EZB-Sitzung: „Präventive Zinserhöhung – aber kein neuer Straffungszyklus“

Eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte seitens der Europäischen Zentralbank (EZB) erwartet Patrick Barbe, European Fixed Income Head bei Neuberger, bei ihrer heutigen Sitzung. Er geht davon aus, dass die Währungshüter die Geldpolitik zwar anpassen, aber keinen Zinserhöhungszyklus einleiten werden. Für dieses Jahr rechnet der Experte mit zwei Zinserhöhungen sowie einer Senkung und einem Leitzins von 2,25 Prozent am Jahresende. Neuberger | 11.06.2026 07:47 Uhr
Patrick Barbe, Head of European Investment Grade Fixed Income bei Neuberger / © e-fundresearch.com / Neuberger
Patrick Barbe, Head of European Investment Grade Fixed Income bei Neuberger / © e-fundresearch.com / Neuberger

Jüngste Kommentare von EZB-Mitgliedern deuten darauf hin, dass eine Mehrheit präventive Leitzinserhöhungen befürwortet, solange keine Lösung für die Wiederöffnung der Straße von Hormus in Sicht ist. Andere wiesen wiederum darauf hin, dass es bislang keine Zweitrundeneffekte gebe und die Konjunktur in der Eurozone nach wie vor schwach sei. Daher gehen wir davon aus, dass die EZB eher eine Anpassung der Geldpolitik vornehmen wird als einen Zinserhöhungszyklus einzuleiten. Wir rechnen in diesem Jahr mit zwei Zinserhöhungen sowie einer -senkung.

Der aktuelle Energieschock ist aus meiner Sicht nicht mit dem aus dem Jahr 2022 vergleichbar: Die Eurozone ist weniger abhängig von Öl – insbesondere aus dem Mittleren Osten – und es gibt weder Gasengpässe noch explodierende Lebensmittelpreise oder steigende Strompreise. Außerdem bestehen anders als nach Ausbruch des Ukrainekriegs keine Unterbrechungen der Lieferketten. Darüber hinaus erhöhen die Regierungen in der Eurozone ihre öffentlichen Ausgaben nicht, sondern senken vielmehr die Energiesteuern, um den Preisanstieg einzudämmen. Als weiterer Unterschied war die Wirtschaftstätigkeit bereits vor dem Iran-Konflikt schwach – im Gegensatz zu 2022, als sie sich mit dem Ende der Pandemie stark erholt hatte.

Wir erwarten vor diesem Hintergrund, dass die Gesamtinflationsrate in der Eurozone im Jahresvergleich unter 4 Prozent bleibt und die Kerninflationsrate nur leicht auf rund 2,5 Prozent steigt.

Renditen könnten sinken

Die Anleiherenditen sind bereits stark gestiegen und preisen fast drei Zinserhöhungen der EZB ein, ohne die Konjunkturabschwächung zu berücksichtigen. Damit haben sie fast ihr Höchstniveau von 2022 erreicht. Das belastet das Wirtschaftswachstum bereits deutlich. In diesem Marktumfeld müsste die EZB ihre Konjunktur- und Inflationsanalyse erläutern, die zu einer präventiven Geldpolitik geführt hat, um den Markt auf ihren datenabhängigen Ansatz einzustimmen. Dies würde trotz einer ersten Zinserhöhung für einen Rückgang der Anleiherenditen sprechen.

Das Abwärtsrisiko für das Wachstum dürfte die wichtigste Auswirkung des Iran-Konflikts sein – wobei der Anstieg der Energiepreise auf Öl begrenzt bleibt: Es drohen eine Eintrübung des Verbraucher- und Unternehmensvertrauens, eine Verzögerung der Erholung beim Konsum sowie verstärkter Stellenabbau. Der Konjunkturoptimismus zu Jahresbeginn stützte sich auf eine Erholung der Konsumausgaben, begünstigt durch eine überdurchschnittlich hohe Sparquote. Hinzu kommt, dass die KI-Entwicklung in der Eurozone im Vergleich zu den USA nur einen verschwindend geringen Beitrag zur Wirtschaftsleistung leistet. Wir sehen die faire Bewertung 10-jähriger Bundesanleihen fundamental daher weiterhin bei rund 2,5 Prozent. Technisch gesehen steht der Anleihenmarkt nach wie vor unter dem Druck eines hohen globalen Angebots – getrieben durch die USA, Japan, Großbritannien sowie den enormen Finanzierungsbedarf im Bereich KI. Da der verbleibende staatliche Finanzierungsbedarf in der Eurozone für das zweite Halbjahr unseres Erachtens gering ausfallen dürfte, halten wir 5- und 10-jährige Bundesanleihen bei Renditen von rund 2,75 Prozent beziehungsweise 3,0 Prozent für attraktiv.

Von Patrick Barbe, Head of European Investment Grade Fixed Income bei Neuberger

Weitere beliebte Meldungen:

Performanceergebnisse der Vergangenheit lassen keine Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Investmentfonds oder Wertpapiers zu. Wert und Rendite einer Anlage in Fonds oder Wertpapieren können steigen oder fallen. Anleger können gegebenenfalls nur weniger als das investierte Kapital ausgezahlt bekommen. Auch Währungsschwankungen können das Investment beeinflussen. Beachten Sie die Vorschriften für Werbung und Angebot von Anteilen im InvFG 2011 §128 ff. Die Informationen auf www.e-fundresearch.com repräsentieren keine Empfehlungen für den Kauf, Verkauf oder das Halten von Wertpapieren, Fonds oder sonstigen Vermögensgegenständen. Die Informationen des Internetauftritts der e-fundresearch.com AG wurden sorgfältig erstellt. Dennoch kann es zu unbeabsichtigt fehlerhaften Darstellungen kommen. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen kann daher nicht übernommen werden. Gleiches gilt auch für alle anderen Websites, auf die mittels Hyperlink verwiesen wird. Die e-fundresearch.com AG lehnt jegliche Haftung für unmittelbare, konkrete oder sonstige Schäden ab, die im Zusammenhang mit den angebotenen oder sonstigen verfügbaren Informationen entstehen. Das NewsCenter ist eine kostenpflichtige Sonderwerbeform der e-fundresearch.com AG für Asset Management Unternehmen. Copyright und ausschließliche inhaltliche Verantwortung liegt beim Asset Management Unternehmen als Nutzer der NewsCenter Sonderwerbeform. Alle NewsCenter Meldungen stellen Presseinformationen oder Marketingmitteilungen dar.

Melden Sie sich für den kostenlosen Newsletter an

Regelmäßige Updates über die wichtigsten Markt- und Branchenentwicklungen mit starkem Fokus auf die Fondsbranche der DACH-Region.

Der Newsletter ist selbstverständlich kostenlos und kann jederzeit abbestellt werden.