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Nach COP26: Wie Anleiheninvestoren Unternehmen in die Pflicht nehmen können

COP26 war ein Meilenstein für den Klimaschutz, aber die Anleger müssen helfen, das Schiff auf Kurs zu halten. AllianceBernstein | 17.12.2021 07:07 Uhr
© Photo by Charles Forerunner on Unsplash
© Photo by Charles Forerunner on Unsplash

Die Klimakonferenz der Vereinten Nationen in Glasgow, auch bekannt als COP26, endete im November mit der Unterzeichnung des Glasgower Klimapakts (Glasgow Climate Pact, GCP) durch 200 Nationen, einer Vereinbarung, die den Klimaschutz beschleunigen und zu großen Kohlenstoffeinsparungen führen könnte.

Das Problem dabei? Die ehrgeizigen Verpflichtungen sind nicht unbedingt durchsetzungsfähig. Das bedeutet, dass den Anlegern eine Schlüsselrolle dabei zukommt, die Fortschritte der Länder und Unternehmen in Bezug auf ihre Zusagen zu überwachen und sie durch aktives Engagement zur Verantwortung zu ziehen.

COP26 spiegelt den verstärkten Antrieb für Klimaschutzmaßnahmen wider 

Zunächst die gute Nachricht: Das Gefühl der Dringlichkeit, der Einigkeit und des Engagements der Nationen hat mit jedem COP-Gipfel zugenommen. Auch hat sich auf der COP26 die Zusammenarbeit im Vergleich zu früheren Gipfeltreffen verbessert, wenn auch nicht reibungslos. Zum ersten Mal erkannten die Länder die wichtigsten Schlussfolgerungen des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) unmissverständlich an, die dann die Einleitung zum Glasgower Klimapakt bildeten. (Noch auf der COP24 hatten die USA und Saudi-Arabien die Schlussfolgerungen des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen zum Klimawandel abgelehnt).

Darüber hinaus wurden mehrere wichtige Initiativen zur Bekämpfung der Treibhausgasemissionen und zur Beschleunigung der Energiewende eingeleitet. Das könnte sich 2022 in stärkeren Nationalen Klimaschutzbeiträgen (Nationally Determined Contributions, NDCs) niederschlagen, die die Welt dem 1,5-Grad-Ziel einen Schritt näherbringen.

Was die Emissionen betrifft, so haben sich mehr als 100 Länder einer von den USA und der Europäischen Union angeführten Koalition angeschlossen, um die Methanemissionen bis 2030 um 30 % zu senken. Nach Angaben des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen ist Methan für etwa die Hälfte des Anstiegs der globalen Durchschnittstemperatur um 1,0 Grad Celsius seit dem vorindustriellen Zeitalter verantwortlich.

Weitere Klimaschutzinitiativen:

  • Ein neuer Schwerpunkt auf der Verringerung der Kohlenutzung, wenn auch abgeschwächt durch die Betonung des schrittweisen Ausstiegs.
  • Eine Vereinbarung über die Schaffung eines neuen CO2-Marktes und eines Handelssystems für Kompensationen, bestehend aus einem bilateralen System, in dem Länder Gutschriften handeln können, um Dekarbonisierungsziele zu erreichen, und einem zentralen System für Kompensationen, wobei 5 % der Erlöse in einen Klimaanpassungsfonds für Entwicklungsländer fließen.
  • Eine erneute Zusage der Industrieländer, den Entwicklungsländern jährlich mindestens 100 Milliarden US-Dollar für die Übergangsfinanzierung zur Verfügung zu stellen. Dieses Ziel wurde seit der ursprünglichen Vereinbarung auf der COP15 im Jahr 2009 noch nie erreicht.
  • Einführung eines 10-Jahres-Plans, der saubere Technologien und Lösungen für Energie, Straßenverkehr, Stahl, Wasserstoff und Landwirtschaft bis 2030 erschwinglicher machen soll.
  • Unterzeichnung der Erklärung der Staats- und Regierungschefs von Glasgow zur Wald- und Landnutzung durch 120 Länder, die mehr als 90 % der weltweiten Wälder bewirtschaften.
  • Die Zusage von mehr als 100 Regierungen, regionalen Behörden und Unternehmen, bis 2035 auf den wichtigsten Märkten und bis 2040 weltweit nur noch emissionsfreie Autos zu verkaufen. Die Vereinbarung wird jedoch von vielen der größten Automärkte nicht unterstützt, darunter China, Deutschland, Frankreich und dem Großteil der USA. Vier der größten Automobilhersteller – Toyota, Renault, Hyundai und Volkswagen – haben nicht unterzeichnet.

Zusagen reichen nicht aus

Die Zusagen der Länder zur Verringerung der CO2-Emissionen bis 2030 liegen weit unter dem Niveau, das erforderlich ist, um das im Pariser Abkommen von 2015 festgelegte Ziel einer globalen Erwärmung von 1,5 Grad Celsius zu erreichen. Stattdessen entsprechen diese Ziele für 2030 einem Wert von 2,3 Grad Celsius, wodurch das globale Klima gefährdet ist, insbesondere durch einen schnell steigenden Meeresspiegel und extreme Wetterereignisse. Dem World Resources Institute zufolge müssen die globalen Emissionen bis 2030 um die Hälfte sinken, um die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels zu verhindern.

Darüber hinaus klafft eine große Lücke zwischen den ehrgeizigen Klimazusagen der Länder und den konkreten politischen Maßnahmen, die zur Erreichung dieser Ziele erforderlich sind. So haben die Regierungen zum Beispiel wenig Klarheit darüber geschaffen, wie sie ihre Netto-Null-CO2-Ziele erreichen wollen, die meist für 2050 bis 2060 angesetzt sind und die globale Erwärmung näher an 1,8 Grad Celsius heranbringen sollen.

Große Umweltverschmutzer müssen den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen anführen

Ein Großteil der Verantwortung für die Schließung dieser Lücke liegt bei einigen der größten Umweltverschmutzer: dem Verkehrs-, Versorger- und Energiesektor. Aber die Verantwortlichkeiten sind verworren. Die Fähigkeit der Automobilindustrie, die CO2-Emissionen einzudämmen, hängt beispielsweise davon ab, wie schnell die Versorgungsunternehmen auf erneuerbare Energien umsteigen. Schließlich sind die Vorteile von Elektroautos begrenzt, wenn die Batterien mit Kohlestrom geladen werden.

Auf der COP26 drängten einige Staats- und Regierungschefs darauf, die Kohleverstromung schrittweise einzustellen. Dieser Übergang ist bereits im Gange, insbesondere bei den europäischen Versorgungsunternehmen. In der Europäischen Union sind die meisten Versorger entweder bereits aus der Kohleverstromung ausgestiegen oder werden das bis 2030 tun, da die Europäische Union plant, bis 2050 der erste klimaneutrale Kontinent zu sein. Ausgenommen davon sind Polen und die Tschechische Republik, zwei der drei europäischen Länder mit der höchsten installierten Kohlekraftwerksleistung.

Die meisten regulierten Versorger in den USA planen bereits, ihre Kohleverstromung zu reduzieren und Kapazitäten im Bereich der erneuerbaren Energien aufzubauen. Der Zeitplan für die Umstellung wird in Zusammenarbeit mit den staatlichen Regulierungsbehörden festgelegt, die die Zuverlässigkeit des Netzes, die Fähigkeit des Netzes, die Infrastruktur für Elektrofahrzeuge zu unterstützen, und die regionale Beschäftigung im Kohlebereich berücksichtigen müssen. Dennoch werden bis 2050 wahrscheinlich 75 % der US-Kohlekapazitäten stillgelegt werden.

Wie bei den Versorgungsunternehmen ebnen integrierte Explorations- und Produktionsunternehmen für Erdöl und Gas in Europa den Weg für ihre Konkurrenten im Rest der Welt, indem sie sich ehrgeizige und wissenschaftlich fundierte Ziele für die Verringerung des CO2-Ausstoßes setzen und einen wesentlichen Teil ihrer Kapitalbudgets für Projekte mit geringerem CO2-Ausstoß und für erneuerbare Energien bereitstellen. Die US-amerikanischen Explorations- und Produktionsunternehmen für Erdöl und Gas halten an ihrer Produktionsdisziplin für fossile Brennstoffe fest, haben jedoch ihre Investitionen in neue Bohrungen zurückgefahren.

Wo Anleger den Unterschied machen können

Angesichts des zunehmenden Drucks auf die Unternehmen, in grüne Projekte zu investieren, erwarten wir, dass der Markt für grüne Anleihen und an Leistungsindikatoren (KPIs) gebundene Anleihen weiter an Umfang und Bedeutung zunehmen wird. Aber Etiketten allein reichen nicht aus. Um KPI-gebundene Anleihen fair bewerten zu können, müssen Anleger zum Beispiel verstehen, wie Unternehmen Nachhaltigkeitsziele festlegen und erreichen, die ihre Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette dekarbonisieren. Eine bevorstehende globale Standardisierung der Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungsberichterstattung (ESG) im Rahmen des International Sustainability Standards Board (ISSB) wird zur Transparenz beitragen.

Bis dahin müssen verantwortungsbewusste Anleger feststellen, ob die Klimastrategien eines Unternehmens spezifisch sind, ob der Plan zu Erreichung des Netto-Null-Ziels wissenschaftlich fundiert ist und wie er mit den Nationalen Klimaschutzbeiträgen übereinstimmt; und wie die Aufteilung des Netto-Null-Plans zwischen kurzfristigen (2030) und langfristigen (2050) Zielen mit den Nationalen Klimaschutzbeiträgen übereinstimmt.

Schließlich können – und sollten – aktive Anleger eine entscheidende Rolle bei den Klimaschutzmaßnahmen spielen, indem sie Länder und Unternehmen verfolgen, um sicherzustellen, dass sie auf dem richtigen Weg sind, ihre ehrgeizigen Klimaziele zu erreichen. Das bedeutet oft, dass man sich mit dem Managementteam eines Unternehmens an einen Tisch setzt, um die Auswirkungen von ESG-Faktoren auf Investitionen zu verstehen, sich für Änderungen im Verhalten und in den Praktiken der Unternehmen einzusetzen und die Unternehmen als Verantwortliche für unsere Umwelt in die Pflicht zu nehmen.

Susan Hutman ist Director of Investment Grade Corporate Credit Research und Markus Schneider ist Senior Economist für EMEA bei AllianceBernstein (AB).

In diesem Dokument zum Ausdruck gebrachte Meinungen stellen keine Analysen, Anlageberatungen oder Handelsempfehlungen dar, spiegeln nicht unbedingt die Ansichten aller Portfoliomanagementteams bei AB wider und können von Zeit zu Zeit überarbeitet werden. 

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