Die Fed dürfte die Zinsen bei ihrer Sitzung im Juni unverändert lassen. Doch die geldpolitische Debatte entfernt sich deutlich von Zinssenkungen. Angesichts soliderer Inflationsdaten lässt sich eine Tendenz zur Lockerung nur schwer rechtfertigen. Der Kern-PCE dürfte in nächster Zeit kaum unter 3% im Jahresvergleich fallen, während höhere Energiepreise die Gesamtinflation auf hohem Niveau halten und auf die Kerninflation übergreifen könnten. Der Arbeitsmarkt hat sich stabilisiert; jüngste Beschäftigungszahlen übertrafen die Erwartungen und sprechen dafür, einen Teil der „Versicherungsschritte“ des vergangenen Jahres zurückzunehmen. Inflationsrisiken dominieren das Bild. Die Fed dürfte daher einen eher restriktiven Ton anschlagen, ihre Tendenz zur Lockerung aufgeben und weniger Forward Guidance geben. Im Mittelpunkt steht der Dot Plot. Mehr Mitglieder könnten für 2026 keine Senkungen mehr vorsehen und einige könnten sogar spätere Erhöhungen einplanen.
Die Ernennung von Kevin Warsh zum Vorsitzenden sorgt vor allem hinsichtlich der Kommunikation für Unsicherheit. Ohne eine Mehrheit im Ausschuss sind umfassende politische Änderungen unwahrscheinlich. Doch die Tonalität könnte sich schnell ändern: ein einfacherer Rahmen, weniger Forward Guidance, stärkere Datenabhängigkeit und kürzere Erklärungen.
Der Ton seiner ersten Pressekonferenz dürfte ausgewogen sein. Zwar deuten jüngste Äußerungen auf Zinssenkungen hin, doch er betont seit Langem die Glaubwürdigkeit der Inflationsbekämpfung. Wir haben unsere Prognose angepasst und unsere Erwartung einer letzten Zinssenkung im ersten Quartal 2027 zurückgenommen. Wir gehen nun davon aus, dass die Fed die Zinsen über das Jahresende hinaus unverändert belassen wird. Die Risiken tendieren zu einer Zinserhöhung Anfang nächsten Jahres.
Von Paolo Zanghieri, Senior Economist bei Generali Investments
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