Erneute Angriffe auf die Unabhängigkeit der Fed angesichts der Vorladungen ihres Vorsitzenden Powell belasten nach wie vor den US-Dollar. Die Drohungen Trumps, einem engen NATO-Verbündeten Grönland wegzunehmen (bevor er später in Davos einlenkte), und die daraus resultierende Sorge um die Zuverlässigkeit der USA als geopolitischer Partner haben den Dollar weiter geschwächt. Effektiv bleibt der Greenback jedoch teuer. Eine weitere Zinssenkung der Fed in diesem Jahr wird den Renditevorteil der USA weiter schmälern.
Umgekehrt bieten die sich abzeichnenden wirtschaftlichen Erholungstendenzen im Euroraum und die verringerten European-Government-Bond(EGB)-Spreads weitere Aufwärtspotenziale für den Euro. Allerdings dürfte es für den EUR/USD-Kurs schwierig werden, die Schwelle von 1,20 nachhaltig zu überschreiten, da die robuste US-Wirtschaft (GDPnow prognostiziert für das vierte Quartal ein Wachstum von saisonbereinigt >5%) und der anhaltende KI-Boom den USD weiterhin stützen.
Trotz der sich verbessernden konjunkturellen Aussichten leidet Europa weiterhin unter tief verwurzelten strukturellen Schwächen, darunter übermäßige Bürokratie, verlorene Wettbewerbsfähigkeit, hohe Energiekosten und die militärische Abhängigkeit von den USA. Der japanische Yen ist stark unterbewertet, aber das Risiko einer fiskalischen Dominanz lastet weiterhin auf ihm. Das britische Pfund wird durch das schleppende Wachstum und weitere Zinssenkungen der Bank of England belastet. Trotz wachsendem Misstrauen gegenüber den USA wird dies den Abwärtstrend des Dollars gegenüber den wichtigsten Währungen insgesamt begrenzen – während Gold möglicherweise noch stärker glänzen wird.
Von Dr. Thomas Hempell, Head of Macro & Market Research bei Generali Investments
Weitere beliebte Meldungen: