Die Perspektiven für den Private Credit-Markt bleiben auch nach Jahren dynamischen Wachstums optimistisch. Branchenexperten sehen eine strukturelle Verschiebung, die den Trend weiter begünstigt: Banken ziehen sich zunehmend aus ihrer Rolle als Kreditvermittler zurück, während Nichtbanken – also spezialisierte Kreditfonds und institutionelle Investoren – mehr Raum gewinnen. Hinzu kommt, dass klassische institutionelle Kapitalmärkte an Bedeutung verlieren, weil Kreditnehmer zunehmend auf bilaterale, privat verhandelte Finanzierungen setzen.
Diese „Disintermediation“ eröffnet Nichtbanken als Kreditgebern zusätzliche Chancen.
Kurzfristig dämpfen zwar hohe Zinsen und eine schwächere Konjunktur das Gesamtvolumen der Emissionen aufgrund geringerer Übernahmeaktivitäten, die auch weiterhin ein Primärtreiber bleiben, doch langfristig bleibt die Nachfrage ungebrochen. Solange Private-Equity-Gesellschaften über erhebliche Mittel verfügen, suchen sie nach Partnern, die ihnen verlässliche Finanzierungen sichern können. Die Zahl an Private-Equity-Unternehmen, die ihren natürlichen Ausstiegshorizont erreichen, ist ebenfalls auf ein Rekordniveau nach der globalen Finanzkrise gestiegen. Dies schafft eine Chance, die sich schließlich in einem zusätzlichen Emissionsangebot auflösen wird.
Dennoch ist die Aussicht nicht überall rosig. Mit einer abkühlenden Konjunktur steigt die Wahrscheinlichkeit von Zahlungsausfällen. Prognosen von JP Morgan zufolge könnten die Ausfallraten bis Ende 2026 auf 2,8 Prozent bei Hochzinsanleihen und 4,8 Prozent bei Leveraged Loans steigen1. Gerade in einem solchen Umfeld trennt sich die Spreu vom Weizen: Kreditgeber, die auf stark gehebelte Engagements mit lockereren Kreditbedingungen setzen, laufen Gefahr, überdurchschnittlich hohe Verluste zu erleiden. Konservative Anbieter hingegen, die auf stabile Cashflows und vorrangig besicherte Strukturen setzen, sollten ihre Risiken besser begrenzen und mögliche Ausfälle im Portfolio eher auffangen können.
Für Investoren bleibt entscheidend, wie selektiv ein Manager vorgeht. Direktkreditgeber mit breiten Netzwerken und erfahrenen Teams können nicht nur stabilere und besser diversifizierte Kreditportfolios zusammenstellen, sondern auch in schwierigen Marktphasen enger mit Kreditnehmern zusammenarbeiten. Gerade die Beziehungsebene – etwa die Rolle als alleiniger oder führender Kreditgeber – erlaubt es, in schwierigen Situationen maßgeschneiderte Lösungen zu finden, anstatt in kollektive Notverkäufe gedrängt zu werden mit nur geringem Einfluss auf das Ergebnis.
Die Bedeutung nicht gesponserter Kredite dürfte weiter zunehmen. Während Private-Equity-gesponserte Transaktionen den heutigen Markt dominieren, bieten Finanzierungen für inhabergeführte oder familiengeprägte Unternehmen zusätzliche Diversifikationschancen und oft strengere Schutzmechanismen. Dies verleiht Anlegerportfolios mehr Stabilität und kann höhere Rückflüsse im Fall von Problemen ermöglichen. Der Bereich non-sponsored beinhaltet klassischerweise ereignisgesteuerte Transaktionen, wie z. B. Add-on-Akquisitionen, Rekapitalisierungen und großen Wachstumsinvestitionen, jedoch keinen Wechsel der Unternehmenskontrolle. Dies kann das exogene Faktorrisiko bei der Kreditvergabe reduzieren, indem sichergestellt wird, dass Eigentumsverhältnisse, Management und Strategie konsistent bleiben. Dies spiegelt im Allgemeinen einen weniger aggressiven Ansatz im Bereich Leverage wider. Schließlich ist für die meisten Familieneigentümer ihr Unternehmen über Generationen hinweg der einzige "Vermögenswert“. Sie sind außerdem eng mit ihrem direkten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umfeld verbunden, anstatt einfach Teil eines breiteren Portfolios von Vermögenswerten zu sein, die sich im Besitz eines Finanzinvestors befinden. Da sich über 95% der Unternehmen im europäischen Mittelstand in Gründerhand befinden2, ist der adressierbare Markt für nicht gesponserte Kredite riesig und profitiert von denselben Trends, die ursprünglich die direkte Kreditvergabe durch Sponsoren vorangetrieben haben – die Disintermediation der Banken für private Kreditgeber, um maßgeschneiderte, sicherere und flexiblere Finanzierungslösungen in großem Maßstab anzubieten.
Alles in allem deutet vieles darauf hin, dass Private Credit auch in einem unsicheren konjunkturellen Umfeld ein Wachstumssegment bleibt. Seine Illiquidität macht es weniger anfällig für die Schwankungen der Märkte, und ihre flexible, oft individuell ausgehandelte Struktur erlaubt es, Risiken differenziert zu steuern. Anleger, die auf langfristige Trends setzen, finden hier eine Anlageklasse, die Stabilität, Diversifikation und attraktive relative Renditen bieten kann – allerdings nur, wenn sie bereit sind, den komplexen Selektionsprozess und die besonderen Risiken dieser Märkte zu akzeptieren
Von Matthew Harvey, Head of Direct Landing des Private Credit Teams von PGIM
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1 JP Morgan Default Monitor, Stand Juni 2025
2 Eurostat