US-Aktien: Gegenwind aus drei Richtungen – gleichzeitig!

Konfrontationen, Machtdemonstrationen und viel politisches Gepolter: So startete das Jahr zumindest auf der politischen Bühne. Den positiven Trends an den Aktienmärkten konnte dies wenig anhaben – zumindest bislang. Dennoch könnte 2026 holpriger werden, als es so manchem Anleger lieb sein dürfte. So sieht Nelson Yu, Head of Equities bei AllianceBernstein, den US-Aktienmarkt zum Jahresanfang mit Gegenwind aus gleich drei Richtungen konfrontiert. In seinem Marktkommentar erklärt er, wie Anleger ihr Aktienportfolio angesichts veränderter Makrobedingungen, KI-Dynamiken und zunehmender Bewertungsunterschiede strategisch ausrichten könnten. AllianceBernstein | 22.01.2026 10:49 Uhr
Nelson Yu, Head of Equities bei AllianceBernstein / © e-fundresearch.com / AllianceBernstein
Nelson Yu, Head of Equities bei AllianceBernstein / © e-fundresearch.com / AllianceBernstein

Nach zwei Jahren Performance-Führerschaft der US-Aktienmärkte, die vor allem von den US-KI-Hyperscalern getragen wurde, zeigen unsere Analysen erste Anzeichen einer globalen thematischen Verbreiterung. Veränderte Renditemuster waren zudem bereits im vergangenen Jahr zu beobachten: Qualitätsaktien zeigten Schwäche, während spekulative Wachstumswerte zulegten – begünstigt durch Erwartungen sinkender US-Leitzinsen und dem anhaltenden KI-Trend. Diese Rally bei spekulativen Wachstumswerten deutet darauf hin, dass Anleger dem makroökonomischen Umfeld Vertrauen entgegenbringen. 2025 trotzte das globale Wirtschaftswachstum auch abrupten politischen Maßnahmen und geopolitischer Instabilität. Für 2026 sehen wir sowohl ein geringeres Risiko eines ausgeprägten Abschwungs als auch eines Wiederanstiegs der Inflation.

US-Exzeptionalismus auf dem Prüfstand

Dennoch könnte das Umfeld gerade für die US-Märkte holpriger werden, als so manchem Anleger lieb sein dürfte. Zum Start ins Jahr 2026 sehen sich US-Aktien mit wesentlichem Gegenwind aus gleich drei Richtungen konfrontiert: einer hohen Marktkonzentration, erhöhten Bewertungen und anhaltenden Zweifeln am US-Exzeptionalismus. Die entscheidende Frage lautet also: Wenden sich die Vorzeichen für den S&P 500, der in elf der vergangenen 15 Jahre besser abgeschnitten hat als die Nicht-US-Märkte?

In den vergangenen Jahren wurde diese Outperformance vor allem von den dominierenden Technologiegiganten getragen, die die Marktkonzentration im US-Aktienmarkt auf ein nahezu historisches Hoch getrieben haben. Ende 2025 vereinten die zehn größten Titel mehr als 40 Prozent der Marktkapitalisierung des S&P 500 auf sich – was die Diversifikation innerhalb des US-Marktes deutlich erschwert. Gleichzeitig bedeutet dies, dass die Wertentwicklung und Volatilität des Gesamtmarktes in hohem Maße von einer kleinen Gruppe großer Technologieunternehmen abhängen. Im Jahr 2025 erreichte die relative Volatilität des S&P 500 gegenüber den Nicht-US-Märkten den höchsten Stand im 21. Jahrhundert.

Teuer bewertet, nervös gehandelt

Ein weiterer Effekt dieser Entwicklung sind die hohen Bewertungen. Trotz der Underperformance gegenüber den Nicht-US-Märkten im vergangenen Jahr bleiben US-Aktien im globalen Vergleich teuer. Dies könnte erklären, warum die Berichtssaison zuletzt zunehmend erratisch verlief. Historisch gesehen wurden positive Gewinnüberraschungen bei US-Unternehmen in der Regel mit einer Outperformance der Aktien honoriert. Im vergangenen Jahr blieb dieser Effekt jedoch aus: Selbst Unternehmen, die die Erwartungen übertrafen, wurden nicht belohnt, während Aktien von US-Unternehmen, die die Prognosen verfehlten, deutlich stärker abgestraft wurden. Außerhalb der USA hingegen profitierten Unternehmen weiterhin von positiven Kursreaktionen, wenn sie die Gewinnerwartungen übertrafen (siehe Abbildung).

Abbildung 1: US-Aktien werden für positive Gewinnüberraschungen weniger belohnt – und für Gewinnverfehlungen stärker abgestraft

Quelle: IDC, MSCI, S&P and AB

Gleichzeitig verstärkt die politische Unsicherheit – darunter Handelsspannungen, mögliche Haushaltsstillstände der Regierung sowie Sorgen um die Unabhängigkeit der US-Notenbank – die Zweifel an der Nachhaltigkeit des US-Exzeptionalismus. Dieser Pessimismus erscheint jedoch überzogen. US-Unternehmen profitieren weiterhin von tiefen und liquiden Kapitalmärkten, starken Innovationsclustern sowie einem Unternehmenssektor mit überdurchschnittlicher Profitabilität. Diese strukturellen Vorteile tragen dazu bei, die im internationalen Vergleich höheren Bewertungen am US-Aktienmarkt zu erklären.

Drei Leitlinien für 2026: Strategische Antworten auf ein neues Marktregime

Wie lassen sich diese Entwicklungen in eine Aktienstrategie für 2026 übersetzen? US-Aktien bleiben ein wichtiger Bestandteil globaler Portfolios. Entscheidend sind jedoch eine disziplinierte Diversifikation und ein hochselektiver Ansatz. In einem Umfeld verhaltenen makroökonomischen Wachstums, hoher wirtschaftspolitischer Unsicherheit in den USA und KI-getriebener Marktdynamiken sollten aus unserer Sicht die folgenden Leitlinien eine langfristige Anlagestrategie prägen:

1. Volatilität aktiv managen

Nach einem starken Börsenjahr ist die Gefahr der Selbstzufriedenheit hoch. KI-Enttäuschungen oder US-spezifische Risiken könnten 2026 für stärkere Ausschläge sorgen. Defensive Strategien und breitere Diversifikation gewinnen an Bedeutung.

2. Globaler denken

Regionale Diversifikation ist nicht nur Risikomanagement, sondern Renditequelle. Value-Chancen außerhalb der USA, Reformen in Japan und strukturelle Trends in Schwellenländern bieten Alternativen zu überfüllten US-Growth-Trades.

3. Qualität priorisieren

Langfristig bleiben stabile Cashflows und robuste Geschäftsmodelle die verlässlichsten Renditetreiber. Qualitätsaktien können auch in schwierigeren Marktphasen Erträge liefern – und gewinnen bei steigender Unsicherheit an Attraktivität.

Zum Jahresbeginn stehen Aktienanleger an einem entscheidenden Punkt. Politische Unsicherheit, makroökonomische Herausforderungen und die Dynamik rund um künstliche Intelligenz erschweren die langfristige Vermögensbildung spürbar. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, bestehende Engagements kritisch zu überprüfen und sicherzustellen, dass sie mit den langfristigen strategischen Allokationen im Einklang stehen. Wichtig ist, dass die Renditequellen über ein breites Spektrum regionaler, stilistischer und thematischer Treiber hinweg sinnvoll aufeinander abgestimmt sind. Eine wirklich diversifizierte Aktienallokation ist der beste Weg, langfristiges Renditepotenzial zu erschließen und zugleich den wachsenden globalen Risiken Rechnung zu tragen.

Von Nelson Yu, Head of Equities bei AllianceBernstein

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