Frank Fischer: Partylaune in Zeiten von Krieg und Krise

Egal wie es im Iran-Krieg weitergeht, eines ist jetzt schon klar: Die Folgen der militärischen Auseinandersetzung werden uns noch lange begleiten – und das gilt für Verbraucher und Unternehmen. Und die Börse? Shareholder Value Management AG | 27.04.2026 08:45 Uhr
Frank Fischer, Vorstandsvorsitzender und CIO bei Shareholder Value Management AG / © e-fundresearch.com / Shareholder Value Management AG
Frank Fischer, Vorstandsvorsitzender und CIO bei Shareholder Value Management AG / © e-fundresearch.com / Shareholder Value Management AG

Verbraucherstimmung im Keller – Börse in Feierlaune

Es ist schon erstaunlich, wie sich auf der einen Seite das Verbrauchervertrauen immer mehr eintrübt, die Börse aber weiterhin Party feiert. So befindet sich die Verbraucherstimmung in den USA nahe ihres Allzeittiefs. Es sank im vergangenen Monat um rund 11 Prozent und setzte damit seinen Abwärtstrend fort, der mit Beginn des Iran-Konflikts einsetzte. Es liegt derzeit etwa 9 Prozent unter dem Vorjahreswert. Alle demografischen Gruppen, unabhängig von Alter, Einkommen oder politischer Zugehörigkeit, verzeichneten einen Rückgang des Verbrauchervertrauens, so Joanne Hsu, Leiterin der Verbraucherumfragen an der Universität Michigan. Dabei darf man nicht vergessen: 68 Prozent des US-BIP hängen vom Konsum ab. Schwächelt der Konsum, ist die Gefahr einer Rezession nicht weit. Und das wiederum belastet die Gewinne der Unternehmen.

Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass vor dem Platzen der Dotcom-Blase und der Finanzkrise es ebenfalls Stimmungstiefs der Verbraucher gab – und das bei gleichzeitiger Börsenparty. Und die – so könnte man den Eindruck haben – herrscht zumindest im S&P 500. Der notiert hartnäckig über 7.000 Punkte und damit in der Nähe seines Allzeithochs.

Rally auf schmalen Schultern

Doch Vorsicht: Die Rally ruht auf schmalen Schultern: IT und Kommunikationsdienstleistungen tragen mehr als zwei Drittel des Anstiegs. Die Marktbreite, so eine Auswertung der Deutschen Bank, ist dabei auf den niedrigsten Stand seit Mitte 2023 gefallen. Auch bei den Gewinnschätzungen zeigt sich Konzentration: Seit Beginn des Irankonflikts wurden die Gewinnerwartungen für 2026 zwar angehoben, positive Revisionen gab es aber nur bei den Sektoren Energie, IT und Grundstoffe. Nach der schnellen Erholung der vergangenen Wochen könnte der Markt jetzt kurzfristig eine Pause einlegen. Dies wird sich wohl erst dann ändern, wenn sich die Lage im Nahen und Mittleren Osten weiter entspannt und gleichzeitig die laufende Berichtssaison auch in der Breite überzeugt.

Stagflationäre Tendenzen in Europa

Derweil zeichnen sich in Europa stagflationäre Tendenzen ab. Dies deuten zumindest die jüngsten Vorabschätzungen der Einkaufsmanagerindizes (PMIs) für die Eurozone zu Beginn des zweiten Quartals an – also auf eine Kombination aus nachlassender konjunktureller Dynamik und weiter zunehmendem Preisdruck. Mit 48,6 Punkten signalisiert der branchenübergreifende PMI im April erstmals seit 16 Monaten rückläufige Aktivitäten in der Privatwirtschaft. Ausschlaggebend war vor allem der kräftige Einbruch im Dienstleistungssektor, dessen Index von 50,2 auf 47,4 Punkte absackte – so stark wie seit den pandemiebedingten Lockdowns nicht mehr.

Parallel zur konjunkturellen Abschwächung hat sich der Preisdruck spürbar verstärkt. Sowohl Einstands‑ als auch Verkaufspreise legten kräftig zu – nicht nur infolge höherer Energiekosten, sondern auch aufgrund breit angelegter Rohstoffverteuerungen und anhaltender Angebotsengpässe. Und die zunehmenden Lieferprobleme drohen das Wachstum auch in den kommenden Monaten weiter zu dämpfen und den Inflationsdruck hochzuhalten. Das macht auch die Lage für die EZB schwierig, denn die Europäische Zentralbank muss zum einen die steigende Inflation bekämpfen, darf aber auch das letzte, zarte Pflänzchen Konjunkturhoffnung nicht komplett zunichtemachen. Es bleibt also spannend.

Die Börse legt weiter den Vorwärtsgang ein

Und was macht die Börse daraus? Nun, nach einer kurzen Korrekturphase haben die meisten Börsenindizes ihre Verluste größtenteils wieder wettgemacht und sogar ihr Vorkriegsniveau übertroffen. So waren die SAP-Zahlen besser als befürchtet, und Siemens Energy hat seine Jahresprognose angehoben. Auch E.ON und ASML legten gute Zahlen vor. Derweil konnten aus den Portfolios unserer Mandate wie dem Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen und dem Frankfurter UCITS-ETF – Modern Value vor allem die britische Diploma, und der niederländische Chemiehändler IMCD überzeugen. Dies hat auch der Performance unserer Mandate in den letzten Wochen geholfen. Ob dies so bleiben wird, muss jedoch abgewartet werden. Denn die mittel- und längerfristigen Folgen des Iran-Krieges sind noch lange nicht eingepreist.

Von Frank Fischer, Vorstandsvorsitzender und CIO bei Shareholder Value Management AG

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