Asiatischer Rentenmarkt: Rück- und Ausblick
Im Februar sorgte eine starke Versteilerung der Renditekurve von US-Staatsanleihen dafür, dass die Barpreise für asiatische USD-Anleihen – insbesondere für Papiere mit langer Duration – nach unten gedrückt wurden. Während die Spreads für Investment-Grade den ganzen Monat über weitgehend stabil blieben und Hochzinsanleihen leichte Gewinne verzeichneten, reichte dies nicht aus, um die zugrunde liegende Schwäche der Renditekurve auszugleichen. Die 10-jährige US-Staatsanleihe schloss den Monat mit einer Rendite von 1,41 Prozent ab – ein Anstieg von 34 Basispunkten gegenüber dem Niveau von Ende Januar – und erreichte im Februar ein Ein-Jahres-Hoch von 1,53 Prozent. Da die kurzfristigen Zinssätze unverändert blieben, war dieser Anstieg fast vollständig auf die Versteilerung der Kurve zurückzuführen, wobei Anleihen mit langer Duration besonders unterdurchschnittlich abschnitten. Tatsächlich war der Renditeabstand zwischen 2- und 30-jährigen Anleihen in der vergangenen Woche mit 210 Basispunkten der höchste seit 2015.
Zweifellos waren Inflationsängste der Hauptauslöser für die jüngste Kurvenveränderung, wobei die CRB-Indizes für Lebensmittel und Industriemetalle im Laufe des Monats in die Höhe schnellten und in beiden Fällen Mehrjahreshöchststände erreichten. In ähnlicher Weise stiegen die Energiepreise, wie der Brent-Rohölpreis zeigt. Er stieg im Februar um 20 Prozent und erreichte damit wieder das Niveau vor Corona. Diese Preissteigerungen bei den Rohstoffen sind größtenteils auf das Auffüllen weltweiter Lagerbestände zurückzuführen, da die westlichen Verbraucher davon ausgehen, dass sich die Wirtschaft nach Corona wieder erholen wird. Allerdings hängt die Nachhaltigkeit dieses Trends wahrscheinlich stark vom Erfolg der weltweiten Einführung von Impfstoffen und der Bekämpfung neuer Virusinfektionen ab. Während der zeitliche Ablauf der Virusentwicklung nicht bekannt ist, ist die Reaktion der Zentralbanken auf die jüngsten Entwicklungen umso eindeutiger. Der Vorsitzende der Fed, Jerome Powell, bekräftigte am 24. Februar seine Absicht, die lockere Geldpolitik und die QE-Unterstützung für die Marktliquidität beizubehalten. Dies dürfte in Kombination mit der Forcierung der fiskalpolitischen Agenda durch Präsident Joe Biden dafür sorgen, dass die derzeitigen positiven Wachstumstreiber erhalten bleiben und der Druck auf die US-Treasury- und USD-Märkte in nächster Zeit entsprechend hoch ist.
An den asiatischen IG-Anleihemärkten spiegelte die relative Performance im vergangenen Monat weitgehend die Duration wider. Sektoren mit langen Laufzeiten wie indonesische und philippinische Staatsanleihen, malaysische und thailändische Energieunternehmen sowie chinesische Internetanbieter verzeichneten die größten Rückgänge. Die einzige Ausnahme war vielleicht die staatliche chinesische Ölgesellschaft CNOOC. Unterstützt durch die positive Ölpreisentwicklung, erholten sich ihre Unternehmensanleihen, nachdem sie im Dezember und Januar nach dem US-Investitionsverbot geschwächt waren. Hochzinsanleihen übertrafen IG-Anleihen, obwohl die relative Performance innerhalb der Hochzinsanleihen gemischt war. Die Rohstoffunternehmen aus Pakistan, der Mongolei sowie Indien und Indonesien schnitten überdurchschnittlich ab, während Sri Lanka, ein ewiger High-Beta-Play, erneut die größte Belastung für den Markt darstellte. Innerhalb der chinesischen Hochzinsanleihen beendete der dominierende Immobiliensektor den Monat weitgehend neutral. Hohe Kupongewinne im gesamten Sektor wurden durch schwächelnde Unternehmen wie Greenland (GRNLGR), Sichuan Languang (LGUANG) und Rise Sun (Rissun) ausgeglichen, die nach dem Ausfall von China Fortune Land (CHFOTN) eine nachlassende Investorenstimmung erlebten.
Ausblick
Bezüglich der makroökonomischen Fundamentaldaten wird der nächste wichtige Meilenstein für den asiatischen Anleihemarkt die Berichtssaison der Unternehmensgewinne sein, da die meisten regionalen Unternehmen (mit Ausnahme von Indien) im März ihre Jahresergebnisse veröffentlichen. Die Ergebnisse des zweiten Halbjahrs 2020 werden einen deutlichen Hinweis darauf geben, inwieweit sich die asiatischen Unternehmen erholt haben, nachdem die regionalen Volkswirtschaften nach dem Corona-Lockdown in der ersten Jahreshälfte 2020 wieder geöffnet wurden. Außerdem wird bekannt werden, ob sich die starken Makrozahlen in eine ähnlich starke Performance auf Mikroebene übersetzt haben. Unabhängig davon wird es für den chinesischen Immobiliensektor auch die erste Gelegenheit sein, die Fortschritte bei der Verbesserung der Bilanzen nach der Einführung der „drei roten Linien“ der Verschuldungspolitik im letzten Jahr zu beobachten.
In der Zwischenzeit sollten die Inflationszahlen in und aus Asien im März genau beobachtet werden, um zu erfahren, inwieweit sich die jüngsten Rohstoffpreisspitzen in den Verbraucher- und Erzeugerpreisindex niedergeschlagen haben. Dabei sollten die Corona-Fallzahlen und der Fortschritt bei der Einführung des Impfstoffs als Schlüssel zur Vorhersage der Nachhaltigkeit dieser jüngsten stimmungsgetriebenen Rallye berücksichtigt werden.
Typischerweise erlebt der asiatische USD-Anleihemarkt nach dem chinesischen Neujahrsfest eine deutliche Belebung des Neuemissionsvolumens. Angesichts des jüngsten starken Anstiegs der Renditen langlaufender Staatsanleihen hat dies jedoch eindeutig die Stimmung der Emittenten belastet, und das Angebot ist in diesem Zeitraum bisher gering geblieben. Je länger dies anhält, könnte sich dies entsprechend auf den Markt auswirken, da sich die Nachfrage der Investoren nach einem geringeren Angebot an neuen Papieren positiv auf die Credit Spreads auswirken dürfte. Unserer Ansicht nach sollte dies für die Risikopositionierung entlang der Kreditkurve günstig bleiben, auch wenn es bei Exposure mit kurzen Laufzeiten bleibt.
Marcus Weston, CFA, Fixed Income Senior Portfolio Manager, JK Capital Management Ltd., einem Unternehmen der La-Française-Gruppe
Quelle: Bloomberg
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