Herzlich willkommen in der wunderbaren Welt der Aktien! Heute geht’s um ein Thema, das fast jeder ETF-Anleger schon mal gehört hat: „Ich kaufe einfach den MSCI World – das reicht doch völlig.“ Klingt vernünftig, oder? Ein ETF, 1 300 Aktien, weltweit gestreut, kostengünstig, unkompliziert – der Traum jedes passiven Investors.
Nur: So einfach ist es dann doch nicht. Denn der MSCI World ist zwar breit, aber nicht unbedingt ausgewogen.
Schauen wir genauer hin: Die zehn größten Unternehmen im Index – also gerade mal 0,7% aller enthaltenen Aktien – machen rund 25% der gesamten Gewichtung aus. Und wer sind diese Schwergewichte? Richtig: Nvidia, Microsoft, Apple, Amazon, Alphabet & Co. Kurz gesagt: Sieben US-Tech-Giganten bestimmen, wohin die Reise geht. Das ist in Hausnummern gesprochen so, als würde man behaupten, man esse „ausgewogen“, wenn 70% der Mahlzeit aus Schokolade bestehen.
MSCI World ist ein US-Index mit Beimischung
Und damit sind wir beim Kern: Der MSCI World ist zu rund 72% in den USA investiert. Japan folgt weit abgeschlagen mit etwa 5%, Deutschland kommt mit 2,5% kaum vor. „Global“ klingt also schön – tatsächlich handelt es sich eher um einen US-Markt mit Anhang. Noch 2017 lag der US-Anteil bei 60%, inzwischen ist er also weiter gestiegen. Das nennt man nicht „Welt“, das nennt man „Wall Street mit Beilage“.
Dazu kommt: Der Index wird nur selten angepasst. Wenn also ein Sektor stark wächst – wie derzeit Technologie –, steigt seine Gewichtung automatisch weiter. Läuft er dann mal schwächer, zieht das die Gesamtperformance empfindlich nach unten. Das Klumpenrisiko ist offensichtlich: Wer glaubt, mit dem MSCI World ein neutrales Weltportfolio zu besitzen, sitzt in Wahrheit in einem ziemlich US-lastigen Boot – und das bei Hochseegang an der Wall Street. Da müssen schon kräftige Wellen kommen, um das Boot zum Kentern zu bringen – aber ausgeschlossen ist das nicht.
Dennoch gilt: MSCI World ist gut als Basisinvestment
Trotz aller angebrachten Kritik gilt weiterhin: Der MSCI World ist ein hervorragendes Basisinvestment. Transparent, kostengünstig, effizient – alles richtig. Aber er sollte eben nicht das ganze Portfolio ausmachen. Wer wirklich weltweit investieren will, braucht Ergänzungen: etwa ETFs auf Europa, Asien oder Schwellenländer. Oder gezielt Strategien, die andere Marktsegmente abdecken – etwa Substanzwerte, Small Caps oder nachhaltige Themenfonds.
Ein Beispiel gefällig? Unser Frankfurter UCITS-ETF - Modern Value investiert in nur 25 Unternehmen, rund 80 Prozent davon in Europa. Weniger Technologie, weniger USA, mehr Balance. Alle drei Monate wird das Portfolio aktiv überprüft und angepasst – so bleibt es flexibel, wenn Markttrends kippen. Und siehe da: Seit dreieinhalb Jahren liegt die Performance auf Augenhöhe mit dem MSCI World, bei gleichzeitig geringerer Schwankung. Das zeigt: Es geht auch anders.
Fazit mit Augenzwinkern: Der MSCI World ist wie ein All-Inclusive-Buffet, bei dem 70 Prozent der Speisen aus den USA kommen. Schmeckt gut, keine Frage – aber wer immer nur Burger isst, verpasst vielleicht das Beste.
Also: MSCI World? Ja, aber nicht allein. Einfach um andere Regionen, Branchen und Strategien ergänzen. Denn am Ende ist Diversifikation das wahre Superfood des Anlegers. Und das Wichtigste: Immer investiert bleiben. Nur wer dabeibleibt, profitiert langfristig – egal, ob mit oder ohne Burger auf dem Teller.
Von Heiko Böhmer, Kapitalmarktstratege bei Shareholder Value Management
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