KI zwischen Hype und Realität – Chancen für Anleger?

Der KI-Boom polarisiert: Während generative Modelle laut Gartner Hype Cycle bereits über ihren Höhepunkt hinaus sind, treiben andere Bereiche weiter Erwartungen – bei teils fraglicher Monetarisierung. Für Investoren zählt deshalb Substanz statt Schlagwort: Geschäftsmodelle prüfen, Risiken einordnen, Chancen gezielt nutzen. Shareholder Value Management AG | 03.12.2025 08:25 Uhr
Heiko Böhmer, Kapitalmarktstratege, Shareholder Value Management / © e-fundresearch.com / Shareholder Value Management AG
Heiko Böhmer, Kapitalmarktstratege, Shareholder Value Management / © e-fundresearch.com / Shareholder Value Management AG

Der Begriff "KI" ist momentan überall: in der Presse, in Vorstandsetagen und natürlich auf den Kapitalmärkten. Doch was heißt das für uns als Investoren? Unser Kollege Sebastian Blaeschke, Head of Portfolio & Research, beschäftigt sich schon seit 2017 intensiv mit KI und hat kürzlich beim Private Banking Kongress in Hamburg spannende Einblicke gegeben. Ein zentrales Instrument zur Einordnung des Themas ist der sogenannte Gartner Hype Cycle: eine Art Börsenbarometer für Technologieentwicklung. Dort sieht man, dass generative KI bereits den Höhepunkt des medialen Hypes überschritten hat. Erste Enttäuschungen machen die Runde, Start-ups berichten von versenkten Milliarden, die ohne spürbare Effekte geblieben sind.

Andere KI-Bereiche wie Autonome Agenten-KI befinden sich noch im vollen Hype-Modus – mit entsprechenden Risiken. Besonders spannend (und umstritten): Die berüchtigte Artificial General Intelligence (AGI). Gartner sieht hier noch mehr als zehn Jahre bis zur Marktreife. Oder nie. Je nach Glaube und Kaffeesatz.

Wer zahlt die KI-Party?

Ein zentrales Problem des KI-Booms: Die Monetarisierung. Bisher verdienen Anbieter wie OpenAI oder Anthropic wenig bis nichts. Die großen Tech-Giganten wie Microsoft, Alphabet oder Oracle investieren Milliarden in KI-Infrastruktur, kaufen Grafikkarten, bauen Rechenzentren – doch der Return-on-Investment ist bislang oft ein großes Fragezeichen.

Besonders spannend: Viele dieser Firmen beteiligen sich an kleineren KI-Unternehmen und verpflichten sich gleichzeitig, deren Produkte zu kaufen. Klingt ein bisschen wie ein ökonomisches Perpetuum Mobile – das aber nur läuft, solange neues Kapital nachkommt.

Blasen-Alarm oder gesunde Dynamik?

Ist das schon eine Blase? Vielleicht. Jedenfalls gibt es Parallelen zur Dotcom-Phase um 2000. Das Bewertungsniveau vieler KI-Titel ist hoch. Sehr hoch. Aber: Wer jetzt den Kalender zückt und auf das große Platzen zum Stichtag X wartet, wird vermutlich enttäuscht. Blasen erkennt man meist nur im Rückspiegel. Trotzdem ist Vorsicht geboten. Und genau hier setzt unsere Strategie an.

KI als Selektionskriterium – nicht als Kaufgrund

Bei Shareholder Value Management analysieren wir bei jeder Aktie, wie stark sie vom KI-Trend profitieren kann – und welche Risiken damit verbunden sind. Ein gutes Beispiel ist Microsoft: stark in der KI positioniert, aber eben auch ein grundsolides Geschäftsmodell jenseits von KI. Sollte der Hype abkühlen, bleibt Microsoft trotzdem stabil. Bei Adobe ist das Bild ähnlich: Zwar könnte generative KI grafische Arbeiten vereinfachen, aber solange Profis weiter mit Adobe-Tools arbeiten, partizipiert das Unternehmen sogar am KI-Trend.

Und dann gibt es natürlich auch Titel, die vom Thema KI völlig unberührt sind: Gabelstaplerverleiher zum Beispiel. Ja, vielleicht fahren die Fahrzeuge in zehn Jahren autonom. Aber sie müssen trotzdem gebaut, gewartet und bedient werden und davon wird dann auch zukünftig Ashtead profitieren.

Fazit: Chancen erkennen, Risiken verstehen

KI ist ein Megatrend. Aber wie bei jedem großen Trend gilt: Nicht alles, was Buzzwords benutzt, ist automatisch ein gutes Investment. Wir bleiben deshalb unserer Linie treu: Unternehmen mit nachvollziehbaren Geschäftsmodellen, klarer Bewertung und defensiver Grundstabilität. Und wenn sie dann auch noch vom KI-Trend profitieren können – umso besser. Denn am Ende gilt: Hype verkauft Magazine. Substanz bringt Rendite. 

Von Heiko Böhmer, Kapitalmarktstratege bei Shareholder Value Management

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