EZB‑Sitzung: Abwarten in einem fragilen Umfeld

Die EZB dürfte trotz geopolitischer Spannungen um Iran vorerst an ihrer geldpolitischen Pause festhalten. Steigende Ölpreise belasten zwar Kaufkraft und Stimmung, sprechen angesichts schwacher Konjunktur und begrenzter Zweitrundeneffekte aber nicht automatisch für höhere Zinsen. State Street Investment Management | 28.04.2026 09:26 Uhr
Konrad Kleinfeld, Leiter Fixed Income Distribution EMEA für SPDR ETFs bei dem Vermögensverwalter State Street Investment Management / © e-fundresearch.com / State Street Investment Management
Konrad Kleinfeld, Leiter Fixed Income Distribution EMEA für SPDR ETFs bei dem Vermögensverwalter State Street Investment Management / © e-fundresearch.com / State Street Investment Management

In unseren Augen dürfte die EZB in ihrer Sitzung am kommenden Donnerstag zunächst weiterhin eine geldpolitische Pause einlegen. Die geopolitischen Spannungen rund um Iran belasten zwar die Stimmung, stellen jedoch primär einen angebotsseitigen Schock dar, dessen Transmission in die Realwirtschaft nur begrenzt geldpolitisch steuerbar ist. Steigende Ölpreise wirken kurzfristig wie eine Steuer auf die Haushalte und dämpfen deren Kaufkraft, ohne dass sich daraus automatisch ein selbsttragender Inflationsprozess ergibt.

Die konjunkturelle Ausgangslage spricht in diesem Umfeld für Zurückhaltung. Deutschland bleibt einer der Schwachpunkte im Euroraum, zentrale Stimmungsindikatoren zeigen sich weiterhin fragil, und auch das aggregierte Wachstum bewegt sich auf einem niedrigen Niveau. Eine zusätzliche Straffung würde die Nachfrage belasten und die ohnehin schwache Wachstumsdynamik weiter unter Druck setzen, ohne die Ursache des Preisanstiegs zu adressieren. Zwar haben Notenbanken in der Vergangenheit auch in Phasen hoher Unsicherheit reagiert, doch unterscheidet sich der aktuelle Ölpreisschock deutlich von früheren Episoden, insbesondere hinsichtlich Breite und Zweitrundeneffekten. Die Transmission auf Löhne und langfristige Inflationserwartungen bleibt bislang begrenzt, nicht zuletzt vor dem Hintergrund eines gedämpften Arbeitsmarktes und eines sensiblen Vertrauensumfelds.

Vor diesem Hintergrund kann sich die EZB glaubwürdig auf ihr mittelfristiges Inflationsmandat stützen und abwarten. Eine Anpassung der Zinsen erscheint erst dann sinnvoll, wenn sich Hinweise auf eine Verfestigung des Preisdrucks zeigen, für einen geldpolitischen Schritt in der aktuellen Woche ist es in unseren Augen noch zu früh.

Von Konrad Kleinfeld, Leiter Fixed Income Distribution EMEA für SPDR ETFs bei dem Vermögensverwalter State Street Investment Management

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