US-Staatsinvestments – ein Vorteil für Anleger?

Intel, MP Materials, Lithium Americas, Trilogy Metals – die US-Regierung beteiligt sich zunehmend an börsennotierten Unternehmen, die für die nationale Sicherheit von zentraler Bedeutung sind. Ob auch Anleger davon profitieren, beurteilt François Antomarchi, Fondsmanager bei DPAM. DPAM | 03.11.2025 09:12 Uhr
François Antomarchi, Fondsmanager bei DPAM / © e-fundresearch.com / DPAM
François Antomarchi, Fondsmanager bei DPAM / © e-fundresearch.com / DPAM

Die Ziele der Regierung sind andere als während der globalen Finanzkrise. Damals verhinderte das Finanzministerium einen Zusammenbruch, indem es mehrere Banken und Automobilhersteller ganz oder mehrheitlich übernahm. Heute geht es um widerstandsfähigere Lieferketten, weniger Abhängigkeit von chinesischen Vorleistungen und die Finanzierung von Projekten, die sonst auf ausländische Gelder angewiesen wären.

Offen bleibt die Frage, welche Rolle der Staat künftig als Anteilseigner spielen wird.

Kurse beflügelt, aber Ungewissheit erhöht

Für Investoren ist die Logik klar: Staatliche Unterstützung senkt das Finanzierungsrisiko, erleichtert den Kreditzugang und stabilisiert langfristige Projekte, die geduldiges Kapital verlangen. Die Aktien von MP Materials und Lithium Americas legten denn auch zweistellig zu.

Die staatlichen Investitionen bergen aber auch Risiken: Es gibt keinen öffentlichen Zeitplan für weitere Käufe, keine klare Linie, wie Washington seine Rechte ausüben wird, und keine Klarheit über den Ausstieg. Politische Richtungswechsel könnten die Strategie beeinflussen und zu neuen Prioritäten führen.

Manchen Ländern bietet ein Staatsfonds eine permanente Basis und ein klares Mandat für das Halten strategischer Beteiligungen. Den USA fehlt ein solche Fonds, was zu mehr Intransparenz und Wettbewerbsverzerrungen führen kann. Unternehmen, in die der Staat investiert, erhalten womöglich günstigere Finanzierungen oder einen reibungsloseren Zugang zu öffentlichen Aufträgen. Konkurrenten dürften Regeländerungen genau im Auge behalten.

Pragmatisch, aber intransparent

Befürworter dieser Politik sehen in ihr eine pragmatische Vorgehensweise, um mit selektiven Beteiligungen die eigene Macht um eine Handvoll wichtiger Industriezweige zu konsolidieren. Die Vorteile (u.a. sichere Versorgung, inländische Investitionen und Hebelwirkung im Technologiewettlauf) könnten überwiegen.

Die Forderung nach Schutzmaßnahmen ist jedoch nachvollziehbar. Sollte tatsächlich die Stärkung der Widerstandsfähigkeit zentraler Branchen und nicht die Vergabe politischer Gefälligkeiten im Vordergrund stehen, müssten die Bedingungen transparent und unabhängig von der jeweiligen Regierung sein. Die Haltedauer sollte festgelegt und Entscheidungskriterien veröffentlicht werden.

Washington signalisiert, dass es die Kontrolle über wichtige Inputs behalten will. Ob daraus dauerhaft staatlich gestützter Kapitalismus oder eine kurze Phase im größeren Wettbewerb wird, hängt davon ab, wie schnell die Regierung zeigen kann, dass nationale Interessen und fairer Wettbewerb nebeneinander bestehen können.

Von François Antomarchi, Fondsmanager bei DPAM

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