Warum der MSCI World nicht die ganze Welt ist

Der MSCI World gilt als Inbegriff globaler Diversifikation - doch der Schein trügt. Rund 72% entfallen auf die USA, dominiert von wenigen Tech-Giganten. Wer echte weltweite Streuung will, braucht Ergänzungen jenseits von Apple & Co. Diversifikation bleibt das wahre Superfood des Anlegers. Shareholder Value Management AG | 04.11.2025 14:32 Uhr
Heiko Böhmer, Kapitalmarktstratege, Shareholder Value Management / © e-fundresearch.com / Shareholder Value Management AG
Heiko Böhmer, Kapitalmarktstratege, Shareholder Value Management / © e-fundresearch.com / Shareholder Value Management AG

Herzlich willkommen in der wunderbaren Welt der Aktien! Heute geht’s um ein Thema, das fast jeder ETF-Anleger schon mal gehört hat: „Ich kaufe einfach den MSCI World – das reicht doch völlig.“ Klingt vernünftig, oder? Ein ETF, 1 300 Aktien, weltweit gestreut, kostengünstig, unkompliziert – der Traum jedes passiven Investors.

Nur: So einfach ist es dann doch nicht. Denn der MSCI World ist zwar breit, aber nicht unbedingt ausgewogen.  

Schauen wir genauer hin: Die zehn größten Unternehmen im Index – also gerade mal 0,7% aller enthaltenen Aktien – machen rund 25% der gesamten Gewichtung aus. Und wer sind diese Schwergewichte? Richtig: Nvidia, Microsoft, Apple, Amazon, Alphabet & Co. Kurz gesagt: Sieben US-Tech-Giganten bestimmen, wohin die Reise geht. Das ist in Hausnummern gesprochen so, als würde man behaupten, man esse „ausgewogen“, wenn 70% der Mahlzeit aus Schokolade bestehen. 

MSCI World ist ein US-Index mit Beimischung

Und damit sind wir beim Kern: Der MSCI World ist zu rund 72% in den USA investiert. Japan folgt weit abgeschlagen mit etwa 5%, Deutschland kommt mit 2,5% kaum vor. „Global“ klingt also schön – tatsächlich handelt es sich eher um einen US-Markt mit Anhang. Noch 2017 lag der US-Anteil bei 60%, inzwischen ist er also weiter gestiegen. Das nennt man nicht „Welt“, das nennt man „Wall Street mit Beilage“.

Dazu kommt: Der Index wird nur selten angepasst. Wenn also ein Sektor stark wächst – wie derzeit Technologie –, steigt seine Gewichtung automatisch weiter. Läuft er dann mal schwächer, zieht das die Gesamtperformance empfindlich nach unten. Das Klumpenrisiko ist offensichtlich: Wer glaubt, mit dem MSCI World ein neutrales Weltportfolio zu besitzen, sitzt in Wahrheit in einem ziemlich US-lastigen Boot – und das bei Hochseegang an der Wall Street. Da müssen schon kräftige Wellen kommen, um das Boot zum Kentern zu bringen – aber ausgeschlossen ist das nicht.  

Dennoch gilt: MSCI World ist gut als Basisinvestment 

Trotz aller angebrachten Kritik gilt weiterhin: Der MSCI World ist ein hervorragendes Basisinvestment. Transparent, kostengünstig, effizient – alles richtig. Aber er sollte eben nicht das ganze Portfolio ausmachen. Wer wirklich weltweit investieren will, braucht Ergänzungen: etwa ETFs auf Europa, Asien oder Schwellenländer. Oder gezielt Strategien, die andere Marktsegmente abdecken – etwa Substanzwerte, Small Caps oder nachhaltige Themenfonds.

Ein Beispiel gefällig? Unser Frankfurter UCITS-ETF - Modern Value investiert in nur 25 Unternehmen, rund 80 Prozent davon in Europa. Weniger Technologie, weniger USA, mehr Balance. Alle drei Monate wird das Portfolio aktiv überprüft und angepasst – so bleibt es flexibel, wenn Markttrends kippen. Und siehe da: Seit dreieinhalb Jahren liegt die Performance auf Augenhöhe mit dem MSCI World, bei gleichzeitig geringerer Schwankung. Das zeigt: Es geht auch anders.

Fazit mit Augenzwinkern: Der MSCI World ist wie ein All-Inclusive-Buffet, bei dem 70 Prozent der Speisen aus den USA kommen. Schmeckt gut, keine Frage – aber wer immer nur Burger isst, verpasst vielleicht das Beste.

Also: MSCI World? Ja, aber nicht allein. Einfach um andere Regionen, Branchen und Strategien ergänzen. Denn am Ende ist Diversifikation das wahre Superfood des Anlegers. Und das Wichtigste: Immer investiert bleiben. Nur wer dabeibleibt, profitiert langfristig – egal, ob mit oder ohne Burger auf dem Teller. 

Von Heiko Böhmer, Kapitalmarktstratege bei Shareholder Value Management

Weitere beliebte Meldungen:

Performanceergebnisse der Vergangenheit lassen keine Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Investmentfonds oder Wertpapiers zu. Wert und Rendite einer Anlage in Fonds oder Wertpapieren können steigen oder fallen. Anleger können gegebenenfalls nur weniger als das investierte Kapital ausgezahlt bekommen. Auch Währungsschwankungen können das Investment beeinflussen. Beachten Sie die Vorschriften für Werbung und Angebot von Anteilen im InvFG 2011 §128 ff. Die Informationen auf www.e-fundresearch.com repräsentieren keine Empfehlungen für den Kauf, Verkauf oder das Halten von Wertpapieren, Fonds oder sonstigen Vermögensgegenständen. Die Informationen des Internetauftritts der e-fundresearch.com AG wurden sorgfältig erstellt. Dennoch kann es zu unbeabsichtigt fehlerhaften Darstellungen kommen. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen kann daher nicht übernommen werden. Gleiches gilt auch für alle anderen Websites, auf die mittels Hyperlink verwiesen wird. Die e-fundresearch.com AG lehnt jegliche Haftung für unmittelbare, konkrete oder sonstige Schäden ab, die im Zusammenhang mit den angebotenen oder sonstigen verfügbaren Informationen entstehen. Das NewsCenter ist eine kostenpflichtige Sonderwerbeform der e-fundresearch.com AG für Asset Management Unternehmen. Copyright und ausschließliche inhaltliche Verantwortung liegt beim Asset Management Unternehmen als Nutzer der NewsCenter Sonderwerbeform. Alle NewsCenter Meldungen stellen Presseinformationen oder Marketingmitteilungen dar.

Melden Sie sich für den kostenlosen Newsletter an

Regelmäßige Updates über die wichtigsten Markt- und Branchenentwicklungen mit starkem Fokus auf die Fondsbranche der DACH-Region.

Der Newsletter ist selbstverständlich kostenlos und kann jederzeit abbestellt werden.