Interview: Was PEH in 10 Jahren KI gelernt und am Modell weiterentwickelt hat

Nach volatilen Marktphasen hat der PEH EMPIRE in den vergangenen drei Jahren eine Outperformance von über 20 Prozent gegenüber seiner Peergroup erzielt und sich im Top-Segment seiner Kategorie positioniert. Co-Manager Maximilian Stürner erläutert im Interview, wie die Weiterentwicklung des PEH SCORE, KI-basierte Regime-Erkennung, konsequentes Bottom-up-Stockpicking und aktives Währungsmanagement zur Performance beigetragen haben. Zudem gibt er Einblick in die aktuelle Positionierung, die Rolle von Künstlicher Intelligenz im Investmentprozess sowie seine Einschätzung zum gegenwärtigen Marktumfeld. PEH Wertpapier AG | 17.02.2026 12:30 Uhr
Maximilian Stürner ist Co-Manager des PEH EMPIRE / © e-fundresearch.com / PEH EMPIRE
Maximilian Stürner ist Co-Manager des PEH EMPIRE / © e-fundresearch.com / PEH EMPIRE

e-fundresearch.com: Herr Stürner, mit einer Outperformance von über 20% gegenüber der Peergroup in den letzten drei Jahren und einer Platzierung im Top-Segment seiner Kategorie hat der PEH EMPIRE ein beeindruckendes Comeback vollzogen. Was waren rückblickend die entscheidenden Faktoren für diese Entwicklung?

Maximilian Stürner: Die über 20% Outperformance gegenüber der Peergroup über drei Jahre sind das Ergebnis einer konsequenten Weiterentwicklung unseres Investmentprozesses. Rückblickend waren drei Faktoren entscheidend: Erstens haben wir aus dem herausfordernden Jahr 2022 die richtigen Schlüsse gezogen. Der sprungfixe externe Schock durch den Ukraine-Krieg hat offengelegt, dass unser damaliges Modell bei der Anpassungsgeschwindigkeit Grenzen hatte. Daraufhin haben wir mit der Version 2.0 unseres PEH SCOREs eine fundamentale Weiterentwicklung eingeführt: Wir haben die zeitlichen Ebenen der Indikatoren deutlich flexibilisiert und eine KI-basierte Regime-Erkennung integriert. Das bedeutet, unser Modell erkennt heute schneller, ob wir uns in einem Trend-, Transitions- oder Stressregime befinden – und passt die Gewichtung der Signale entsprechend an. 

Zweitens war die konsequente Bottom-up-Titelselektion ein zentraler Renditetreiber. In einem Marktumfeld, das von hoher Dispersion innerhalb der Sektoren geprägt war, hat sich unser datengetriebenes Stockpicking als entscheidender Vorteil erwiesen.

Drittens hat unser aktives Währungsmanagement einen signifikanten Beitrag geleistet, der häufig unterschätzt wird. Allein 2025 haben wir durch das gezielte EUR/USD-Hedging einen Performancebeitrag von 3,2% erzielt. Viele Marktteilnehmer glauben, Währungsrisiken würden sich über die Zeit ausgleichen – wir sehen das differenzierter.

e-fundresearch.com: Künstliche Intelligenz ist derzeit das beherrschende Thema der Branche, doch der PEH EMPIRE integriert KI und Machine Learning bereits seit Jahren in seinen Investmentprozess. Wie unterscheidet sich Ihre langjährige Erfahrung und die daraus resultierende Tiefe des „Pattern-Learnings“ von neueren KI-Produkten am Markt?

Maximilian Stürner: Das ist eine zentrale Frage, denn aktuell wird KI im Asset Management oft als Marketinglabel verwendet, ohne dass dahinter die notwendige Tiefe steckt. Unser Vorteil liegt in drei Dimensionen:

Die erste Dimension ist die Erfahrung und die daraus resultierende Modellreife. Wir setzen seit der Strategieumstellung 2016 auf einen KI- und datengetriebenen Investmentprozess. Das bedeutet, wir haben mittlerweile fast zehn Jahre Live-Erfahrung mit unseren Modellen – über verschiedene Marktphasen hinweg. Jede dieser Phasen hat unser Pattern-Learning verfeinert. Neuere KI-Produkte können auf historische Daten backtesten, aber sie haben keine echten Live-Erfahrungswerte, wie sich ihre Modelle in Stressphasen verhalten. Unser System hat diese Stressphasen durchlebt und wurde iterativ optimiert.

Die zweite Dimension ist der Mensch-im-Loop-Ansatz. Wir verstehen KI nicht als Black Box, die autonom entscheidet, sondern als intelligentes Werkzeug, das den Portfoliomanager unterstützt. Die Algorithmen wurden von Asset Managern in enger Zusammenarbeit mit Data Scientists entwickelt – und sie werden kontinuierlich weiterentwickelt. Das heißt: Hinter der KI stehen jahrzehntelange Kapitalmarkterfahrung und fundamentales Verständnis. 

Die dritte Dimension ist die Validierungstiefe. Es geht uns nicht darum, möglichst viele Daten zu verarbeiten, sondern um die Qualität und Robustheit der Signale. Viele neuere Ansätze arbeiten mit hochkomplexen Deep-Learning-Modellen, die zwar beeindruckende Backtests liefern, aber im Live-Betrieb zu Overfitting neigen. Wir setzen bewusst auf interpretierbare, robuste Modelle, die wir verstehen und kontrollieren können.

e-fundresearch.com: Ihr PEH SCORE wertet laufend Unternehmens-, Makro- und Marktdaten aus. Welche Signale sendet das Modell derzeit? Wie beurteilen Sie das aktuelle Marktumfeld und welche Themen prägen aus Ihrer Sicht die nächsten Monate?

Maximilian Stürner: Unsere PEH SCOREs zeigen aktuell ein konstruktives, aber differenziertes Bild. Die fundamentalen Scores, also die Mikro-Komponente, sind überwiegend positiv, was die strukturell erhöhte Aktienquote der letzten Monate stützt.

Gleichzeitig registrieren wir auf der Sentiment-Seite eine zunehmende Polarisierung – und zwar in beide Richtungen. Wir sehen vermehrt Übertreibungen sowohl nach oben als auch in einzelnen Segmenten nach unten. News-getriebene, teils erratische Kursbewegungen nehmen zu – ein einzelner Social-Media-Post, oder ein geopolitisches Signal können innerhalb von Minuten massive Kursbewegungen auslösen. Genau hier liegt der Vorteil unseres Ansatzes: In einem Umfeld, in dem das Rauschen immer lauter wird, ist die datengetriebene Disziplin ein entscheidender Wettbewerbsvorteil.

Auf der Makro-Seite bleiben die geopolitischen Spannungen, protektionistische Tendenzen und die geldpolitische Unsicherheit relevante Faktoren. Wir erwarten deshalb ein weiterhin volatiles Umfeld in den nächsten Monaten.

Entscheidend ist für uns: Die mittelfristige Entwicklung der Aktienmärkte hängt primär von den Unternehmensdaten ab, nicht von der Tagespolitik. Und hier sehen wir weiterhin Unternehmen mit soliden Bilanzen, starker Preissetzungsmacht und globaler Marktführerschaft, die auch in einem schwierigeren makroökonomischen Umfeld bestehen werden.

e-fundresearch.com: Wie sind Sie aktuell im PEH EMPIRE positioniert? Gibt es Sektoren, Regionen oder Themen, die Sie angesichts des veränderten Marktumfelds zuletzt stärker oder schwächer gewichtet haben?

Maximilian Stürner: Das Portfolio des PEH EMPIRE spiegelt die aktuellen Signale unseres Scoring-Modells wider und hat sich in den letzten Wochen in einigen Bereichen aktiv verändert.

Bei den Sektoren ist Semiconductors die größte Branchengewichtung. Das reflektiert die weiterhin starken Fundamentaldaten im Halbleiterbereich, getrieben durch die anhaltende KI-Nachfrage und Infrastrukturinvestitionen. Pharma wurde ebenfalls spürbar hochgefahren. 

Regional liegt der Schwerpunkt weiterhin klar in den USA – dort finden sich die Unternehmen mit der stärksten Innovationskraft, besten Bilanzen und höchsten Preissetzungsmacht. Das ist keine strategische Überzeugung, sondern das reine Ergebnis unseres Bottom-up-Scorings. Wenn europäische oder asiatische Titel bessere Scores liefern, werden sie ins Portfolio aufgenommen.

Über Maximilian Stürner

Maximilian Stürner ist seit Januar 2023 Co-Manager des PEH EMPIRE und verantwortet die Aktienselektion sowie die Weiterentwicklung der PEH KI-Scores. Er besitzt einen Master in Finance und ist zertifizierter AI Investment Analyst (CAI).

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