Gold: Welche Faktoren den Preis jetzt bewegen

Gold befindet sich nach starker Wertentwicklung in einer Konsolidierungsphase. Charlotte Peuron, Portfolio Manager Thematic Equities bei Crédit Mutuel Asset Management, analysiert die Rolle von Realzinsen, Geldpolitik, Zentralbankkäufen und geopolitischen Risiken für den Goldpreis. La Française Systematic Asset Management | 02.06.2026 07:32 Uhr
Charlotte PEURON, Portfolio Manager Thematic Equities, Crédit Mutuel Asset Management / © e-fundresearch.com / Credit Fund Manager, La Française Systematic AM
Charlotte PEURON, Portfolio Manager Thematic Equities, Crédit Mutuel Asset Management / © e-fundresearch.com / Credit Fund Manager, La Française Systematic AM

Gold, oft als „Währung“ betrachtet, profitierte seit der COVID-Krise von den hohen Haushaltsdefiziten in den Industrieländern. Eine äußerst expansive Fiskalpolitik führte zu einer erhöhten Staatsverschuldung, schwächte die emittierenden Währungen und steigerte den relativen Wert von Gold (USD, EUR usw.). Nach mehreren Jahren starker Wertentwicklung befindet sich Gold seit dem Ausbruch des Iran-Krieges und der Schlacht um die Straße von Hormus in einer Konsolidierungsphase.

Mehrere Faktoren tragen zur Erklärung dieses Trends bei:

  1. Wie so oft war Gold zu Beginn des Konflikts Teil des breiter angelegten Marktausverkaufs. 
  2. Einige Zentralbanken nutzten das historisch hohe Preisniveau, um einen Teil ihrer Reserven zu verkaufen und damit Ausgaben zu finanzieren. Dies unterstreicht die Rolle von Gold als Reservewährung.
  3. Kurzfristig orientierte Anleger realisierten im März auch Gewinne durch den Verkauf von Gold-ETFs.

Goldpreise werden heute stärker von Veränderungen der Realzinsen und der Geldpolitik als von geopolitischen Risiken beeinflusst. Der Ölpreisschock und seine potenziellen wirtschaftlichen und inflationären Folgen haben die Erwartungen weiterer Zinssenkungen der US-Notenbank praktisch zunichtegemacht, was sich ebenfalls negativ auf die Edelmetallpreise auswirkt. Angesichts der aktuellen Lage dürfte diese Volatilität anhalten, bis diese Unsicherheiten beseitigt sind.

Dennoch bleiben wir mittelfristig optimistisch, da die fundamentalen Rahmenbedingungen weiterhin stark sind. Insgesamt sind die Zentralbanken nach wie vor Netto-Käufer von Gold; ihre Käufe beliefen sich im ersten Quartal 2026 auf über 244 Tonnen (Quelle: World Gold Council, 1. Quartal 2026). Das Handelsvolumen von Gold-ETFs erholte sich und stabilisierte sich im April. Sollte sich die Inflation verfestigen, dürfte Gold nach dem neuen Zinserhöhungszyklus seine Rolle als sicherer Hafen zurückgewinnen. Obwohl die fiskalpolitischen Maßnahmen seit der Krise in der Straße von Hormus bisher relativ konventionell geblieben sind und nur wenige zusätzliche Konjunkturimpulse enthielten, bleibt das Risiko höherer Staatsausgaben in naher Zukunft hoch, was die Goldpreise voraussichtlich erneut stützen würde. Sollte der Konflikt hingegen schnell enden, ohne eine Beschleunigung der Inflation auszulösen, könnte die US-Notenbank (Fed) versuchen, die Wirtschaft durch die Wiederaufnahme ihres Zinssenkungszyklus anzukurbeln. Beide Szenarien sprechen für einen steigenden Goldpreis.

Von Charlotte PEURON, Portfolio Manager Thematic Equities, Crédit Mutuel Asset Management

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