Wachstum und Disziplin – Erfolgsformel für Vermieter von Baumaschinen

Europas Bauwirtschaft überwindet ihre Talsohle. Arthur Homo, Head of Buy Side Fixed Income Research, über die Chancen und Risiken in einer besonderen Nische: DPAM | 20.04.2026 10:10 Uhr
Arthur Homo, Head of Buy Side Fixed Income Research von DPAM / © e-fundresearch.com / DPAM
Arthur Homo, Head of Buy Side Fixed Income Research von DPAM / © e-fundresearch.com / DPAM

Flexibilität bevorzugt

Der Aufschwung konzentriert sich auf öffentliche Infrastruktur-, Versorgungs- und Sanierungsprojekte. Diese sind kapitalintensiv, fragmentiert und oft von kurzer Laufzeit. Bauunternehmer setzen daher auf Flexibilität. Nur wenige von ihnen sind bereit, so früh im Zyklus Kapital für den Kauf großer Maschinen zu binden. Auch verschärfte Umweltstandards und ungewisse Restwerte sprechen für Anmietungen.

Diese spezielle Vermietungsbranche hat erhebliches Wachstumspotenzial: Beim Vermietungsanteil der Ausrüstungsnachfrage hinkt Europa trotz stetiger Zuwächse im letzten Jahrzehnt (Quelle: European Rental Agency, ERA) mit 35–40 % weiterhin hinter den USA (über 55 %) hinterher. Laut ERA wird der 17 Länder umfassende Maschinenvermietungsmarkt im laufenden Jahr um 2,3 % wachsen.

Vermietungsunternehmen müssen finanzieren

Die höhere Nachfrage und eine steigende Auslastung zwingen die Vermietungsunternehmen – nach zweijähriger Zurückhaltung – zu Investitionen, insbesondere in neue, emissionsärmere Geräte. Folglich dürfte die Bruttoverschuldung steigen, Cashflows fließen in die Finanzierung und die Verschuldungskennzahlen könnten unter Druck geraten, wenn das Wachstum enttäuscht oder die Auslastung hinterherhinkt. Immerhin: Im Unterschied zum letzten Zyklus tritt die Branche mit mehr Preisdisziplin und konsolidierten Strukturen in die Erholung ein.

Verschuldung ist beherrschbar – mit Disziplin

Die Verschuldung ist in dieser kapitalintensiven Branche ein Risiko. Das Verhältnis von Nettoverschuldung zu EBITDA liegt typischerweise über 4x. Dennoch wurde die Verschuldung in den letzten zehn Jahren von den größten europäischen Akteuren – Loxam, Boels oder Kiloutou –bemerkenswert gut gesteuert.

Diese großen, diversifizierten Vermietungskonzerne haben gezeigt, dass sie in der Lage sind, ihre Flotteninvestitionen anzupassen und bei nachlassender Nachfrage zu drosseln, um der Erhaltung der Liquidität Vorrang einzuräumen. Ihre Umsätze kommen aus zahlreichen Märkten und Regionen, und die Preisgestaltung war zuletzt widerstandsfähiger als in früheren Zyklen.

Die jetzige Erholung rechtfertigt jedoch keine aggressive Bilanzausweitung. Vermietungsunternehmen, die auf Kosten der Auslastung, der Preisgestaltung oder der Kapitalrendite nach Volumen streben, riskieren, die Bonität zu untergraben, die sie von Bauunternehmern und Erstausrüstern unterscheidet.

Investment-Fazit: Einstiegschancen, wenn…

Über Unternehmensanleihen bietet die Maschinenvermietung die Möglichkeit, vom Aufschwung im Bausektor zu profitieren. Voraussetzung ist, dass die Verschuldung weiterhin sorgfältig gesteuert wird. Gewinner werden die Unternehmen sein, die Wachstum und Disziplin in Einklang bringen, selektiv investieren, die Auslastung sichern und ihre Bilanz flexibel halten.

In den kommenden Monaten dürften ein oder zwei der größten Akteure zu Refinanzierungszwecken an den Euro-Anleihemarkt treten. Das könnte attraktive Einstiegsmöglichkeiten bieten.

Von Arthur Homo, Head of Buy Side Fixed Income Research von DPAM 

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