Eskalierende Golfkrise könnte Öl auf über 100 US-Dollar/Barrel treiben

Nach den Angriffen Israels und der USA auf den Iran spitzt sich der Konflikt zu. Die Straße von Hormus steht im Fokus: Drohen Ölpreise über 100 US-Dollar je Barrel und neue Turbulenzen an den Energiemärkten? Generali Investments | 02.03.2026 11:19 Uhr
Paolo Zanghieri, Senior Economist bei Generali Investments / © e-fundresearch.com / Generali Investments
Paolo Zanghieri, Senior Economist bei Generali Investments / © e-fundresearch.com / Generali Investments

Die koordinierten Angriffe Israels und der USA auf den Iran zielen offen auf einen Regimewechsel. Trotz der Tötung des Revolutionsführers Ajatollah Chamenei dürfte der Konflikt dieses Mal deutlich länger andauern als die begrenzte Operation 2025, als Brent kurzzeitig über 80US$/Barrel stieg.

Der Iran reagierte mit Angriffen auf Israel und US-Stützpunkte in den Golfstaaten und schloss die Straße von Hormus. Zugleich kündigten die Huthi-Rebellen neue Attacken im Roten Meer an. Teheran erhöht damit den Druck auf die Golfstaaten, um eine Deeskalation zu erzwingen. Angriffe trafen das iranische Ölterminal auf Kharg Island, die Infrastruktur der Golfstaaten blieb jedoch intakt.

Die Schließung der Straße von Hormus könnte rund 15-20 Prozent der globalen Ölproduktion vom Markt nehmen. OPEC+ beschloss zwar, das Angebot um 206.000 Barrel/Tag auszuweiten. Zudem könnte die freie Kapazität von knapp drei Mio. Barrel/Tag theoretisch die iranischen Exporte von 1,6 Mio. Barrel/Tag ersetzen. Die OECD-Reserven liegen im normalen Bereich.

Entscheidend bleibt jedoch die Wiedereröffnung der Straße von Hormus. Nur dann lässt sich ein Anstieg über 100 US-Dollar/Barrel verhindern. Die iranische Marine verfügt zwar kaum über die Mittel für eine vollständige Blockade. Dennoch könnten vereinzelte Angriffe auf Tanker und eine Verminung der Meerenge die Preise auf 90 US-Dollar/Barrel oder darüber treiben.

Direkte Angriffe auf Ölanlagen der Golfstaaten würden die Preise stark steigen lassen. Gleichzeitig würde der Iran damit jedoch seine ohnehin schwachen regionalen Beziehungen weiter beschädigen und zudem auch China gegen sich aufbringen.

Von Paolo Zanghieri, Senior Economist bei Generali Investments

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