Die Störung der Transportwege rund um die Straße von Hormus wirkt sich inzwischen zu einem breiteren Energieschock aus. Irans Fähigkeit, seine Feuerkraft im Golf aufrechtzuerhalten, führe außerdem dazu, dass sich der Krieg nun zu einem negativen globalen Makroschock entwickele, kommentiert Elliot Hentov, Chief Macro Policy Strategist bei State Street Investment Management. US-Dollar, Gold und Rohstoffe profitierten, Anleihen und Aktien hätten das Nachsehen.
Die Energiemärkte hätten schnell reagiert. Der Preis für Brent-Rohöl sei zeitweise in Richtung 120 US-Dollar pro Barrel gestiegen und bewege sich zu Beginn der Woche um die Marke von 100 US-Dollar. Entscheidend sei dabei weniger der Preis selbst als die Ursache: Die Störungen beträfen nicht mehr nur Transportwege, sondern zunehmend auch Energieinfrastruktur und Produktionskapazitäten in der Region. Und die Ressourcen des Landes deuteten darauf hin, dass der Iran in der Lage ist, die Rückkehr zur Normalität am Golf weiter zu verzögern. Entwicklungen auf politischer und wirtschaftlicher Ebene signalisierten ebenfalls eine kurzfristige Verschlechterung.
Um die Bedeutung einzuordnen, lohne sich ein Vergleich mit dem Ölpreisschock nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022. Damals seien etwa zehn Prozent der globalen Ölversorgung betroffen gewesen. Die Golfregion hingegen stehe für rund 30 Prozent der weltweiten Produktion und sei damit ein zentraler Pfeiler des globalen Energiesystems.
Hier zeige sich ein klassischer stagflationärer Angebotsschock für Energieimporteure, der erneut fiskalpolitische Gegenmaßnahmen erfordere, so Hentov. Die Anleihemärkte hätten sich bei schwächeren europäischen Staaten und in geringerem Maße auch bei den USA und Deutschland deutlich an diese Inflationsdynamik angepasst. Sollte die aktuelle Krise andauern, gehe der Experte von einem weiteren Aufwärtsdruck auf die Anleiherenditen aus. Ebenso prognostiziere er eine anhaltende Stärke des US-Dollars als Folge der US-Energiepolitik. Beide Trends seien jedoch anfällig für eine abrupte Trendwende bei Nachrichten zur Deeskalation.
Es sei schwer vorstellbar, dass dieser Schock länger als ein bis zwei Monate anhalten werde. Selbst bei einem länger andauernden Konflikt sei eine teilweise Normalisierung der Ölpreise wahrscheinlich, prognostiziert Hentov.
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