WICHTIGE KERNPUNKTE:
- Zwei wegweisende Handelsabkommen – EU–Mercosur und EU–Indien: Beide sollen einen spürbaren Wachstumsschub von rund +0,1% für die EU liefern.
- Umfassender Zollabbau öffnet den Zugang zu einigen der dynamischsten Märkte weltweit.
- Wesentliche Auswirkungen auf bestimmte Sektoren: Automobilindustrie, Wein & Spirituosen, Chemie, Pharmazeutik, Werkzeugmaschinen.
Vor dem Hintergrund des von den Vereinigten Staaten eingeleiteten Zollkonflikts diversifizieren viele ihrer Handelspartner ihre wirtschaftlichen Beziehungen, um sich gegen potenzielle Risiken abzusichern. In diesem Zusammenhang hat die Europäische Union (EU) zwei bedeutende Handelsabkommen abgeschlossen: eines mit Mercosur, ein weiteres mit Indien.
Beide Abkommen sollen nach ihrer Umsetzung in einem Zeitraum von fünf bis zehn Jahren ein jährliches Wachstum von rund +0,1 % ermöglichen 1.
«Zwei historische Handelsabkommen wurden kürzlich von der Europäischen Union (EU) unterzeichnet – eines mit Mercosur und eines mit Indien..»
Mercosur Abkommen: Überblick
Das am 17. Januar unterzeichnete Handelsabkommen zwischen der EU und Mercosur (Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay; Bolivien soll zu einem späteren Zeitpunkt folgen) tritt zunächst vorläufig in Kraft. Es sieht vor, Zölle zwischen 15 % und 35 % auf 90 % der Produkte über zehn bis fünfzehn Jahre abzubauen 2.
Für bestimmte Produkte erfolgt der Abbau unmittelbar, bei anderen in abgestuften Zeiträumen (4, 7, 8, 10 oder 12 Jahre). Für den Agrarsektor gelten Einschränkungen, um Marktverzerrungen innerhalb der EU zu vermeiden.
Relevante Kennzahlen
- Das Abkommen umfasst 718 Millionen Verbraucher und zwei Wirtschaftsräume, die zusammen 20 % des globalen BIP repräsentieren 3.
- Laut EU Kommission soll die Zollbelastung europäischer Exporteure um rund4 Mrd. € sinken.
- Die EU erwartet, dass ihre Exporte in die Mercosur Länder um 39 % steigen.
- Prognostiziertes jährliches Wachstum: +0,1 % für die EU, +0,3 % für Mercosur 4.
Verteilung der erwarteten Effekte
- Spanien und Portugal profitieren anteilig stärker, da 4 % bzw. 7 % ihres Handels mit Mercosur erfolgen.
- Für Deutschland ergeben sich Vorteile vor allem im Automobilsektor.
- Frankreich dürfte insbesondere im Bereich Wein und Spirituosen profitieren.
- Für Brasilien werden positive Effekte vor allem in den Exporten von Kaffee, Zucker und Öl erwartet 5.
«Für Wein und Spirituosen sinken die Zölle von 150 % auf 75 % und anschließend auf 20 %.»
EU Indien Abkommen („Mother of All Deals“)
Nach zwei Jahrzehnten Verhandlungen haben die EU und Indien ein weitreichendes Handelsabkommen auf den Weg gebracht. Beide Wirtschaftsräume vereinen zusammen rund 25 % der weltweiten Wirtschaftsleistung.
Das Abkommen sieht vor, 92–97 % der Zölle auf Waren und Dienstleistungen innerhalb von etwa fünf Jahren abzubauen 6.
Die unmittelbaren Einsparungen durch reduzierte Zölle werden auf 4 Mrd. € geschätzt. Das Wachstumspotenzial liegt ähnlich wie beim Mercosur Abkommen bei rund +0,1 % jährlich.
Beispiele für Zollsenkungen
- Rückgang der Zölle auf Autos (ausgenommen Elektrofahrzeuge) von 110 % auf bis zu 10 % für bestimmte Modelle, begrenzt auf ein Kontingent von 250.000 Fahrzeugen.
- Senkung der Zölle auf Wein und Spirituosen von 150 % auf 75 % und später auf 20%.
- Zölle auf Chemikalien, Arzneimittel und Werkzeugmaschinen sinken auf 0 %7.
Auch im Agrarsektor werden Zölle reduziert, jedoch mit Schutzklauseln für sensible Güter wie Fleisch, Reis und Zucker.
Handelsbeziehungen EU – Indien
- Die EU ist bereits Indiens größter Handelspartner mit 76 Mrd. $ an Exporten und 61 Mrd. $ an Importen, was rund 12 % der indischen Gesamtexporte entspricht 8.
- Laut International Trade Centre (ITC) könnten diese Handelsströme innerhalb von fünf Jahren verdoppelt werden.
Im Warenhandel werden Potenziale besonders in den Bereichen Textilien, Elektronik und Pharma gesehen. Darüber hinaus wird dem Dienstleistungssektor ein erhebliches Wachstumspotenzial zugeschrieben.
Für die EU entsteht zudem ein besserer Zugang zum indischen Markt, der derzeit nur 0,8 % der EU Exporte ausmacht 9.
Unter den EU Mitgliedstaaten dürften besonders Frankreich, Belgien, Deutschland, Finnland und Italien von dem Abkommen profitieren 10.
Deutschland ist bereits ein zentraler europäischer Partner Indiens in verschiedenen industriellen Sektoren.
Von François Rimeu, Senior Strategist, Crédit Mutuel Asset Management
Weitere beliebte Meldungen:
1 Quelle: Europäische Kommission
2 Quelle: Europäische Kommission
3 Quelle: UN, IMF, « GDPand population », 2024
4 Quelle: Europäische Kommission
5 Quelle: Europäische Kommission
6 Quelle: IMF
7 Quelle: IMF
8 Quelle: ITC trademap, 2024
9 Quelle: Europäische Kommission
10 Quelle: IMF, Mercosur’s trade with key partners, 2024
Verfasst am 17.02.2026. Dieser Kommentar dient ausschließlich Informationszwecken. Die von Crédit Mutuel Asset Management geäußerten Ansichten basieren auf den aktuellen Marktbedingungen und können sich ohne vorherige Ankündigung ändern. Diese Einschätzungen können von denen anderer Investmentfachleute abweichen. Herausgegeben von La Française Finance Services, Hauptsitz: 128 boulevard Raspail, 75006 Paris, Frankreich, ein von der Autorité de Contrôle Prudentiel reguliertes Wertpapierdienstleistungsunternehmen (Nr. 18673 X) und Tochtergesellschaft von La Française. Crédit Mutuel Asset Management, 128 boulevard Raspail, 75006 Paris, ist eine von der Autorité des marchés financiers unter der Nr. GP 97 138 zugelassene Vermögensverwaltungsgesellschaft und seit dem 11.04.2025 unter der Nr. 25003045 bei ORIAS (www.orias.fr) registriert. Aktiengesellschaft (Société Anonyme) mit einem Grundkapital von 3.871.680 €, eingetragen im Handelsregister von Paris unter der Nr. 388 555 021. Crédit Mutuel Asset Management ist eine Tochtergesellschaft der Groupe La Française, der Asset-Management-Holding von Crédit Mutuel Alliance Fédérale.