Europäischer Ausblick für festverzinsliche Anlagen 2026: Günstige Winde bei sich wandelnden Strömungen

Das Umfeld für europäische Anleihen bleibt günstig, auch wenn der technologische Wandel neue Herausforderungen mit sich bringt. AllianceBernstein | 20.01.2026 07:44 Uhr
John Taylor, Head of European Fixed Income and Director of Global Multisector, AllianceBernstein / © e-fundresearch.com / AllianceBernstein
John Taylor, Head of European Fixed Income and Director of Global Multisector, AllianceBernstein / © e-fundresearch.com / AllianceBernstein

In Großbritannien und im Euroraum sehen wir Spielraum für weitere Zinssenkungen, um Staatsanleihen im kommenden Jahr zu unterstützen. In den europäischen Kreditmärkten, sowohl im Investment-Grade- als auch im Hochzins-Bereich, sind wir der Ansicht, dass die positiven Faktoren, die die starke Wertentwicklung im Jahr 2025 getragen haben, weiterhin bestehen. Gleichzeitig könnten Technologie und die potenziell transformierenden Effekte der KI europäischen Anleger in festverzinsliche Anleihen im Jahr 2026 neue Risiken und Chancen eröffnen.

Das Argument für niedrigere Zinsen

Während der Markt davon ausgeht, dass die Zinssätze im Vereinigten Königreich im Jahr 2026 weiter sinken werden, erwartet er, dass sich die Zinsen im Euroraum stabilisiert haben und der nächste Schritt nach oben erfolgt. Wir sind anderer Ansicht.

Mehrere Faktoren drohen, die Inflation im Euroraum unter das Ziel von 2 Prozent zu drücken. Zum Beispiel verlangsamen sich zuvor hartnäckige Lohn- und Dienstleistungsinflation weiter, der Euro bleibt stark und belastet Europas Exporteure, und nach den Handelskriegen werden chinesische Exporte von den USA nach Europa umgeleitet und drücken die Preise.

Die Europäische Zentralbank (EZB) betrachtet Abweichungen von ihrem Inflationsziel als vorübergehend und erwartet, dass höhere Wachstumsraten, gestützt durch erhöhte deutsche Fiskalausgaben, eine Aufwärtsanpassung der Euro-Zinsen auslösen. Wir sind jedoch der Ansicht, dass das Wachstum schwach bleiben oder bestenfalls im Bereich des Trends liegen könnte, und wir sehen keine überzeugenden Belege für einen höheren neutralen Zinssatz im Euroraum.

Die Konsequenz? Unserer Ansicht nach besteht im kommenden Jahr die Möglichkeit weiterer Impulse durch eine oder mehrere Zinssenkungen der EZB.

Wir erwarten, dass niedrigere Zinsen den positivsten Effekt auf die kurzen und mittleren Laufzeiten der Renditekurven von Staatsanleihen im Vereinigten Königreich und im Euroraum haben werden, da die längsten Laufzeiten voraussichtlich Aufwärtsdruck durch hohe Defizite verspüren werden – sowohl im Inland als auch im Ausland.

Bewertungen sind attraktiv

Während die engen Credit Spreads im Euroraum für einige Anlass zur Sorge geben, sind wir nicht der Ansicht, dass geringe Spreads Anleger davon abhalten sollten, Unternehmensanleihen zu halten. Der beste Indikator für zukünftige Gesamterträge bleibt das aktuelle Renditeniveau und nicht der Spread, und bei Renditen von 3,1 Prozent im Investment-Grade-Bereich und 5 Prozent im Hochzins-Bereich sehen wir auf diesen Niveaus Potenzial für attraktive Erträge für Käufer.

So bieten im Hochzins-Markt beispielsweise Anleihen mit BB-Rating, der qualitativ hochwertigste Teil des Hochzins-Segments, Renditen von über 4 Prozent, was dem annualisierten Ertrag des gesamten europäischen Hochzins-Marktes über die vergangenen 10 Jahre entspricht.

Nachfrage nach Unternehmensanleihen dürfte hoch bleiben

Wir gehen davon aus, dass die Nachfrage in den Kreditmärkten im Jahr 2026 insgesamt stark bleiben wird. Auf der Suche nach Erträgen erwarten wir anhaltende Mittelabflüsse aus Geldmarktfonds in Unternehmensanleihen, insbesondere wenn die Zinsen erneut gesenkt werden. Darüber hinaus könnten die EU-Verteidigungspakete und die deutschen Infrastrukturprogramme zusätzliche Wachstumsimpulse liefern, die unserer Ansicht nach entlang der gesamten Kreditkurve unterstützend wirken werden.

Anleger, die sich wegen potenzieller Aktienvolatilität infolge der anspruchsvollen Bewertungen und steil ansteigenden Investitionsausgaben von Technologieaktien sorgen, könnten zudem erwägen, das Aktienrisiko zu reduzieren, indem sie stärker in Unternehmensanleihen investieren, insbesondere in kurzlaufende hochwertige Investment-Grade-Anleihen. Wir sind der Ansicht, dass eine aktive Titelauswahl hier besonders wichtig sein dürfte, da sowohl die Produktivitätsvorteile als auch die wettbewerblichen Herausforderungen durch KI anfänglich wahrscheinlich ungleichmäßig über Sektoren und Unternehmen verteilt sein werden.

Auf der Angebotsseite dürfte ein unsichereres makroökonomisches Umfeld in Verbindung mit höheren Finanzierungskosten europäische Unternehmen vorsichtiger machen, wenn es um fremdfinanzierte Übernahmen und umfangreiche Investitionsprogramme geht. Wir sind der Meinung, dass dieses Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage den Kreditmärkten im Jahr 2026 einen starken Impuls verleihen dürfte.

Fundamentaldaten von Unternehmensanleihen bleiben unterstützend

Die Fundamentaldaten von Unternehmensanleihen sind weiterhin robust. So liegt im Investment-Grade-Bereich die Nettoverschuldung nur leicht über dem langfristigen Durchschnitt und die Zinsdeckungsquote nur geringfügig darunter, die Asset-Qualität ist weiterhin unauffällig, die Liquidität bleibt stark und die Margen sind überwiegend solide, wobei eine Erosion nur in einigen zyklischen Sektoren zu beobachten ist.

Die Fundamentaldaten im Hochzins-Bereich erscheinen vergleichbar, bieten jedoch einen zusätzlichen Vorteil für risikobewusste Anleger, die durchschnittliche Duration des Marktes ist mit 2,9 Jahren deutlich kürzer. Das macht europäische Hochzins-Anleihen weniger zinssensitiv als viele andere Segmente festverzinslicher Anleihen. In einem Abschwung müssten die Renditen um fast 2 Prozent steigen, um die Erträge eines Hochzins-Investors vollständig aufzubrauchen.

Gleichzeitig verlängern sich die Laufzeiten im Hochzins-Segment schrittweise, was darauf hindeutet, dass Unternehmen ihre Refinanzierungen erfolgreich durchführen und ihre Schuldenprofile strecken. Dies trägt dazu bei, das kurzfristige Ausfallrisiko zu verringern und die Stabilität der Kreditmärkte insgesamt zu stützen.

Schließlich zeigt die Historie, dass Zinssenkungen durch die US-Notenbank Federal Reserve, wie wir sie für 2026 erwarten, in der Regel auch den Hochzins-Märkten zugutekommen.

Günstige Winde für 2026

Bewertungen in Staatsanleihen- wie auch in Kreditmärkten bieten unserer Ansicht nach inzwischen attraktive Einstiegsniveaus, während die Unternehmensbilanzen insgesamt weiterhin solide sind. Da Europa sich potenziell weiterhin in einem geldpolitischen Lockerungszyklus befindet, sind wir der Überzeugung, dass die Region Anleger, die Erträge, potenzielle Kursgewinne und geringere Korrelationen innerhalb globaler Portfolios suchen, ein diversifiziertes Chancenspektrum bietet.

Im aktuellen Umfeld gewinnt aktives Management besondere Bedeutung, da die Streuung über Sektoren, Emittenten und Kapitalstrukturen hinweg zunimmt. Für aktive Anleger signalisiert dies ein reichhaltiges Umfeld für die Erzielung von Mehrwert.

Von John Taylor, Head of European Fixed Income and Director of Global Multisector, AllianceBernstein

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