Währungsmärkte: Der Iran-Krieg und der Dollar

Der fragile Waffenstillstand im Nahen Osten hält die Märkte in Atem: Ölpreis, US-Dollar und EUR/USD bleiben eng an den Konfliktverlauf gekoppelt. Warum mit einer Deeskalation die Dollar-Schwäche zurückkehren könnte und weshalb höhere Energiepreise den Euroraum belasten dürften. Generali Investments | 13.04.2026 11:30 Uhr
Dr. Thomas Hempell, Head of Macro & Market Research bei Generali Investments / © e-fundresearch.com / Generali Investments
Dr. Thomas Hempell, Head of Macro & Market Research bei Generali Investments / © e-fundresearch.com / Generali Investments

Der Waffenstillstand im Nahen Osten bleibt fragil: Erste Verhandlungen verliefen ergebnislos und US-Präsident Trump kündigte eine vollständige Blockade der Straße von Hormus an. Besonders hoch ist die Unsicherheit über den 14-tägigen Waffenstillstand hinaus, da die zentralen Positionen weit auseinanderliegen. Dennoch glauben wir, dass die Hürde für Präsident Trump, großangelegte Angriffe wieder aufzunehmen, hoch ist, da eine erneute Eskalation den Inflationsdruck in den USA voraussichtlich verstärken und den innenpolitischen Widerstand weiter verschärfen würde.

Die kurzfristige Richtung des US-Dollars bleibt eng an die weitere Entwicklung des Konflikts geknüpft. Dies hat weniger damit zu tun, dass der USD seine Rolle als sicherer Hafen zurückgewonnen hätte, sondern vielmehr mit dem Ölpreiskanal: Wenn der Ölpreis steigt, tendiert der USD mittlerweile dazu, zu profitieren, weil die USA zum Nettoenergieexporteur geworden sind. Euro und Yen sind dagegen exponiert, da Europa und Japan einen Großteil ihrer Energie importieren. Höhere Ölpreise verschlechtern daher ihre Handelsbilanzen und Wachstumsaussichten.

Mit Blick nach vorne erwarten wir, dass die USD-Schwäche wieder zum Vorschein kommt, sofern der Krieg deeskaliert und die Ölpreise zurückgehen. Globale Investoren dürften ihre Diversifizierung vom US-Dollar weiter vorantreiben, wobei der Iran-Krieg möglicherweise sogar die Abhängigkeit vom Petrodollar-System untergräbt.

Dadurch bleibt der mittelfristige Trend beim EUR/USD weiterhin aufwärtsgerichtet, wenngleich weniger ausgeprägt als wir es vor dem Krieg erwartet hätten, da die Energiepreise strukturell höher bleiben dürften und sich die Erholung im Euroraum nun schwächer gestalten wird.

Von Dr. Thomas Hempell, Head of Macro & Market Research bei Generali Investments

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