen mit Adobe und Booking Holdings zwei US-Titel den ETF. Damit sinkt unsere US-Gewichtung weiter ab. Tatsächlich kommen die beiden neuen Titel aus der Euro-Zone. Wir sind hier nicht als regionale Investoren unterwegs. Doch bei der Betrachtung von Bewertungen diesseits und jenseits des Atlantiks fällt schon die große Diskrepanz auf.
Für uns als Modern Value Investoren spielt die Bewertung schon eine maßgebliche Rolle – auch wenn das viele Investoren derzeit anders sehen. Hier bieten viele Aktien aus Europa ein attraktives Chancen-Risiko-Profil.
Das nächste Rebalancing steht dann turnusmäßig wieder im März 2025 an – auch dann werden die 25 Titel in unserem Frankfurter UCITS-ETF - Modern Value wieder auf vier Prozent zurückgesetzt und es werden wieder einige Titel ausgetauscht.
Von Heiko Böhmer, Kapitalmarktstratege bei Shareholder Value Management