Stellensaldo schnellt in die Höhe
Die Welt am US-Arbeitsmarkt ist wieder in Ordnung. Auf den scharfen Einbruch im Juli folgte im August eine ebenso heftige Gegenbewegung. Laut Bureau of Labor Statistics wurden im vergangenen Monat 162.000 Stellen geschaffen (nach +21.000 im Juli) und damit dreimal so viele wie vom Konsensus erwartet (+55.000, Bantleon: +70.000). Mithin schnuppert der Wert wieder an den hohen Niveaus des Frühjahrs (Durchschnitt März/April: 181.000). Die von einigen Beobachtern befürchtete anhaltende Schwäche ist somit nicht eingetreten. Dies gilt umso mehr, als die beiden Vormonate um 55.000 nach oben korrigiert wurden (das Juli-Minus in Höhe von 23.000 verwandelte sich in ein fast so großes Plus). Dies spiegelt sich auch im 3-Monats-Durchschnitt wider, der sich von 38.000 auf 71.000 verbessert hat. Der 6-Monats-Durchschnitt erreichte im August mit 107.000 sogar ein 2-Jahres-Hoch (vgl. nachfolgende Abbildung).

Weiterhin erfreulich ist, dass sich die Arbeitslosenquote auf dem tiefen Niveau von 4,1% gehalten hat – wenn auch knapp (4,14% nach 4,09%). Dies gelang, obwohl die Partizipationsrate (Erwerbsbevölkerung/Bevölkerung ab 16 Jahren) ausgehend vom jüngsten Tief bei 61,4% auf 61,6% gestiegen ist. Dabei sind indes deutlich mehr Erwerbstätige als Arbeitslose auf den Arbeitsmarkt geströmt (zurückgekehrt bzw. neu eingetreten), sodass sich dies per Saldo kaum auf die Arbeitslosenquote ausgewirkt hat.
Gastronomie und Kommunen stellen wieder ein
Wir hatten in unserer Prognose vor allem auf Gegenbewegungen zum schwachen Vormonat gesetzt. Dieser Rückprall ist nunmehr in noch ausgeprägterer Form eingetreten. Das gilt vor allem für den Sektor Freizeit und Gastgewerbe, der im Sommer offensichtlich durch die Fußball-WM verzerrt wurde. Auf das ursprünglich gemeldete Minus von 40.000 im Juli (mittlerweile aufwärts korrigiert auf -21.000) folgte im August der Swing auf +62.000. Speziell in Restaurants wurde massiv Personal aufgebaut (+59.000). Damit hat sich auch nicht ausgewirkt, dass die Haitianer im Juli ihren Schutzstatus und in der Folge ihre Arbeitserlaubnis verloren haben (viele von ihnen sind in der Gastronomie tätig). Ein ebenso großer Umschwung vollzog sich bei den kommunalen Bildungseinrichtungen (Schulen). Sie hatten im Juli kräftig Lehrpersonal entlassen (-62.000, nicht saisonbereinigt mehr als eine Million!). Im August wurde wieder spürbar eingestellt (+42.000). Die Befürchtung, dass nunmehr auch hier – und nicht nur bei den Bundesbehörden – massiv der Rotstift angesetzt wird, hat sich somit fürs Erste nicht bewahrheitet. Zu keiner Gegenbewegung kam es dagegen im Gesundheitsbereich (+13.000 nach +13.000). Ansonsten setzten sich auch einige Trends fort: positive bei der Industrie (+16.000 nach +14.000) und unternehmensnahen Dienstleistungen (+10.000 nach +15.000), negative beim Finanzgewerbe (-11.000 nach -11.000) und Information/Kommunikation (-23.000 nach +5.000).
Der Arbeitsmarkt bleibt robust – der Druck auf die Fed verstärkt sich weiter
Das kräftige Stellenplus sorgt erst einmal für Aufatmen. Die sichtbare Abschwächung seit dem Frühjahr ist gestoppt. Der hohe Augustzuwachs von gut 160.000 ist einerseits die Reaktion auf den schwachen Juli und stellt somit ein Überschießen dar. Andererseits gibt es gute Gründe für die Annahme, dass es nunmehr wieder aufwärtsgeht und sich die monatliche Stellenschaffung in den nächsten Monaten zumindest zwischen 50.000 und 100.000 einpendelt. Dafür spricht nicht zuletzt die Vielzahl an positiven Arbeitsmarktindikatoren. Unter anderem bewegt sich auch die Beschäftigungskomponente des Einkaufsmanagerindex wieder klar über der Expansionsschwelle (vgl. nachfolgende Abbildung links). Daneben macht der Aufwärtstrend bei der Industrie-Beschäftigung Mut. Er ist eines von vielen Indizien, wonach die zyklischen Sektoren ebenfalls Rückenwind erfahren (vgl. nachfolgende Abbildung rechts). Solange der Investitionsboom in den USA anhält, sollte sich dieser Trend fortsetzen.

Insgesamt ist also von echter Arbeitsmarktschwäche in den USA wenig auszumachen. Damit verlieren die Tauben im Offenmarktausschuss zugleich eines ihrer letzten Argumente, um eine Zinssenkung zu rechtfertigen. Die Fed kommt stattdessen von immer mehr Seiten unter Druck, die Geldpolitik zu straffen. Eine Leitzinsanhebung um 25 Basispunkte im Rahmen der kommenden Fed-Sitzung (16. September) wird somit immer wahrscheinlicher. Die Inflationszahlen vom August (Veröffentlichung 11. September) müssten schon sehr schwach kommen, um das noch zu verhindern.
Von Dr. Daniel Hartmann, Chefvolkswirt, Bantleon AG
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