DPAM-EMD-Experte über Peru vor der Wahl: Stabile Wirtschaft, politische Risiken bleiben

Trotz politischer Dauerkrisen zeigt sich die Wirtschaft Perus robust. Michaël Vander Elst, Head of Emerging Markets bei Degroof Petercam Asset Management (DPAM), analysiert die Ausgangslage vor den Wahlen, strukturelle Schwächen und die Bedeutung für Anleger. DPAM | 09.02.2026 09:40 Uhr
Michael Vander Elst, Leiter Emerging Market Debt bei DPAM / © e-fundresearch.com / DPAM
Michael Vander Elst, Leiter Emerging Market Debt bei DPAM / © e-fundresearch.com / DPAM

Korruption, Bestechung, Amtsenthebungsverfahren, Rücktritte und ein Putschversuch – so lautet die Bilanz von sieben peruanischen Präsidentschaften im vergangenen Jahrzehnt. Ob die anstehenden Parlamentswahlen Besserung für das Land (und interessierte Anleger) verheißen, untersucht Michaël Vander Elst, Head of Emerging Markets bei Degroof Petercam Asset Management.

Zersplittertes Kandidatenfeld

Für die Wahlen am 12. April gibt es 34 Präsidentschaftskandidaten – von linksextremen bis ganz rechts außen, darunter Populisten, Traditionalisten, ein Komiker und ein ehemaliger Fußballer, der auch mal Bürgermeister war.
Rafael López Aliaga, ein konservativer ehemaliger Bürgermeister von Lima, und der moderate Reformer Mario Vizcarra führen mit moderaten einstelligen Zustimmungswerten, während Keiko Fujimoris Umfragewerte unter ihren früheren Wahlergebnissen schwanken. Die Mehrheit der Wählerschaft ist unentschlossen.

Sicherheit geht vor Korruptionsbekämpfung

Korruption ist nach wie vor weit verbreitet; sie liegt im öffentlichen Diskurs inzwischen aber hinter Sicherheits- und Wirtschaftsfragen. Die Prioritäten haben sich verschoben, insbesondere in städtischen und stadtnahen Gebieten, in denen die Kriminalität steigt. In einigen Regionen haben kriminelle Auseinandersetzungen zu Unruhen geführt und Lücken in der Strafverfolgung aufgezeigt.
Externe Einflüsse dürften sich auf die Wahl in Peru weniger auswirken als anderswo in Lateinamerika, wobei marktfreundliche Parteien möglicherweise Unterstützung von US-amerikanischen und internationalen Interessengruppen erhalten, vor allem bei Investitionen und Sicherheitsfragen.

Neuer Senat, weniger Fragmentierung?

Der Übergang von Perus langjährigem Einkammerparlament zu einem Zweikammersystem (Abgeordnetenkammer und Senat) soll die politische Fragmentierung bekämpfen und die Gewaltenteilung stärken. Die Hälfte der 60 Senatoren würde in Wahlkreisen, die andere Hälfte auf nationaler Basis gewählt. Der Senat hätte Entscheidungsgewalt bei der Verabschiedung von Gesetzen und Amtsenthebungsverfahren. Die Zweikammerstruktur soll außerdem die derzeit auf Amtsträger und Ministerien konzentrierten Befugnisse ausgleichen.

Durch die Forderung nach einer breiteren nationalen Unterstützung und die Stärkung der legislativen Kontrolle soll das Zweikammersystem Schutz vor schwachen Koalitionsregierungen und informellen Patronage-Netzwerken bieten. Die Einführung eines Senats könnte jedoch zu einer Blockade zwischen den Kammern führen, v.a. wenn die politischen Ausrichtungen auseinanderklaffen.

Wirtschaft: Widerstandskraft und Strukturschwächen

Die wirtschaftlichen Aussichten Perus werden einerseits durch langjährige Schwächen beeinträchtigt. Rund 70 % der Beschäftigung findet außerhalb der formellen Wirtschaft statt, was die Steuererhebung erheblich erschwert, Produktivitätssteigerungen begrenzt und großen Teilen der Bevölkerung den Zugang zu Renten, Krankenversicherung oder Arbeitslosenschutz verwehrt. Fiskalische und soziale Reformen sind schwierig. Insbesondere im Rentensystem scheitern Reformvorschläge regelmäßig bei der Umsetzung.
Andererseits sind die Wirtschaftsdaten Perus solide. Trotz häufiger Führungswechsel hat das Land seit fast zwei Jahrzehnten seine konservative Finanzpolitik bewahrt und die Geldpolitik vor kurzfristigem politischem Druck geschützt.

Die Staatsverschuldung liegt mit etwa 32 % des BIP deutlich unter dem Niveau der wichtigsten OECD-Volkswirtschaften (USA: 120 %, Deutschland: über 60 %). Das Haushaltsdefizit ist seit dem Höchststand 2024 von über 3,5 % des BIP zurückgegangen – schneller als in vielen fortgeschrittenen Volkswirtschaften.
Der Preisdruck blieb innerhalb des Zielbereichs der Zentralbank, unterstützt durch eine glaubwürdige Geldpolitik und einen stabilen Währungsrahmen. Auch dies steht im Gegensatz zur anhaltenden Inflation in den USA und Teilen Europas.

Die Wachstumsaussichten sind mit 3 bis 3,5 % bescheiden, aber stabil, angetrieben durch Investitionen im Bergbau, Infrastrukturprojekte und eine stetige Exportnachfrage. Dieses Tempo übertrifft das erwartete Wachstum in Deutschland, trotz weitaus größerer politischer Unsicherheit. Starke Rohstoffpreise bieten weiterhin einen Anker für das Wachstum, während private Investitionen empfindlich auf Wahlergebnisse reagieren.

Peru nähert sich den Wahlen mit einer Rekordzahl an Präsidentschaftskandidaten und vielen Gedanken über Sicherheit, Stabilität und Rechenschaftspflicht. Die vorgeschlagene Wiedereinführung eines Senats bietet einen möglichen Weg zu einer schrittweisen Korrektur, indem die Fragmentierung verringert und die legislative Kontrolle gestärkt werden. Anhaltende Herausforderungen wie Informalität und Schwächen des Rentensystems bleiben ungelöst. Dass das Land aber trotz wiederholter politischer Krisen gesamtwirtschaftlich stabil bleibt, deutet auf ein stärkeres Fundament hin, als der politische Zyklus allein vermuten lässt.

Von Michaël Vander Elst, Head of Emerging Markets bei DPAM 

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