Frank Fischer: Alphabet und Deutsche Börse neu im TSR-Olymp

Nach der Beruhigung an den Märkten rückt für Frank Fischer, Vorstandsvorsitzender und CIO bei Shareholder Value Management AG, wieder Stock Picking in den Fokus. Im Frankfurter UCITS-ETF Modern Value führen Rebalancing und TSR-Ansatz zu Änderungen im Portfolio. Shareholder Value Management AG | 22.06.2026 09:56 Uhr
Frank Fischer, Vorstandsvorsitzender und CIO bei Shareholder Value Management AG / © Shareholder Value Management AG
Frank Fischer, Vorstandsvorsitzender und CIO bei Shareholder Value Management AG / © Shareholder Value Management AG

Die Lage an den Börsen hat sich wieder beruhigt. Die USA und der Iran haben ihre Absichtserklärung unterzeichnet den Krieg zu beenden, der Ölpreis hat nachgegeben und die Notenbanken haben sich positioniert.

Stock Picking steht jetzt wieder im Vordergrund

Man kann sich als Anleger also wieder anderen Dingen zuwenden. Zum Beispiel dem Stock Picking. Das haben wir sowohl bei unserem Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen als auch beim Frankfurter UCITS-ETF – Modern Value getan. Im Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen setzen wir weiterhin auf Versicherungen wie der Allianz, der Münchner Rück und der französischen SCOR. Denn die EZB hat aufgrund der erhöhten Inflation den ersten Zinsschritt bereits vollzogen. Mindestens ein weiterer wird wohl noch folgen. Das kommt den Versicherern zugute, denn die freuen sich, weil ihr Zinsergebnis steigt und sie ihre Prämien erhöhen können.

Beim Frankfurter UCITS-ETF – Modern Value kam jetzt noch das regelbasierte Rebalancing hinzu. Einmal im Quartal werden die 25 Aktien des ETF auf Basis des Total Shareholder Return neu bewertet. Die 25 stärksten Titel aus unserer Watchlist von 100 Qualitätsunternehmen bilden das gleichgewichtete Portfolio – systematisch und ohne Emotionen.

Amazon und DiaSorin raus, Alphabet und Deutsche Börse rein

Das hatte diesmal zur Folge, dass Amazon und das italienische Diagnostikunternehmen DiaSorin das Portfolio verlassen mussten. Das sind keine schlechten Unternehmen, aber gehören halt nicht mehr zu den Werten mit dem höchsten Total Shareholder Return (TSR). Genau das unterscheidet unseren ETF von einem klassischen Marktindex: Bei uns entscheidet nicht die Marktkapitalisierung über das Indexgewicht, sondern die nachgewiesene Qualität. Damit treiben eben Daten die Umschichtung und nicht Emotionen. So sind statt Amazon und DiaSorin jetzt Alphabet und die Deutsche Börse Teil des ETF und somit in den TSR-Olymp aufgestiegen.

Deutsche Börse: „Langweilig“ aber die Kasse klingelt immer 

Mit der Deutsche Börse ist nun eines jener Unternehmen neu dabei, die man auf den ersten Blick für langweilig halten könnte. Aber auf den zweiten Blick sieht das ganz anders aus. Das Geschäftsmodell ist bestechend einfach. Die Deutsche Börse betreibt Marktinfrastruktur: Wertpapierbörse, das Clearinghaus Eurex, Datenbusiness. Bei jedem Kauf und Verkauf von Aktien oder Derivaten klingelt die Kasse. Die Gebühren sind zwar jeweils nicht sonderlich hoch, aber dafür fließen sie immer und immer wieder. Und das Entscheidende: Die Deutsche Börse selbst trägt dabei kaum Marktrisiko. Sie kassiert, ob es an der Börse auf- oder abwärts geht. Die Kasse klingelt halt immer.

Hinzu kommt der wirtschaftliche Burggraben, der fast einzigartig ist. Die Wechselkosten sind enorm, das Netzwerk sucht seinesgleichen und die Regulierung schützt darüber hinaus die Börse als etablierten Anbieter. Das ist ganz in unserem Value-Sinne: ein klassisches Oligopol mit Preissetzungsmacht. Die Kapitalrenditen sind entsprechend überdurchschnittlich, und das seit Jahren. Kurz: Das ist genau das, was wir für unsere Modern Value-Investmentstrategie suchen.

Alphabet, die Gelddruckmaschine

Alphabet, der Mutterkonzern von Google, ist ebenfalls ein Unternehmen mit weiterhin hohem Potential. Der Tech-Riese bietet eigentlich alles, was wir suchen: Google Search ist nach wie vor die wertvollste digitale Werbeplattform der Welt. YouTube ist die meistgenutzte Videoplattform global. Und Google Cloud wächst dynamisch und gewinnt Marktanteile hinzu.

Der eigentliche Kurstreiber der nächsten Jahre ist aber KI. Alphabet ist mit Gemini, Waymo und DeepMind nicht nur dabei — es ist einer der wenigen echten Infrastrukturbetreiber im KI-Zeitalter. Durch eigene KI-Modelle wie Gemini und selbst entwickelte Prozessoren (TPUs) ist Alphabet Vorreiter und kann KI-Dienste besonders kosteneffizient anbieten. Und last but not least: die enorme Finanzkraft. Die Google-Mutter verfügt mit rund 130 Milliarden US-Dollar über eine äußerst hohe Liquidität. Das ermöglicht es dem Unternehmen, kontinuierlich hohe Summen in Forschung und Entwicklung sowie Zukunftsprojekte wie das autonome Fahren zu investieren. Nicht zu vergessen die Investitionen in den Ausbau der KI-Infrastruktur. Hier ist noch einiges zu erwarten.

Von Frank Fischer, Vorstandsvorsitzender und CIO bei Shareholder Value Management AG

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