Goldinvestoren mussten in diesem Jahr starke Nerven haben, rauschte der Preis des gelben Edelmetalls doch vom Allzeithoch bei 5.595 US-Dollar im Januar bis auf 3.943 US-Dollar Ende Juni nach unten. Das entspricht einem Kursrückgang von rund 30% und führte in erster Linie zu einer Abkühlung des Marktsentiments. Die Unterseite dieser Korrekturformation bildete dabei die Marke von etwa 4.000 US-Dollar je Unze. Hier gelang eine Stabilisierung. Neben einer charttechnischen Einschätzung ziehen wir beim Management unserer Multi-Asset-Strategien auch fundamentale Bewertungsfaktoren heran, die ebenfalls ein faires Niveau von circa 4.000 US-Dollar je Unze anzeigen.
Goldpreis wird von drei wichtigen Faktoren beeinflusst
Inzwischen ist der Goldpreis wieder auf etwa 4.600 US-Dollar gestiegen und für die weitere Entwicklung müssen Anleger auf die Haupteinflussfaktoren des Goldpreises achten: erstens die Geopolitik, zweitens die Käufe und Verkäufe von Zentralbanken sowie drittens Zinsen, Schuldenlast, Dollar und Konjunktur in den USA. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass eine sehr enge Wechselwirkung zwischen den einzelnen Faktoren besteht und ihre Bedeutung für die weitere Goldpreisentwicklung schwankt.
Dafür gibt es gute aktuelle Beispiele: Auf die jüngste Ankündigung des US-Finanzministeriums, länger laufende US-Staatsanleihen zurückzukaufen bei gleichzeitiger Ausgabe kurz laufender Papiere, reagierte der US-Dollar mit Kursverlusten, während der Goldpreis stark stieg. Eine (langfristige) Schwächung des US-Dollars hilft zweifellos der US-Administration, die Schuldenlast in den Griff zu bekommen, indem das Problem globalisiert wird. Gleichzeitig entlastet die Umschichtung der Schulden im aktuellen Marktumfeld zunächst den Haushalt, erhöht jedoch andererseits die Unsicherheit bezüglich der künftigen US-Zinspolitik. Daher ist Zurückhaltung bei institutionellen Käufern zu erwarten, auch weil insbesondere staatliche Akteure aus Schwellenländern inzwischen gelernt haben, dass Haltern von US-Staatsanleihen unliebsame Sanktionen drohen können. Gold, Silber (und Kryptowährungen) als alternative Reserveanlagen zur Diversifikation werden daher weiter an Bedeutung gewinnen.
Das sollte auch den aktuell wichtigsten Treiber für einen steigenden Goldpreis stützen: Käufe internationaler Zentralbanken. Im 2. Quartal 2026 erwarben die Notenbanken gemäß World Gold Council weltweit etwa 289 Tonnen Gold. Damit erreichten die offiziellen globalen Goldreserven einen historischen Höchststand. Zu den Käufern gehörten insbesondere China, Polen, Kasachstan und Usbekistan. Gegenüber den Zentralbanken der Industriestaaten haben Schwellenländer noch einen erheblichen Aufstockungsbedarf bei Gold als Währungsreserve, da ihr Goldanteil mit durchschnittlich 30% deutlich tiefer liegt.
Mit Argusaugen beobachten derzeit die Marktteilnehmer den amerikanischen Arbeitsmarkt und die weitere Entwicklung der US-Konjunktur. Rückschläge bei der Beschäftigung und schwächere Einzelhandelsumsätze nährten zuletzt die Hoffnung auf sinkende Zinsen. Diese wiederum würden die Attraktivität von Gold erhöhen, da bei sinkenden Opportunitätskosten (Zinsen) Staatsanleihen gegenüber dem zinslosen Gold ihren relativen Vorteil verlieren. Eine friedliche Lösung im US-Iran-Konflikt am Persischen Golf und damit einhergehend ein fallender Ölpreis würde für nachlassenden Inflationsdruck sorgen und Raum für Zinssenkungen schaffen, was wiederum den Goldpreis weiter stützen könnte. Gleichzeitig wäre aber die geopolitische Unsicherheit – zumindest temporär – gemindert. Die Wirkung dieser Faktoren würde sich hier somit aufheben.
Schuldenlast der USA als entscheidender Faktor
Letztlich dominiert als Ergebnis im Zusammenspiel der genannten Faktoren die US-Schuldenlast beziehungsweise deren Tragfähigkeit den Goldpreis. Kommt es zu einer wirklichen Schuldenreduktion, wird diese den Preis des Edelmetalls belasten. Bleibt es lediglich bei der Bekämpfung der Schuldensymptome, steht Gold eine glänzende Zukunft bevor.
Charttechnisch lässt sich als konservatives Kursziel für das laufende Jahr eine Range von 4.800 bis etwa 5.000 US-Dollar je Unze ableiten. Unterstützend wirken hierbei die Aufhellung des mittelfristigen Wochenchartbilds und das aktuelle Kaufsignal beim MACD-Indikator. Dennoch erscheint das unmittelbare Kurspotenzial im Fall einer Erholung begrenzt. Im Bereich um 4.900 US-Dollar treffen eine Reihe technischer Widerstände zusammen, sodass den Bullen hier zunächst die Puste ausgehen dürfte.
Gold bei Bantleon
Bantleon investiert in Gold für die nachhaltigen Multi-Asset-Fonds Bantleon Changing World und Bantleon Changing World Conservative sowie Multi-Asset-Spezialfonds. Ergänzend zu einem fundamentalen Modell für die langfristige Bewertung werden charttechnische Analysen für taktische Entscheidungen genutzt.
Von Alexander Posthoff, Senior Portfoliomanager bei Bantleon
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