Corporate Hybrids bleiben Sweetspot im Anleihenmarkt

Corporate Hybrids bleiben für Bantleon ein Sweetspot am Anleihenmarkt. Defensive Investment-Grade-Emittenten, steigende Volumina aus den USA und der Energiewende sowie attraktive Risikoprämien sprechen für Nachranganleihen und ein besseres Risiko-Ertrags-Profil als bei High Yield. BANTLEON | 12.08.2026 10:24 Uhr
Ercan Demircan, Senior Portfoliomanager Unternehmensanleihen bei Bantleon / © e-fundresearch.com / Bantleon
Ercan Demircan, Senior Portfoliomanager Unternehmensanleihen bei Bantleon / © e-fundresearch.com / Bantleon

In Kürze

Nachranganleihen von Industrieunternehmen (Corporate Hybrids) bleiben auch nach dem jüngsten Renditeanstieg der Sweetspot im Anleihenmarkt – aus Risiko-Ertrags-Sicht sind sie attraktiver als High-Yield-Anleihen. Das Segment profitiert von mehreren langfristigen Treibern. Dazu zählen neben der wachsenden Aktivität von US-Emittenten auch die zunehmenden Volumina von Versorgungs- und Energieunternehmen infolge des steigenden Investitionsbedarfs durch die Energiewende. Mit einer Normalisierung der geopolitischen Lage rund um den Irankrieg sollten die konjunkturellen Kräfte wieder stärker in den Vordergrund treten und die Risikoprämien weiter fallen.

Corporate Hybrids präsentieren sich auch im Jahr 2026 als stabiler Anker im Anleihenmarkt. Haben sie doch den jüngsten Stresstest im März infolge des Irankriegs überzeugend bestanden: Während sich die Risikoprämien von Corporate Hybrids vom Ausbruch bis zum temporären Höhepunkt – gemessen am »ICE BofA Euro Non-Financial Subordinated Index« – um lediglich rund 20 Basispunkte ausweiteten, schnellten die Aufschläge im High-Yield-Markt um fast 67 Basispunkte nach oben, gemessen am »ICE BofA Euro High Yield Index«.

Diese Stabilität überzeugt viele Investoren, die gezielt jene Emittenten suchen, bei denen einer Renditedifferenz von typischerweise 80 bis zu teils 200 Basispunkten zur laufzeitgleichen erstrangigen Anleihe nur ein überschaubares fundamentales Risiko gegenübersteht. Bei High-Yield-Anleihen lockt zwar eine ähnlich hohe Rendite, aber sie haben historisch deutlich höhere Ausfallraten, welche den realisierbaren Ertrag spürbar schmälern. Dies ist ein weiterer Nachteil neben den in Krisenphasen stärker schwankenden Risikoprämien. Corporate Hybrids werden überwiegend von defensiven Investment-Grade-Emittenten begeben. Diese verfügen über stabile, vorhersehbare Cashflows und haben selbst in Stressphasen ein sehr niedriges Ausfallrisiko. Daher sind Corporate Hybrids unter Risiko-Ertrags-Gesichtspunkten attraktiver als High-Yield-Anleihen.

Nachfrage übersteigt Angebot deutlich

Das aktuell hohe Emissionsvolumen ist Ausdruck eines reifenden Marktes, nicht einer Überhitzung. Seit Anfang 2026 wurden bereits Corporate Hybrids im Volumen von rund 55 Mrd. Euro emittiert, nach lediglich 34 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum. Dabei übersteigt die Nachfrage das Angebot deutlich: Die Orderbücher waren im Durchschnitt mehr als vierfach überzeichnet, mit einer Einengung von rund 50 Basispunkten gegenüber der ersten Indikation beim Zeichnungsprozess.

Ein zusätzlicher struktureller Impuls für den Corporate-Hybrid-Markt ergibt sich aus dem steigenden Investitionsbedarf im Zuge der Energiewende: Der Ausbau erneuerbarer Energien und die Modernisierung der Infrastruktur erfordern sehr viel Geld. Insbesondere Versorgungs- und Energieunternehmen greifen daher verstärkt auf hybride Finanzierungsinstrumente zurück, die eine ausgewogene Balance zwischen Eigen- und Fremdkapital ermöglichen, ohne das Kreditrating signifikant zu belasten. Dieser Trend dürfte das Angebot, aber auch die Nachfrageseite durch solide Neuemissionsprämien nachhaltig stützen. Entsprechend dominieren defensive Sektoren seit mehreren Jahren den Primärmarkt: Von 2020 bis 2026 entfielen durchschnittlich rund 39% des jährlichen Brutto-Emissionsvolumens auf Versorger, 2024 mit knapp 44% noch einmal mehr. Das unterstreicht die besondere Bedeutung der Anlageklasse für kapitalintensive und regulierungsnahe Geschäftsmodelle.

Wachsende Bedeutung von US-Emittenten

Strukturell prägend für Corporate Hybrids ist die zunehmende Bedeutung von US-Emittenten. Nachdem das Emissionsvolumen aus den USA zwischen 2015 und 2023 im Jahresdurchschnitt bei lediglich 3,6 Mrd. Euro gelegen hatte, führte im Jahr 2024 die überarbeitete Moody´s-Methodik zur Eigenkapitalanrechnung von Corporate Hybrids zu einem Anstieg auf rund 16 Mrd. Euro. Diese Entwicklung hat sich fortgesetzt: 2025 wurden US-Corporate-Hybrids im Volumen von knapp 19 Mrd. Euro emittiert, im laufenden Jahr sind es bereits rund 22 Mrd. Euro. Mit einem Anteil von rund 40% am Brutto-Emissionsvolumen im Jahr 2026 nähert sich der US-Markt für Corporate Hybrids damit dem europäischen Jahresvolumen.

Maßgeblich für diese Entwicklung ist die Behandlung von Corporate Hybrids durch die Ratingagenturen. Da die Instrumente in der Regel zu 50% als Eigenkapital angerechnet werden, verbessern sie die bonitätsrelevanten Verschuldungskennzahlen und tragen zur Stabilisierung der Bonitätseinstufung bei. Für US-Emittenten erschloss sich dieser Vorteil erst mit der Anpassung von Moody´s im Februar 2024, welche die Anrechnungsquote von 25% auf 50% erhöhte. Damit erreichen Corporate Hybrids dieselbe Eigenkapitalwirkung wie Vorzugsaktien, haben zugleich aber den Vorzug steuerlich abzugsfähiger Couponzahlungen – ein Kostenvorteil, der zahlreiche Emittenten zur Substitution ausstehender Vorzugspapiere veranlasst hat. Verstärkt wird die Emissionstätigkeit durch den erhöhten Investitionsbedarf im Versorgersektor.

Gleichzeitig kann das Instrument nicht unbegrenzt genutzt werden: S&P zum Beispiel rechnet Hybridkapital, das üblicherweise eine Eigenkapitalanrechnung von 50% erhält, nur bis zu 15% der adjustierten Gesamtkapitalisierung an; darüber hinausgehende Beträge gelten als Fremdkapital. In der Praxis wirkt diese Schwelle wie eine Obergrenze für das Emissionsvolumen, da ein Corporate Hybrid ohne Eigenkapitalanrechnung gegenüber einer Senior-Anleihe wirtschaftlich keinen Sinn ergibt – gleiche Kennzahlenwirkung bei deutlich höherem Coupon.

Ertragspotenzial über 6% auf 12-Monats-Sicht

Angesichts der strukturellen Treiber sollte mit einer Normalisierung der geopolitischen Lage rund um den Irankrieg die konjunkturelle Entwicklung wieder stärker in den Vordergrund treten – dann dürften die Risikoprämien von Corporate Hybrids weiter fallen. Einen Teil dieser Bewegung haben wir bereits gesehen: Die nach dem Iranschock ausgeweiteten Aufschläge haben sich merklich zurückgebildet, getragen von robusten Unternehmensergebnissen und einem Primärmarkt mit überzeugender Emissionsqualität. 

Nach dem jüngsten Renditeanstieg bedeutet das am Beispiel unseres Publikumsfonds Bantleon Select Corporate Hybrids – ausgehend von rund 5% Rendite auf den ersten Kündigungstermin – ein Ertragspotenzial von über 6% auf Sicht von zwölf Monaten. Aufgrund der Kombination aus strukturellen und fundamentalen Risiken ist dabei zwingend ein aktiver Managementansatz erforderlich. Unser Fokus liegt deshalb auf Emittenten mit solider Bilanzqualität sowie auf defensiveren Sektoren wie Telekommunikation, Energie und Versorgern. So lassen sich mit Corporate Hybrids Renditen erzielen, die im klassischen Investment-Grade-Segment nicht zu finden sind – bei einem besseren Risiko-Ertrags-Profil als im High-Yield-Markt. Deshalb bleiben Corporate Hybrids der Sweetspot im Anleihenmarkt.

Von Ercan Demircan, Senior Portfoliomanager Unternehmensanleihen bei Bantleon

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