Deutsche Bundesanleihen stehen weiterhin unter Druck. Im dritten Quartal stieg die Rendite zehnjähriger Papiere um fast 50 Basispunkte auf den höchsten Stand seit 2011. Das ist fast ausschließlich auf eine Neubewertung der EZB-Zinserwartungen zurückzuführen. Die Märkte preisen nun eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte im September sowie bis zu zwei weitere bis zum Sommer 2027 vollständig ein. Dennoch hat sich die Laufzeitprämie für zehnjährige Bundesanleihen seit Ende Juni kaum verändert. Mit rund 0,5 % liegt sie zwar deutlich über ihren Tiefstständen von 2023, ist aber im historischen Vergleich immer noch niedrig. Dies deutet darauf hin, dass der jüngste Renditeanstieg hauptsächlich auf die Geldpolitik zurückzuführen ist und nicht auf eine breite Nachfrage nach einer höheren Vergütung für das Laufzeitrisiko.
Wir sind der Ansicht, dass die Märkte bei der Einpreisung der EZB-Zinspolitik zu weit gegangen sind. Über den September hinaus erwarten wir im vierten Quartal nur eine weitere Zinserhöhung, da die Anzeichen für stärkere Zweitrundeneffekte oder einen zunehmenden Lohndruck nach wie vor begrenzt sind. Dennoch rechnen wir nicht damit, dass die Bund-Renditen kurzfristig nennenswert sinken werden. Die Laufzeitprämien dürften weiter steigen, da die Anleihevolatilität hoch bleibt, die Inflationsunsicherheit anhält und die Staatsverschuldungsquoten weiter steigen, während die EZB ihre quantitative Straffung (QT) fortsetzt. Jede Korrektur der Zinserwartungen dürfte daher durch höhere Risikoprämien ausgeglichen werden. Derzeit ist es noch zu früh, um die Duration zu verlängern.
Von Florian Späte, Senior Bond Strategist bei Generali Investments
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