Fed-Sitzung: Der ungewisse Pfad des Jerome Powell

Wie erwartet hat die US-Notenbank ihre Leitzinsen um 25 Basispunkte gesenkt. Uneinigkeit herrscht jedoch darüber, wie es in den kommenden Monaten weitergeht – das zeigten unter anderem die Meinungsverschiedenheiten zwischen den FOMC Mitgliedern Stephen Miran und Jeff Schmid. Welche Strategie Fed-Chef Jerome Powell verfolgen dürfte und warum er weiterhin von einer Zinssenkung im Dezember und weiteren Lockerungsmaßnahmen im kommenden Jahr ausgeht, erläutert Eric Winograd, Chief US Economist bei AllianceBernstein. AllianceBernstein | 30.10.2025 16:15 Uhr
Eric Winograd, Chief US Economist bei AllianceBernstein / © e-fundresearch.com / AllianceBernstein
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Die Erklärung der Fed nach der Sitzung in dieser Woche deutet darauf hin, dass der Ausschuss seine Einschätzung zur wirtschaftlichen Entwicklung seit September kaum verändert hat. Auch Fed-Chef Jerome Powell hat diese Lesart in seiner Pressekonferenz bekräftig. Die im Sommer aufgetretenen Abwärtsrisiken für den Arbeitsmarkt bestehen weiterhin und untermauern die beschlossene Zinssenkung. Diese Risiken dürfte auch eine Zinssenkung im Dezember und wahrscheinlich weitere Lockerungsmaßnahmen danach rechtfertigen. Sie ist notwendig, um den Zielkorridor für den von dem FOMC geschätzten Neutralwert von etwa drei Prozent zu erreichen, der die die Wirtschaftstätigkeit weder ankurbelt noch bremst.

Dennoch gab es bei dem Treffen Meinungsverschiedenheiten in beide Richtungen: Der Präsident der Fed von Kansas City, Schmid, hätte es vorgezogen, die Zinsen überhaupt nicht zu senken. Gouverneur Miran hätte wiederum eine Senkung um 50 Basispunkte präferiert. Diese Meinungsverschiedenheiten sollten jedoch nicht überbewertet werden. Sie sind innerhalb eines Komitees nichts Ungewöhnliches. Letztendlich war die Mehrheit des Ausschusses mit einer Senkung um 25 Basispunkte einverstanden, auch wenn Uneinigkeit darüber herrscht, wie es weitergehen soll.

Falscher Sicherheit am Markt vorbeugen

Auch Jerome Powell gab keine klaren Hinweise. Gerade auch vor dem Hintergrund fehlender offizieller Daten, an denen sich der Ausschuss orientieren könnte, und seiner langjährigen Taktik, maximale Flexibilität zu wahren, überrascht dies kaum. Powell machte deutlich, dass eine weitere Senkung des Leitzinses bei der Sitzung im Dezember keine ausgemachte Sache ist, ganz im Gegenteil. Der Markt hat eine weitere Senkung im Dezember einpreist. Vor diesem Hintergrund können Powells Äußerungen durchaus hawkisch interpretiert werden. Es ist ein Versuch vorzubeugen, dass der Markt mit zu großer Sicherheit auf eine noch unsichere Entscheidung setzt. Das bedeutet nicht, dass die Fed im Dezember keine Zinssenkung vornimmt, sondern nur, dass sie nicht so fest auf dieses Ergebnis fixiert ist, wie es der Markt zu sein scheint. Allerdings bezeichnete Fed-Chef Powell den nun beschlossenen Zinsschritt auch als „weiteren Schritt in Richtung Neutralität“. Dies deutet wiederum darauf hin, dass weitere Lockerungsmaßnahmen folgen dürften.

Zudem haben die US-Währungshüter beschlossen, die Reduzierung der Notenbankbestände an Staatsanleihen zum 1. Dezember zu beenden. In den vergangenen Wochen hatten Vertreter der Fed, darunter auch Fed-Chef Powell, angedeutet, dass die Bilanzverkürzung bald abgeschlossen sein wird. Daher kam die Entscheidung nicht überraschend, dass die Fed ihre Staatsanleihebestände absehbar nicht weiter reduzieren wird. Auswirkungen auf den Markt oder die Wirtschaft sind nicht zur erwarten. Zwar wird die Fed ihre Bestände an hypothekenbesicherten Wertpapieren weiterhin herunterfahren, jedoch werden die Erlöse aus fälligen MBS in Schatzwechsel reinvestiert. Das Ziel der Fed, eine Bilanz zu erreichen, die ausschließlich aus Staatsanleihen besteht, wird damit unterstützt.

Tatsächlich ist die Bilanz der Fed bereits von einem Höchststand von rund neun Billionen Dollar auf heute 6,5 Billionen Dollar geschrumpft. In Prozent des BIP entspricht dies in etwa dem Stand von 2018, bevor die Geldmärkte nervös wurden. Insofern scheint dies ein vernünftiger Punkt zu sein, um aufzuhören.

Von Eric Winograd, Chief US Economist bei AllianceBernstein

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