- Ein gespaltenes FOMC rechnet nun mit einer Zinserhöhung in diesem Jahr. Die Fed zeigt sich besorgter als erwartet über die hohe und hartnäckige Inflation. Ihr deutlich kürzeres Statement verzichtet auf jegliche Forward Guidance und beschränkte sich auf die Fakten.
- Der neue Vorsitzende Kevin Warsh hielt sich mit eigenen Prognosen zurück und lieferte in der Fragerunde kaum wirtschaftliche Analysen. Stattdessen begann er, seine Vision für die Fed darzulegen: eine Zentralbank mit einem enger gefassten Aufgabenbereich, einem breiteren Blickwinkel und einer stärkeren Ausrichtung auf Signale der Finanzmärkte.
- Fünf Arbeitsgruppen werden überprüfen, wie die Fed kommuniziert, ihre Bilanz verwaltet, Daten nutzt, die Produktivität bewertet und die Inflation analysiert. Sie sollen ihre Arbeit bis zum Jahresende abschließen.
- Unser Basisszenario sieht weder in diesem noch im nächsten Jahr Zinsänderungen seitens der Fed vor. Die Märkte trieben die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen auf 4,2 % – den höchsten Stand seit über einem Jahr.
Bei der Sitzung im Juni gab es zwar keine Änderungen des Leitzinses, doch es gab drei deutliche Überraschungen:
- eine Fed, die restriktiver klang als erwartet,
- eine stark gestraffte Kommunikationsstrategie und
- den Start einer umfassenden Überprüfung der Arbeitsweise der Zentralbank.
Zu Beginn der Pressekonferenz erklärte der neue Vorsitzende Warsh, er sei vom FOMC „herzlich willkommen“ geheißen worden. Die Haltung des Ausschusses zu Inflation und Zinsen hat sich seit der Sitzung im März tatsächlich deutlich erwärmt. Das FOMC ist nun gespalten: Neun Mitglieder befürworten eine Zinserhöhung, neun sprechen sich für stabile oder niedrigere Zinsen aus. Der mittlere „Dot" für dieses Jahr ist nun mit einer Zinserhöhung vereinbar und der Median für 2027 liegt rund 50 Basispunkte höher als im März. Die Fed erwartet, dass sie in den nächsten zweieinhalb Jahren über 2 % bleiben wird.
Die Fed lieferte deutlich weniger Informationen als in der Vergangenheit. Die Tendenz zur Lockerung wurde erwartungsgemäß aus der Pressemitteilung gestrichen, doch die umfassendere Änderung war auffälliger: Das Kommuniqué wurde komplett neu verfasst und ist nun deutlich kürzer. Es enthält lediglich die wichtigsten wirtschaftlichen Fakten, die Verpflichtung zur Inflationsbekämpfung und die Entscheidung, den Rahmen für reichliche Reserven beizubehalten.
In der Fragerunde konzentrierte sich Warsh weniger auf kurzfristige Konjunkturprognosen als auf seine Pläne für die Zukunft der Notenbank. Die bisherige Forward Guidance soll durch eine stärkere Orientierung an Inflationszielen und Marktsignalen ersetzt werden. Warsh ist überzeugt, dass Finanzmärkte besser funktionieren, wenn sie auf neue Daten reagieren statt auf mitunter vage Hinweise der Zentralbank. Zudem betrachtet er die Preissignale der Finanzmärkte als zentrale Daten, die die Zentralbank beobachten sollte.
Kern seiner Agenda ist eine umfassende Überprüfung der Fed. Fünf Arbeitsgruppen sollen bis Jahresende Vorschläge in folgenden Themenbereichen vorlegen:
- Überarbeitung der Kommunikation der Notenbank,
- Überdenken der Funktionsweise der Bilanz,
- Berücksichtigung neuer und alternativer Daten
- Untersuchung von Tempo und Reichweite des Produktivitätswachstums, mit besonderem Augenmerk auf die Auswirkungen von KI.
- Analyse von Inflation und ihren Treibern.
Ziel sei eine Zentralbank mit „breiterem Blickwinkel und engerem Aufgabenbereich“. Die Gruppen werden mit internen und externen Experten besetzt und sollen die Grundlage für tiefgreifende Reformen der Notenbank schaffen.
Das Preissignal des Marktes war eindeutig: Eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte im Oktober ist nun vollständig eingepreist, während die Wahrscheinlichkeit einer zweiten Anhebung bis April 2027 bei 84% liegt. Wir gehen derzeit davon aus, dass die Fed auf absehbare Zeit keine Zinsschritte unternehmen wird.
Die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen stieg um 17 Basispunkte auf 4,22% – den höchsten Stand seit über einem Jahr. Der S&P 500 gab zunächst um 0,9% nach, konnte dann aber rund die Hälfte dieser Verluste wieder wettmachen.
Von Paolo Zanghieri, Senior Economist bei Generali Investments
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