Das Wiederaufflammen der Spannungen im Nahen Osten hat auch die Zinsmärkte nicht verschont: Als Reaktion auf die steigenden Ölpreise haben sich die Renditen von Staatsanleihen ausgeweitet, während die Credit-Segmente für nachrangige Schuldtitel stabil geblieben sind und kaum eine Ausweitung der Spreads zu verzeichnen war. Tier-2-Anleihen von Versicherungsgesellschaften haben im Monatsverlauf aufgrund ihrer höheren Anleihe-Sensitivität erwartungsgemäß eine unterdurchschnittliche Performance von -1,2 % verzeichnet, während Unternehmenshybride um 0,8 % nachgaben. CoCos haben sich mit einem begrenzten Rückgang von 0,3 % besser entwickelt. Grund dafür waren die moderateren Auswirkungen des Zinseffekts und eine sehr starke Widerstandsfähigkeit der Spreads (228 Basispunkte Ende Juli gegenüber 237 Basispunkten Ende Juni für den Bloomberg CoCo€-Index). Die Verengung der Spreads in diesem Segment ist umso bemerkenswerter, als sich der iTraxx Crossover CDS-Index im gleichen Zeitraum von 245 Basispunkten auf 261 Basispunkte ausgeweitet hat.
Die relative Ruhe am Markt für Nachranganleihen spiegelt die Erwartung einer positiven Lösung der geopolitischen Krise und einer Rückkehr zur „Normalität“ bei den Zinssätzen und dem Ölpreis wider – und das in einem Umfeld, in dem die Nachfrage nach Anleihen mit Carry weiterhin besteht. Die Ruhe am Primärmarkt hat ebenfalls zur Stabilisierung der Spreads beigetragen, da es im Juli keine neuen CoCo-Emissionen oder Unternehmenshybride gab und nur zwei Tier-2-Emissionen (die polnische Bank Pekao in EUR und der britische Versicherer Standard Life in GBP) erfolgten. Die Erwartungen hinsichtlich der Emissionen von AT1-CoCo-Anleihen durch Banken für die zweite Jahreshälfte 2026 sind gering, da die meisten Banken ihre Refinanzierungsprogramme bereits abgeschlossen haben. Zwar dürften einige andere Banken versucht sein, auch noch weiter in der Zukunft liegende Calls vorzufinanzieren, doch ist für den Rest des Jahres mit einer gewissen Unterstützung aus dieser Richtung zu rechnen.
Die Berichtssaison für das zweite Quartal 2026 ist in vollem Gange und verläuft für den europäischen Finanzsektor sehr positiv. Insgesamt weisen die europäischen Banken, die bislang ihre Ergebnisse veröffentlicht haben, eine gute Profitabilität auf. Laut Citi haben 13 von 23 Banken ihre Gewinnprognosen angehoben und gleichzeitig gesunde Bilanzen vorgelegt – insbesondere im Hinblick auf notleidende Kredite, deren Stand in den letzten sechs Monaten stabil geblieben ist. Im Zentrum des Interesses stehen weiterhin Ankündigungen und Gerüchte zu Fusionen und Übernahmen, die unermüdlich kursieren, jedoch in der Regel keine nennenswerten Auswirkungen auf die Spreads der betroffenen Emittenten haben.
Von Paul Gurzal, Co-Head of Fixed Income und Jérémie Boudinet, Head of Financial and Subordinated Debt, Crédit Mutuel Asset Management
Weitere beliebte Meldungen:
Quelle: Bloomberg, Zahlen Stand Ende Juli 2026