China: Mehr heimische Nachfrage, mehr globaler Einfluss

Chinas Börse war der herausragende Markt im dritten Quartal. Der CSI 300 Index legte (in Euro) um mehr als 20% zu. Ob es in dieser Richtung weitergehen kann, untersucht Bruno Lamoral, Portfoliomanager für institutionelle Mandate bei DPAM: DPAM | 29.10.2025 09:15 Uhr
Bruno Lamoral, Portfolio Manager Institutional Mandates bei DPAM / © e-fundresearch.com / DPAM
Bruno Lamoral, Portfolio Manager Institutional Mandates bei DPAM / © e-fundresearch.com / DPAM

Auch wenn sich die Immobilienbranche und die regulatorischen Rahmenbedingungen stabilisiert haben, kann man das aktuelle Umfeld nicht als rosig bezeichnen. Eine schwache Binnennachfrage und Überkapazitäten in vielen Sektoren erzeugen Druck auf die Preise. Verbesserung ist jedoch in Sicht: Peking dämmt Preiskämpfe ein und kurbelt die heimische Nachfrage durch Maßnahmen wie höhere Mindestlöhne an.

Ungleich bedeutsamer sind jedoch die Verschiebungen auf globaler Bühne. Die größte Herausforderung für den Einfluss der USA könnte eine breite Koalition eurasischer Länder sein, die eine geeinte Allianz gegen den Westen bilden – sowie andere Schwellenländer, die auf dieser Plattform ihre Abhängigkeit von den USA verringern.

China: Mehr Einfluss dank Energie und kritischer Rohstoffe

Dazu werden zwei Hebel in Bewegung gesetzt: Energie und kritische Rohstoffe. China will eine 3.000km-Erdgaspipeline aus Russland bauen – eine Abkehr von seiner bisherigen Strategie, direkte Konfrontationen mit den USA zu vermeiden. Energiesicherheit ist entscheidend für Chinas KI-Ambitionen. Die chinesische Stromproduktion hat sich in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt. Inzwischen übersteigen die Kapazitäten die der USA, der EU und Indiens zusammen. Präsident Xi versprach außerdem, die installierte Kapazität für Wind- und Solarenergie auf mehr als das Sechsfache des Niveaus von 2020 zu erhöhen. Gleichzeitig ist China auf bestem Weg, zum weltweit größten Kernenergieproduzenten zu werden. 30 Reaktoren befinden im Bau (fast jeder zweite weltweit) und im kommenden Jahrzehnt sollen weitere 150 Reaktoren gebaut werden.

Der zweite Hebel sind kritische Rohstoffe, mit denen China strategischen Sektoren wie Hochtechnologie und Verteidigung ernsthaft schaden kann. 78% aller US-Verteidigungssysteme sind von chinesischen Exportverboten betroffen. Ein halbes Jahrhundert nach dem berühmten Satz „Unsere Währung, aber Ihr Problem“ kontert Peking heute: „Unsere Ressourcen, Ihr Problem.“

Das Risiko besteht darin, dass diese Dynamik zu einer Eskalation der weltpolitischen Spannungen führen könnte. Der Fall TikTok hat jedoch gezeigt, dass China und die USA immer noch an einem Tisch sitzen können. Zudem lockern die USA ihre Haltung gegenüber Taiwan; zuletzt wurden 400 Millionen Dollar an Militärhilfe zurückgehalten. Gleichzeitig aber üben die USA per UN-Generalversammlung Druck auf Europa aus, eine härtere Haltung gegenüber Russland und China einzunehmen. Das Risiko: Wenn jegliche Überschreitung roter Linien zum Handeln zwingt, kann sich dies schnell zu einem größeren Konflikt auswachsen.

Von Bruno Lamoral, Portfolio Manager Institutional Mandates bei DPAM

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