Seit einigen Monaten mehren sich die Anzeichen einer Inflation in der Wirtschaft. Eines der deutlichsten Signale des Drucks kam vom Rohstoffmarkt, der derzeit erhebliche Preissteigerungen aufweist. Seit Ende 2019 (d. h. vor Beginn der Pandemie) sind Eisenerz um 69 %, Kupfer um 61 % und Nickel um 21 % gestiegen. Diese Steigerungen beschränken sich nicht nur auf Industriemetalle, sondern betreffen auch Agrarrohstoffe, bei denen Weizen um 17 % und Mais um 60 % gestiegen sind.
Der Immobilienmarkt verhält sich ähnlich. Er hat die Holzpreise auf extreme Niveaus getrieben (+229 % seit Ende 2019). Die starke Warennachfrage führte auch zu einem Bruch in den Halbleiter-Lieferketten, was erneut zu inflationären Spannungen bei mehreren Warenkategorien führte (Elektronik, Gebrauchtwagen usw.).
Bislang war Energie der einzige Rohstoff, der in diesem Zeitraum keinen großen Anstieg verzeichnete (+3,73 %). Dies ist vor allem auf den deutlichen Rückgang der Nachfrage nach kommerziellen Flügen seit März 2020 zurückzuführen.
Auswirkungen auf die Wirtschaft
Infolge dieser Preiserhöhungen steigen die Produktionskosten in unseren Volkswirtschaften sprunghaft an (US PPI um 9,5 % über 12 Monate, der höchste Wert seit Juli 2008). Dies dürfte sich angesichts der aktuellen Sparquote der Haushalte zumindest teilweise auf die Verbraucherpreise auswirken.
Nimmt man zu all dem noch Basiseffekte hinzu, die sich auch im Jahr 2021 positiv auf die Inflation ausgewirkt haben und weiter auswirken werden, scheint die Schlussfolgerung naheliegend: Wenn es jetzt keine Inflation gibt, dann wird es auch nie eine geben. Denn alles scheint darauf ausgerichtet zu sein, dass die Inflation wieder stark anzieht. Wird die Inflation in den großen Industrieländern im Durchschnitt so hoch sein wie seit 15 Jahren nicht mehr? Wir tendieren zu dieser Einschätzung.
Hier, um zu bleiben?
Die wichtigste Frage ist jedoch: Ist diese Inflation vorübergehender Natur? Tatsächlich ist dies größtenteils sehr wahrscheinlich. Die Gebrauchtwagenpreise werden sich normalisieren, sobald die Versorgungsprobleme gelöst sind, Basiseffekte werden auf natürliche Weise verschwinden, und der fiskalische Stimulus in den USA dürfte seine Grenzen erreicht haben, was den weiteren Preisanstieg bei Rohstoffen begrenzen wird. Auf der Immobilienseite dürfte der vorübergehende Charakter der Inflation die Rendite dieser Vermögenswerte unter Druck halten und ihre Bewertung unterstützen.
Psyche und Verunsicherung
Nichtsdestotrotz haben wir den Eindruck, dass dieses Reflationsthema an den aktuellen Märkten weiter Bestand haben und die Allokationsentscheidungen der kommenden Monate leiten dürfte. Dafür gibt es zwei Gründe.
Der erste ist rein psychologischer Natur und hängt damit zusammen, dass die künftigen Inflationszahlen hoch sein und wahrscheinlich mindestens bis Anfang kommenden Jahres bleiben werden. Dies hat sich in der Vergangenheit auf die Psyche der Anleger ausgewirkt.
Der zweite Grund liegt in der derzeitigen Ungewissheit. Niemand weiß genau, wie sich die Preise der Dienstleistungen entwickeln werden oder welche Folgen diese Krise haben wird. Diese Ungewissheit, gepaart mit hohen Inflationszahlen, dürfte die Finanzmärkte noch mindestens ein paar Monate lang beeinflussen.
Anpassung der Asset-Allokation
Das aktuelle Umfeld sollte zumindest für eine Weile zu Veränderungen in der Asset-Allokation führen. Wir bevorzugen derzeit Unternehmen, die von einem inflationären Umfeld profitieren dürften. Dazu zählen Banken, deren Transformationsmargen steigen werden, oder Unternehmen, die eher zyklisch sind (Rohstoffe, Energie), innerhalb ihres Sektors gut positioniert sind und Preissteigerungen an ihre Kunden weitergeben können. In der Vergangenheit haben sich Hochzinsanleihen und nachrangige Schuldtitel in Phasen der Reflation, die mit starkem Wachstum einhergehen, sehr gut entwickelt. Eine gute Inflation ist ein positives Phänomen für Unternehmen und hochverzinsliche Anlagen.
Die jetzige Phase dürfte auch für Sachwerte wie Immobilien sehr positiv bleiben. So ermöglicht der Besitz von Mietimmobilien in Zeiten steigender Inflation steigende Mieten, da diese an Indizes gebunden sind, deren Hauptkomponente die Inflation ist. Dies betrifft direkt gehaltene Immobilienanlagen, aber auch indirekt über Fonds gehaltene Immobilien.
François Rimeu, Senior Strategist, La Française AM
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