Letzte Woche nahm der Grönland-Streit Fahrt auf. Anleger können sich von so etwas leicht ablenken lassen, zumal es in letzter Zeit häufiger vorkam. Tatsächlich könnte die Marktvolatilität dieses Jahr immer wieder aufflammen. Umso wichtiger ist es, konsequent auf die Fundamentaldaten zu achten und langfristig zu denken. Nicht zuletzt sollte man auch unspektakulärere innenpolitische Entwicklungen im Blick haben, die für Anleger und Märkte auf Dauer wichtig werden können.
Am amerikanischen Anleihenmarkt betrifft das mehrere Marktsegmente und vor allem Agency Mortgage-Backed Securities (MBS). Wir meinen, dass sie einen genaueren Blick verdienen.
Gleich mehrere Entwicklungen bestimmen hier den Markt: die tendenzielle Lockerung der Geldpolitik, die noch immer hohen, wenn auch nicht mehr ganz so hohen Spreads und die bessere Markttechnik. Noch wichtiger dürfte aber sein, dass die Regierung gerade erst MBS-Käufe in Höhe von 200 Milliarden US-Dollar angekündigt hat. Fannie Mae und Freddie Mac, die beiden für den US-Hypothekenmarkt so wichtigen Staatsunternehmen, sollen sie vornehmen.
Das am 8. Januar verkündete Programm soll durch eine größere Nachfrage nach Agency-MBS amerikanischen Haushalten helfen und den Wohnimmobilienmarkt stärken. Die Spreads sollen enger werden, die Hypothekenzinsen sollen fallen.
Das sieht nach einer beachtlichen Initiative aus. Angesichts der sehr viel größeren makroökonomischen Veränderungen in den USA und weltweit könnte sie dennoch leicht übersehen werden. Genau deshalb wollen wir uns genauer damit befassen.
Warum wir jetzt Chancen sehen
Chancen sehen wir aus einem einfachen Grund: Ein großer, politisch motivierter Käufer kehrt an einen Markt zurück, an dem viele Anleger noch immer Qualitätsanleihen finden.
Noch vor der offiziellen Bekanntgabe hatten Anleger damit gerechnet, dass die beiden Staatsunternehmen mehr Agency-MBS kaufen würden. Im 4. Quartal 2025 gingen ihre Spreads allmählich zurück, da Anleger mit zusätzlicher Nachfrage durch Fannie Mae und Freddie Mac rechneten. Im Januar wurde aus der Erwartung eine Zusage.
In den letzten Jahren wurden Agency-MBS vor allem von spreadsensitiven Portfoliomanagern gekauft, wenn sie im Vergleich zu Unternehmensanleihen und anderen Credits günstig schienen. Jetzt, wo die Regierung neue Käufe durch Fannie Mae und Freddie Mac ankündigt, sorgen nicht mehr einzelne Private-Capital-Manager, sondern große öffentliche Institutionen für zusätzliche Nachfrage. Hinzu kommt, dass die neuen staatlichen Käufer die Papiere erwerben, um sie zu behalten, statt vorübergehende Bewertungsdifferenzen zu nutzen. Die Spreads könnten daher nicht nur vorübergehend, sondern dauerhaft zurückgehen und berechenbarer werden.
Wichtig ist auch das Volumen. Die genannten 200 Milliarden US-Dollar entsprechen weitgehend der verbleibenden Kapazität der Staatsunternehmen gemäß den derzeitigen Regeln. Wenn sie noch mehr kaufen sollen, wären aber höhere Obergrenzen möglich. Auch deshalb rechnet man am Markt mit einer kontinuierlich höheren Nachfrage.
All das geschieht zu einer Zeit, in der die Spreads zwar wieder etwas enger sind, aber noch immer über ihren Langfristdurchschnitten liegen. Außerdem ist die Zinsvolatilität gefallen, weil die Geldpolitik berechenbarer wird. Wir glauben, dass die Kombination aus einer expansiven Geldpolitik, nach wie vor attraktiven Risikoprämien und einem ruhigeren Anleihenmarkt gute Einstiegsbedingungen für Qualitätsanleihen bietet, bevor andere Anleger auf dieselbe Idee kommen.
Qualität und laufender Ertrag
Wir glauben dennoch nicht, dass das staatliche Kaufprogramm den amerikanischen Wohnimmobilienmarkt grundlegend verändert oder für deutlich niedrigere Hypothekenzinsen sorgt. Entscheidend für die Kreditzinsen bleiben die Staatsanleihenrenditen.
Wir rechnen aber mit einer maßvolleren und für Anleger wichtigeren Reaktion: Die zurzeit hohen Spreads werden „fair“ und vielleicht sogar ein wenig „eng“, wenn das Programm umgesetzt und möglicherweise später verlängert wird. Dieser allmähliche Spreadrückgang kann Anlegern schaden, die noch immer auf eine Korrektur warten. Lohnen kann er sich aber für alle, die jetzt investieren wollen, um dann längerfristig vom Carry zu profitieren.
Agency-MBS stellen eine attraktive Kombination aus Qualität und laufendem Ertrag in Aussicht. Gerade jetzt, wo das (noch immer niedrige) Kreditrisiko von Unternehmensanleihen etwas steigt, sind sie eine hochwertige, staatlich gestützte Assetklasse für Anleger, die Anleihen ohne die Risiken von Unternehmen wollen. Die Spreads sind zwar etwas gefallen, scheinen uns angesichts der staatlichen Unterstützung aber noch immer attraktiv.
Dennoch möchten wir auch zur Vorsicht mahnen. Die niedrige Zinsvolatilität hat dem Sektor genützt. Wenn sie wieder steigt – wegen der Geldpolitik, steigender Langfristrenditen oder externer Schocks –, ginge das an Hypothekenanleihen nicht spurlos vorbei. Zu unserer Risikoeinschätzung gehört also auch eine klare Vorstellung davon, wie es mit der Zinsvolatilität weitergeht.
Von Interventionen profitieren
Da das Kreditrisiko wohl wieder zu einem größeren Thema wird, sollten sich Investoren über die zusätzliche Unterstützung für eine staatsnahe Qualitäts-Assetklasse freuen. Agency-MBS sind zwar nicht mehr wirklich billig, und die Fed hat die Zinsen bereits mehrfach gesenkt. Aber genau deshalb kann man sich stabile laufende Erträge sichern, zumal Fundamentaldaten, Geldpolitik und Markttechnik zusammenwirken.
Wir glauben, dass amerikanische Agency-MBS jetzt genau das bieten. Unser Ansatz ist vorsichtig, aber aktiv: Wir sind wählerisch bei Strukturen und Coupons und kennen das Risiko vorzeitiger Rückzahlungen ebenso wie das Zinsrisiko. Aber wir investieren gerne in einen Markt, der vom Staat nur profitieren kann.
Von Ashok Bhatia, CFA, Chief Investment Officer und Global Head of Fixed Income und Jason Smith, Senior Portfolio Manager bei NeubergerBerman
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