Ausblick: Fixed‑Income‑Implikationen im aktuellen geopolitischen Umfeld

Inflations- und Energieimpuls statt Risk-off: Die Iran-Eskalation treibt Ölpreise, verschiebt Zinssenkungen und schwächt die Schutzfunktion von Staatsanleihen. Konrad Kleinfeld (SPDR ETFs) sieht kurze Duration, TIPS und reale Renditen im Fokus, während Credit & EM unter Druck bleiben. State Street Investment Management | 01.04.2026 11:08 Uhr
Konrad Kleinfeld, Leiter Fixed Income Distribution EMEA für SPDR ETFs bei dem Vermögensverwalter State Street Investment Management / © e-fundresearch.com / State Street Investment Management
Konrad Kleinfeld, Leiter Fixed Income Distribution EMEA für SPDR ETFs bei dem Vermögensverwalter State Street Investment Management / © e-fundresearch.com / State Street Investment Management
  • In unseren Augen ist das aktuelle Fixed‑Income‑Umfeld weniger durch einen klassischen Risk‑off‑Modus geprägt, sondern durch einen erneuten Inflations‑ und Energie-Impuls. Die geopolitische Eskalation rund um Iran wirkt dabei in unseren Augen primär über höhere Ölpreise, erhöht damit die Unsicherheit über den Inflationspfad und verschiebt folglich den Zeitpunkt geldpolitischer Lockerungen weiter nach hinten.

  • Infolgedessen erfüllen Staatsanleihen ihre Schutzfunktion nur noch eingeschränkt. Die Renditerückgänge aus dem Februar sind bereits wieder ausgepreist, ebenso hat sich die US‑Zinskurve insgesamt nach oben verschoben. Am kurzen Ende dominiert dabei die Neubewertung des Zinspfads, während längere Laufzeiten unter steigenden Inflationserwartungen und höheren „Term-Prämien“ leiden. In Summe ergibt sich damit ein moderates „Bear‑Flattening“, welches längere Duration weniger interessant erscheinen lässt.

  • Aktuell ist die Inflation der zentrale Treiber. Zehnjährige Breakevens haben sich seit Ende Februar spürbar ausgeweitet. Das erhöht die Anfälligkeit des langen Endes der Kurve für Renditeanstiege. Gleichzeitig sprechen steigende fiskalische Belastungen – gemeint sind höhere Verteidigungsausgaben bei gedämpftem Wachstum –  für dauerhaft erhöhte Risikoprämien entlang der Kurve.

  • Im Segment für Unternehmensanleihen / Credit hat sich der Wendepunkt bereits im Februar abgezeichnet. Dabei haben sich Investment‑Grade‑Spreads aus historisch engen Niveaus ausgeweitet. Dies wird getrieben durch eingetrübte Wachstumsaussichten, höheren Energiepreisen und einer schrittweisen Verschlechterung der Bilanzqualität. High-Yield-Anleihen folgen dabei diesem Trend, zeigen sich aber bislang robuster, getragen von höherem Carry und kürzerer Duration.

  • Schwellenländer: Emerging‑Market‑Anleihen in Lokalwährung verlieren an Attraktivität. Ein stärkerer US‑Dollar und nachlassende Risikobereitschaft haben die positive Jahresanfangsphase beendet und unterstreichen die zyklische Sensitivität dieser Anlageklasse in unseren Augen.

  • Für den Ausblick lassen sich drei Pfade skizzieren: Der Markt preist aktuell weiterhin eine rasche Deeskalation mit rückläufigen Ölpreisen und der Wiederaufnahme von Zinssenkungen im Jahresverlauf. Ein prolongierter Konflikt würde in unseren Augen ein Umfeld aus höherer, persistenter Inflation und zunehmendem Druck auf Risiko-Assets nach sich ziehen. Eine etwaige Eskalation mit deutlich steigenden Energiepreisen hätte zudem das Potenzial, einen spürbaren Wachstumsschock auszulösen und Credit sowie Emerging Markets weiter zu belasten.

  • Für Portfolios spricht dies zunächst für einen Fokus auf Robustheit. Daher erscheinen kurze Durationen, inflationsgeschützte Bausteine (inflationsindexierte Anleihen, TIPS) und ein Blick auf reale Renditen in unseren Augen hier aktuell sinnvoll. Erst wenn Klarheit bezüglich einer deutlichen Wachstumsabkühlung besteht, erst dann dürften längere Duration wieder an Attraktivität gewinnen. Dies gilt dann primär im Bereich der defensiven & hochwertigen Staatsanleihen.

Von Konrad Kleinfeld, Leiter Fixed Income Distribution EMEA für SPDR ETFs bei dem Vermögensverwalter State Street Investment Management

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